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Die Vorbereitung auf die U20-Weltmeisterschaft hätte für die deutsche Nationalmannschaft kaum schlechter verlaufen können. Acht Spieler des DEB-Teams wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Statt sich also auf dem Eis auf das Auftaktspiel gegen Finnland vorbereiten zu können, ging es in Quarantäne. "Das ist keine optimale Ausgangssituation. Aber wir nehmen es, wie es ist", sagt Interims-Sportdirektor Christian Künast. U20-Bundestrainer Tobias Abstreiter muss vorerst ohne die Infizierten planen: "Wir werden zunächst mit 15 Spielern und zwei Torhütern auf dem Eis stehen. Wir müssen abwarten, wie das Return to Play für die Positiv-Getesteten aussieht."

Der Kader der deutschen U20-Nationalmannschaft erscheint vielversprechend. Mit dabei ist unter anderem Tim Stützle, der beim NHL Draft 2020 an Position 3 von den Ottawa Senators ausgewählt wurde, und John-Jason Peterka, der als Pick-Nummer-34 von den Buffalo Sabres verpflichtet wurde. Stützle wird die Mannschaft als Kapitän anführen. "Er ist in jedem Workout und in jedem Meeting sehr positiv, lässt sich nicht herunterziehen, gibt seine Energie weiter. Er will immer vorneweg marschieren", sagt Abstreiter.
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Stützle blickt mit Vorfreude auf das Turnier in Edmonton: "Kanada ist für jeden etwas Besonderes. Jeder wird diese WM schauen." Peterka weiß, dass die Leistungen der NHL-Prospects in Nordamerika besonders begutachtet werden: "Da wir gedraftet sind, schauen noch mehr Leute auf uns. Das ist ein schönes Gefühl." Von den Schwierigkeiten in der Vorbereitung möchte er sich nicht herunterziehen lassen: "Das ist für alle eine blöde Situation. Aber wir sind ein super Team."
Doch was ist mit dem deutschen Team überhaupt möglich? Abstreiter schätzt die Situation realistisch ein: "Unter normalen Vorzeichen wäre die Mannschaft für eine Überraschung gut." Von normalen Umständen könne angesichts der vielen Corona-Fälle allerdings keine Rede sein. Der Bundestrainer rechnet mit einem schwierigen Auftakt: "Wir kommen aus zehn Tagen Quarantäne und spielen dann gleich gegen die Top Nationen Finnland und Kanada. Wir sehen das einfach als ein gutes Wettkampftraining und wollen uns dann bestmöglich auf die Spiele gegen die Slowakei und die Schweiz vorbereiten."
Für die Schweiz ist der Nationaltrainer Marco Bayer verantwortlich. "Unser Minimalziel für die U20-Weltmeisterschaft lautet Viertelfinal-Qualifikation. Aber natürlich wollen wir um die Medaillen spielen, dafür sind wir hier", sagt er im Gespräch mit NHL.com/de. "Wir sind eine sehr ausgeglichene Mannschaft und verfügen über vier Linien über ein gutes Level. Jeder Block hat seine Stärken und kann ein Spiel entscheiden, gleichzeitig können wir die Kräfte gut über vier Linien verteilen." Ein Schwachpunkt könne allerdings die Unerfahrenheit sein: "Wir haben viele jüngere Spieler im Kader, die aufgrund der Absage der U18-WM 2020 teilweise noch nicht einmal eine U18-WM spielen konnten. Ich bin aber sicher, dass wir die fehlende WM-Erfahrung mit anderen Stärken wettmachen."
Die Schweiz startet am 25.12. gegen die Slowakei in das Turnier. "Die Slowakei ist auf Augenhöhe mit uns. Für uns ist klar, dass wir sie für die Viertelfinal-Qualifikation schlagen müssen", sagt Bayer. Finnland und Kanada zählt er zu den Top-Favoriten. "Finnland verfügt immer über starke Junioren-Nationalmannschaften. Sie wissen, wie man Medaillen holt und Weltmeister wird", sagt Bayer. Die kanadische U20 wird der dritte Gruppengegner der Schweiz sein. Bayer sagt: "Bei Kanada brauchen wir nicht zu diskutieren. Auf dem Papier haben wir keine Chance - und genau das ist unsere Chance. Im direkten Vergleich mit Kanada sind wir No Names. Aber jedes Spiel muss zuerst gespielt werden. Das ist unsere Chance."

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Und wie schätzt er Deutschland ein, gegen die er im letzten Gruppenspiel antreten wird? "Deutschland ist auf dem Papier klar zu favorisieren", antwortet Bayer. "Sie verfügen über drei bis vier absolute Top-Cracks. Nominell sind sie klar stärker. Wir haben jedoch in den Testspielen im Sommer gezeigt, dass wir sie schlagen können. Wir wissen, wo wir sie packen müssen."
Während Deutschland und die Schweiz in der Gruppe A um den Einzug in das Viertelfinale kämpfen, tritt Österreich in der Gruppe B auf die USA, Schweden, Russland und Tschechien. Der Dreh- und Angelpunkt der Österreicher ist Marco Rossi, der beim NHL Draft 2020 an Position 9 von den Minnesota Wild ausgewählt wurde. U20-Nationaltrainer Roger Bader sagt im Gespräch mit NHL.com/de über Rossi: "Er ist unser Teamleader und unser bester Einzelspieler. Er wird unsere Mannschaft anführen."
Gleichwohl sieht er seine Nationalmannschaft in der Außenseiterrolle. "Die vier Mannschaften aus unserer Gruppe sind klare Favoriten für das Viertelfinale, einige sogar für den Weltmeistertitel. Daher sind wir in jedem Spiel klarer Außenseiter." Für Österreich gehe es vorwiegend darum, Erfahrungen zu sammeln: "Wir wollen zeigen und beweisen, dass wir zurecht in der IIHF Top Division sind und dass Österreich eine gute Eishockeymannschaft hat. Wir wollen bei jedem Spiel an unsere Grenzen gehen und Spiel für Spiel einen Fortschritt machen. Sollte sich in einem Spiel zeigen, dass wir in der Lage sind, Punkte zu machen, wollen wir bereit dafür sein."
Bader weiß die Stärken und Schwächen seiner Mannschaft richtig einzuschätzen: "Wir haben schnelle sowie gute Eisläufer und wir sind in der Lage, gut organisiertes und strukturiertes Eishockey zu spielen. Im Gegensatz zu den Top-Nationen dieser Weltmeisterschaft haben wir aber nicht die Breite an Spielern, die gleichermaßen sowohl physisch als auch spielerisch auf dem höchsten Level sind."