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Jonas Siegenthaler wusste bereits, was in dieser Saison auf ihn zukommt, als die ohnehin in der Verteidigung stark besetzten Washington Capitals auch noch den 43-jährigen Routinier Zdeno Chara von den Boston Bruins verpflichteten. Neben dem unbestrittenen Anführer John Carlson (31 Jahre) und Neuzugang Chara, gehören dem namhaften Kader in der Defensive noch Dmitry Orlov (29), Justin Schultz (30), Brenden Dillon (30), Nick Jensen (30) und Trevor van Riemsdyk (29) an.

Es stand zu befürchten, dass Siegenthaler in diesem Fall das achte Rad am Wagen sein könnte. Allerdings wissen die Capitals auch, welchen Schatz sie mit dem 23-jährigen Zürcher in den Händen halten, den es entsprechend mit Spielpraxis zu hegen und zu pflegen gilt.
"Die Tiefe in der Verteidigung ist zunächst einmal positiv für die Mannschaft, aber schwierig zu managen, sowohl für die Spieler als auch für mich", räumte Capitals-Trainer Peter Laviolette am Montag gegenüber NHL.com/de ein. "Insofern treffen wir jeden Tag unsere Entscheidungen, von denen wir glauben, dass sie die besten für unser Team sind. Das ist für die Jungs nicht immer einfach, da bin ich mir sicher, aber wir sind laufend in Gesprächen mit ihnen."

WSH@NJD: Siegenthaler schießt hoch ein

So musste Siegenthaler in den ersten drei Saisonspielen der Capitals tatenlos von außen zuschauen, wie seine Kollegen ihren Job verrichteten.
"Es war nicht einfach für mich", bekennt Siegenthaler im exklusiven Gespräch mit NHL.com/de. "Ich bin ins Trainingscamp gegangen, um bereit zu sein und es war schon ein kleiner Rückschlag zu erfahren, dass ich die ersten Spiele nicht eingesetzt werde. Aber schlussendlich sagte ich zu mir selbst, dass ich positiv bleiben muss und meine Chance kommen wird."
Am vergangenen Freitag beim Heimauftakt gegen die Buffalo Sabres (4:3 SO) war das schon der Fall und er kam zu seinem Saisondebüt, weil Orlov, zusammen mit Alex Ovechkin, Evgeny Kuznetsov und Ilya Samsonov bei der Auswärtsreise gegen das Protokoll der Liga bezüglich der Vermeidung von COVID-19-Infektionen verstieß und für vier Spiele gesperrt wurde.
"Es war hart für ihn pausieren zu müssen, da wir acht NHL-Verteidiger haben, die wir problemlos einsetzen können, und deshalb immer welche aussetzen müssen", sagte Laviolette auf Nachfrage über seinen mit Abstand jüngsten Verteidiger. "Aber ich denke, dass er gut reingefunden hat bei seinem ersten Einsatz. Er hat ein hervorragendes Spiel geliefert."
Siegenthaler selbst schätzt seine Leistung ebenfalls positiv ein. "Ich habe mich im ersten Spiel gleich gut gefühlt und das zweite war auch sehr solide", resümiert er. "Aber es gibt immer Sachen zu verbessern und darauf aufzubauen. Ich versuche einfach das Spiel zu spielen, das die Trainer verlangen. Dann sollte es weiterhin gut gehen."
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Seit Juli 2015 steht Siegenthaler bei den Capitals unter Vertrag. Seitdem muss er versuchen, in der NHL seinen Weg bei einem Spitzenteam zu machen. Was auf der einen Seite erfreulich ist, kann sich auf der anderen Seite so wie jetzt negativ auswirken, weil der Konkurrenzkampf groß ist und er sich als junger Spieler erst durchsetzen muss.
Nach seinem Wechsel aus der Schweiz nach Nordamerika machte Siegenthaler in der Saison 2017/18 75 Spiele für das Farmteam Hershey Bears aus der AHL und sammelte zwölf Punkte (sechs Tore, sechs Assists). In der Saison 2018/19 erfolgte sein NHL-Debüt für die Capitals, doch es blieb eine geteilte Spielzeit zwischen AHL und NHL mit 26 Spielen (0 Tore/4 Assists) in der regulären Saison und vier in den Stanley Cup Playoffs für Washington und 34 Partien (2/4) für Hershey.
In der Spielzeit 2019/20 hatte Siegenthaler praktisch einen Stammplatz inne und absolvierte 64 Partien (2/7) in der regulären Saison und sieben in der Postseason (0/0). Jetzt scheint es so, als ob der Kampf um diesen von neuem beginnt.
"Man bekommt hier nichts geschenkt und muss sich jeden Tag neu beweisen", weiß auch Siegenthaler zu berichten. "Die Konkurrenz bei den Capitals ist sehr groß."
Gleich im ersten Einsatz der aktuellen Saison bekam Siegenthaler mit 20:13 Minuten viel Eiszeit und rechtfertigte das Vertrauen des Trainers, wie Laviolette selbst hervorhob. Vom zweiten Auftritt seiner Nummer 34 am Sonntag (15:14 Minuten Eiszeit, davon 1:52 in Unterzahl) erneut gegen die Sabres (3:4 SO) war der Coach ebenfalls sehr angetan.

VGK@WSH: Siegenthaler markiert seinen ersten Treffer

"Er hat gestern an seine erste Leistung angeknüpft", verdeutlichte Laviolette am Montag. "Er ist ein Junge, auf den man sich in der defensiven Zone verlassen kann. Er spielt einen guten ersten Pass und ist verlässlich in Unterzahl. Es war gut, ihn gebracht zu haben und einmal in unterschiedlichen Spielsituationen zu sehen. Er ist definitiv ein guter Verteidiger, der seine Leistung bringt, wenn wir ihn brauchen."
Siegenthaler selbst sieht den Konkurrenzkampf eher gelassen. Er ist sich im Klaren darüber, dass er als junger Mann auf seine Weise von der Erfahrung der älteren Spieler profitieren kann. Dennoch würde er natürlich bereits jetzt aus verständlichen Gründen gerne jedes Mal mitmischen.
"Es ist einfacher einen jüngeren Spieler aus dem Team zu nehmen als einen älteren", unterstreicht er einen Nachteil seines Alters, um sogleich den Vorteil herauszuarbeiten: "Aber sie gehen sehr fair mit uns um. Ich versuche den Umstand zu nutzen und von den erfahrenen Spielern entsprechend zu lernen, um noch besser zu werden."
Denn die Zeit spielt für Siegenthaler und das weiß er nur zu gut. "Durch den kompakten Spielplan ist es wichtig einen tiefen Kader zu haben", stellt er klar. "Die letzte Woche hat gezeigt, dass wir plötzlich vier Spieler ersetzen mussten und dann zahlt sich aus, wenn viel Qualität im Kader ist." Und er wird ein Teil davon bleiben.