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Der beste Save ist der, den man nicht machen muss

Defensivspezialisten Alec Martinez, Kris Russell und Brooks Orpik über die wichtige Aufgabe Schüsse zu blocken

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Oft stehen vor allem die Spieler im Rampenlicht, die für die spektakulären Aktionen sorgen. Etwa ein Marc-Andre Fleury, wenn er im Tor der Vegas Golden Knights einen überragenden Save zeigt, oder Alex Ovechkin, wenn er seine Washington Capitals zum Sieg schießt. Doch um in der NHL regelmäßig zu gewinnen und am Ende um den Stanley Cup kämpfen zu dürfen, müssen die Teams auch viele Dinge richtig machen, die es meist nicht in die Highlight-Videos schaffen. Eine besonders wichtige Aufgabe ist es, Schüsse auf das eigene Tor zu blocken.

Mit den Veteidigern Kris Russell, Alec Martinez und Brooks Orpik stellten sich nun drei absolute Spezialisten auf diesem Gebiet NHL.com zum Interview.

"Ich bin stolz darauf. Es macht mir Spaß. Natürlich nicht immer", lacht Martinez, der bei den Los Angeles Kings diese Saison 203 Schüsse blockte. In der gesamten Liga konnte nur Russell seinem Torwart mehr Arbeit abnehmen. " Ich würde mir sicher wünschen, etwas anderes zu können, was nicht so schmerzhaft ist. Tore schießen. Aber wir können nicht alle Anze Kopitar sein."

Kopitar ist vielleicht der größte Star der Kings, doch Martinez leistet mit seinem Einsatz im eigenen Drittel einen extrem wichtigen Beitrag zum Erfolg des Teams. Egal wie gut ein Torhüter ist, niemand kann alle Schüsse halten. Entsprechend hohen Respekt haben die Mitspieler auch vor solchen Spielern.

 

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"Das Team schätzt das", bestätigt auch Russell, der für die Edmonton Oilers auf ganze 222 geblockte Schüsse kommt. "Wir haben einige Jungs, die bereit sind sich zu opfern."

Es ist sicherlich keine einfache Rolle, die die Defensivspezialisten in ihren Klubs einnehmen. Es gehört viel Spielverständnis und ein gutes Positionsspiel dazu, und natürlich die Bereitschaft, sich einem Schuss in den Weg zu stellen, der mit bis zu 170 km/h ankommt. Das ohne schwere Verletzungen zu überstehen, ist eine Kunst für sich.

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"Es gibt ein paar wichtige Punkte", erklärte Martinez. "Man muss den Puck richtig einschätzen, wenn er den Schläger verlässt, man braucht das Timing, und muss sich so groß wie möglich machen, um die Schussbahn wegzunehmen. Es gibt ein paar Fähigkeiten, die man braucht, aber am Ende geht es um den Willen und die Bereitschaft."

"Es geht um das Positionsspiel", ergänzte Russell. "Je weiter der Gegner entfernt ist, umso höher die Chancen, dass der Puck hoch kommt. Wenn man schnell am Gegner ist und ihm den Raum und die Zeit nimmt, dann hat man gute Chancen."

Dabei muss der Spieler seine Position nicht nur so wählen, dass er in die Schussbahn kommt, sondern auch darauf achten, dass er dem Torhüter dabei nicht zu sehr die Sicht nimmt und der Puck auch wirklich gestoppt und nicht nur abgefälscht wird.

"Man weiß im Normalfall, ob man die richtige Position hat", weiß der erfahrene Brooks Orpik zu berichten. "Manchmal weiß man, dass der Torwart den Puck gut sieht und ihn besser stoppen kann als man selbst, dann geht man einfach aus dem Weg. Das kommunizieren die Torhüter auch und sagen uns, wenn wir aus dem Weg gehen sollen."

Diese Übersicht und dieses Stellungsspiel kommen bei dem 37-jährigen Verteidiger der Washington Capitals von 15 Jahren NHL-Erfahrung. Doch auch im Training muss daran gearbeitet werden.

"Wir haben Pucks aus Schaumstoff", lässt Martinez wissen. "Wenn man davon getroffen wird tut es immer noch weh, aber natürlich nicht annähernd so sehr wie mit einem richtigen Puck."

Blaue Flecken und schmerzende Knochen sind für die Spieler längst an der Tagesordnung. Doch davon lassen sie sich nicht aufhalten, sie tragen die Spuren ihres Einsatzes mit Stolz und stürzen sich im nächsten Wechsel wieder in den nächsten Schuss, solange sie nicht ernsthaft verletzt werden. Der Gefahr sind sie sich dennoch bewusst.

"Man weiß immer, dass man nur einen Schuss von einer Verletzung entfernt ist", gibt Orpik zu. "Oft betet man wirklich, dass man nicht an bestimmten Stellen getroffen wird. Man ist sich der Risiken immer bewusst, aber man versucht sie einfach durch Erfahrung und den richtigen Winkel zu minimieren."

"Die Hände muss man besonders schützen, weil sie alles beeinflussen, was man auf dem Eis macht", betont Russell. "Die Hände, die Füße und selbstverständlich das Gesicht. Heutzutage schießt jeder hart. Man hat in jedem Team ein oder zwei Leute, die über 160 km/h schaffen. Im Powerplay stehen Leute wie ein Alex Ovechkin, ein Steven Stamkos, oder ein Shea Weber an der blauen Linie."

Eine der bekanntesten Weisheiten im Eishockey lautet: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften. Umso wichtiger sind am Ende der Saison und in den Stanley Cup Playoffs genau jene Athleten, die bereit sind ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen, um den Puck vom eigenen Tor fernzuhalten.

"In letzter Zeit wird mehr Wert auf das Blocken gelegt", ist sich auch Martinez der Bedeutung seiner Arbeit sicher. "Es scheint immer schwieriger zu werden, den Puck auf das Tor zu bringen, besonders für Verteidiger. Alle haben den nötigen Willen zu gewinnen und das kann ein Team weit bringen."

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