GrubauerSeider511

Deutschland und die Schweiz setzten bei der am Freitag beginnenden IIHF Weltmeisterschaft 2022 in Finnland auf eine Vielzahl an aktuellen oder ehemaligen NHL-Profis. Beide Nationalteams spielen zusammen in Gruppe A in Helsinki und treffen dort auf Titelverteidiger Kanada, Dänemark, Frankreich, Italien, Kasachstan und die Slowakei. Österreich, das wie die Franzosen als Nachrücker vom Ausschluss von Russland und Belarus profitierte, bekommt es in Gruppe B in Tampere mit Gastgeber Finnland, Großbritannien, Lettland, Norwegen, Schweden, Tschechien und den USA zu tun.

In der DEB-Auswahl sind mit Torhüter Philipp Grubauer (Seattle Kraken), Verteidiger Moritz Seider (Detroit Red Wings) und Stürmer Tim Stutzle (Ottawa Senators) drei gegenwärtige NHL-Spieler vertreten. Blueliner Korbinian Holzer (Adler Mannheim) und Angreifer Marc Michaelis (Toronto Marlies) waren ebenfalls schon in der NHL am Puck.
Ex-NHL-Stürmer Dominik Kahun (SC Bern), in der Vorbereitung fester Bestandteil des Nationalteams, muss wegen einer Verletzung kurzfristig passen. Sein Ausfall schmerzt Bundestrainer Toni Söderholm ganz besonders. "Ich hätte Dominik gerne dabeigehabt", hob er hervor. Sein Fehlen wiegt umso schwerer, da gleich mehrere Angreifer aus freien Stücken auf eine WM-Teilnahme verzichtet haben. Dazu zählen unter anderem die NHL-erfahrenen Tobias Rieder (Växjö Lakers) und Tom Kühnhackl (Skellefteå AIK).
"Man merkt, dass einige Leute 60, 70 Spiele in den Beinen haben. Das hat sie viel mentale Energie gekostet. Es gab Spieler, die kurzfristig abgesagt haben, die vor einem Monat vielleicht noch Kraft hatten. Jetzt, wo die Saison vorbei war, war das auf einmal anders", erläuterte Söderholm.
Seider und Stützle sollen nach den Plänen des Bundestrainers eine wichtige Rolle im Team einnehmen. "Ich sehe sie beide als Führungsspieler. Ich erwarte daher von Tim und Mo, dass sie ihren Beitrag leisten und sich so auf die Spiele vorbereiten, dass sie die Mannschaft auch führen können. Wir werden sie von unserer Seite dabei natürlich unterstützen. Sie haben ohne Zweifel die Qualität, die man dafür braucht", hob Söderholm hervor.

DET@NJD: Seider trifft am Innenpfosten

Der DEB-Coach kündigte zudem an, dass er auf der Meldeliste den einen oder anderen Platz für potentielle Nachrücker aus Nordamerika freihält. In Frage kommen dafür in erster Linie die Offensivkräfte Lukas Reichel (Chicago Blackhawks) und JJ Peterka (Buffalo Sabres), die mit den AHL-Filialen ihrer Klubs in die Playoffs um den Calder Cup involviert sind. Die Chancen, dass Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) und Nico Sturm (Colorado Avalanche) für Deutschland bei der WM auflaufen, sind indes nicht besonders groß. Selbst wenn die Oilers in den Stanley Cup Playoffs früh ausscheiden sollten, dürfte Draisaitl nach einer strapaziösen Spielzeit wohl eine Pause vorziehen. Sturm hat mit den Avalanche bereits die zweite Runde erreicht, die erst kommende Woche beginnt und geraume Zeit in Anspruch nimmt.
Eine Zielvorgabe für das Abschneiden des DEB-Teams bei der bevorstehenden WM wollte Söderholm öffentlich nicht benennen. "Das führt uns nirgendwo hin. Das werden wir mit der Mannschaft in Helsinki besprechen", meinte er.
Bei der Schweiz befinden sich momentan zehn Akteure mit NHL-Erfahrung im Kader. Es handelt sich um Torhüter Reto Berra (Fribourg-Gottéron), die Verteidiger Dean Kukan (Columbus Blue Jackets), Janis Moser (Arizona Coyotes) und Jonas Siegenthaler (New Jersey Devils) sowie die Stürmer Christoph Bertschy (Lausanne HC), Nico Hischier (New Jersey Devils), Denis Malgin (ZSC Lions), Timo Meier (San Jose Sharks), Pius Suter (Detroit Red Wings) und Calvin Thürkauf (HC Lugano).

CAR@NJD: Hischier verdoppelt Devils-Führung im 3.

Unklar ist, ob Philipp Kurashev (Chicago Blackhawks) für die Eidgenossen antreten wird. Er ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Bei ihm gilt es, den weiteren Verlauf abzuwarten.
Nicht dabei sind die drei früheren NHL-Cracks Sven Andrighetto, Yannick Weber (beide ZSC Lions) und Gregory Hofmann (EV Zug). Andrighetto und Weber laborieren an Verletzungen, Hofmann erhält nach einer für ihn kräftezehrenden und emotionalen Saison mit der NHL-Rückkehr, der Olympia-Teilnahme, dem Gewinn des Schweizer Meistertitels und der Geburt seines ersten Kindes eine Erholungspause. "Gregory hätte gerne an der WM teilgenommen. Wir haben aber in gegenseitigem Einvernehmen entschieden, dass er nun eine Pause braucht", sagte Nationalcoach Patrick Fischer.
Möglicherweise bekommt der bereits jetzt gut besetzte Kader in den nächsten Tagen noch einmal prominente Verstärkung. Darauf deutet zumindest eine Aussage von Nationalmannschaftsdirektor Lars Weibel hin. "Aktuell beobachten wir insbesondere die Situation in der NHL und reagieren dann entsprechend kurzfristig. Mit dem finalen Aufgebot für das erste WM-Spiel ist somit gegen Ende der Woche zu rechnen", betonte er.
Es dürften vor allem drei Spieler aus Nordamerika sein, denen die Teamleitung der Nati die Tür offenhält und die dazu beitragen könnten, einen Angriff auf die Medaillenränge zu starten: Roman Josi (Nashville Predators), Kevin Fiala (Minnesota Wild) und Nino Niederreiter. Während Josi mit den Predators diese Woche aus den Playoffs ausgeschieden ist, kämpft Fiala mit den Wild noch um den Einzug in die zweite Runde. Gleiches gilt für Niederreiter bei den Hurricanes.

COL@NSH, Sp3: Josi zieht ab und trifft

Österreich hat zum WM-Auftakt keinen Akteur mit NHL-Einsätzen am Start. Mit Michael Raffl (Dallas Stars) ist der einzige derzeit aktive NHL-Spieler des Landes mit seinem Klub weiterhin in den Playoffs gefordert. Marco Rossi, der beim NHL Draft 2020 von den Wild in der ersten Runde an Gesamtposition 9 ausgewählt wurde und bislang zwei NHL-Einsätze hatte, fehlt verletzungsbedingt. In Finnland dabei ist dagegen Marco Kasper (Rögle BK), der als Erstrundenpick beim NHL Draft 2022 gehandelt wird.
Für Österreich zählt beim WM-Turnier einzig und allein der Klassenerhalt. "Wir wollen in jedem Spiel unser bestes Eishockey abrufen", betonte Kapitän Thomas Raffl (EC Red Bull Salzburg). "Uns ist bewusst, dass es Teams geben wird, in denen die Chancen auf einen Sieg höher sind. Ich denke, Norwegen und Lettland sind Mannschaften, gegen die wir zuschlagen können, gegen die wir überraschen können", fügte er hinzu.