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Chicago verpasst die Stanley Cup Playoffs

Nähert sich die Ära der Blackhawks dem Ende oder nehmen sie nur eine Pause zum Luftholen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Wochenlang hat es sich angedeutet, doch seit gestern Abend, einer 1:5-Heimniederlage gegen die Colorado Avalanche, ist es Gewissheit: Die Stanley Cup Playoffs 2018 werden ohne die Chicago Blackhawks stattfinden.

Ihr Kriegsbeil für den Kampf um einen Playoffplatz in der Western Conference dürfen die Blackhawks bereits zu einem Saisonzeitpunkt begraben, an dem sie sich im vergangenen Jahrzehnt erst daran gemacht hatten, die perfekte Bemalung für ihren anstehenden Feldzug in Richtung Stanley Cup Finale anzulegen.

"So etwas möchte man nicht mitmachen. Milde ausgedrückt hatten wir eine enttäuschende zweite Saisonhälfte. Es gab über das ganze Jahr hinweg Spiele, in denen wir das erste Tor erzielten, eines zuließen, dann den Faden verloren und uns nicht mehr erholten", beschrieb am Dienstagabend der enttäuschte Blackhawks Stürmer Patrick Kane den Saisonverlauf.

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Kane ist neben Teamkapitän Jonathan Toews, Linksaußen Patrick Sharp, Schlussmann Corey Crawford sowie den Verteidigern Brent Seabrook und Duncan Keith einer von sechs Spielern im aktuellen Kader der Blackhawks, die bereits 2007/08 mit dabei waren als die Blackhawks zum letzten Mal die Playoffs verpassten. Seither waren sie das Siegen gewohnt und konnten sogar dreimal den Stanley Cup (2010, 2013, 2015) in Empfang nehmen.

Die Blackhawks stehen zwar an einem Scheideweg, aber noch nicht vor einem Scheiterhaufen, der das Ende einer Ära bedeuten würde. Ihr Team ist stark genug und in der Breite bestens aufgestellt, um sich im kommenden Jahr wieder zurückzumelden.

Nur die größten Pessimisten ziehen Vergleiche mit den Jahren 1997/98 und 1946/47, als für die Blackhawks nach verpassten Playoffs Dürreperioden begannen, in denen es für sie zehn und zwölf Jahre lang kaum noch was zu ernten gab. Zwischen 1998 und 2007 qualifizierte sich Chicago ebenso nur einmal für die Preseason wie von 1947 bis 1958.

Schon eher sind Vergleiche erlaubt mit den Mannschaften der Boston Bruins von vor drei Jahren, den Los Angeles Kings, die 2014/15 als amtierender Stanley Cup Champion in der Vorrunde patzten oder den New Jersey Devils Mitte der 90er Jahre, denen 1996 ein ebensolches Missgeschick unterlief.

 

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Meines Erachtens wäre es ein Fehler auf einen kompletten Umbau mit neuen Gesichtern zu setzen und damit das Risiko einzugehen für Jahre von der Playoff-Bildfläche zu verschwinden. Sollen sie tatsächlich den Weg der Detroit Red Wings beschreiten, die nach dem angekündigten Neubeginn zum zweiten Mal in Folge die Playoffs verpassen werden?

Die Ausgangssituation in Chicago ist eine andere: Die Leistungsträger Kane und Toews sind noch keine 30 Jahre alt, Schlussmann Corey Crawford erwies sich bis zu seiner Verletzung Ende Dezember meist als ein solider Rückhalt für das Team - mit seinen 33 Jahren befindet er sich auch noch im besten Torhüteralter - und Headcoach Joel Quenneville zählt ohne Zweifel zu den erfahrensten und besten seines Fachs.

Wer mag General Manager Stan Bowman vorwerfen, dass er beim Zusammenstellen des Kader falsche Entscheidungen getroffen hat? Bowman haben es die Blackhawks zu verdanken, dass sie vor zehn Jahren überhaupt einen Weg aus der sportlichen Tristesse gefunden haben und er hat auch nicht vergessen an die Zukunft zu denken.

Rechtsaußen Alex DeBrincat, 20, und Center Nick Schmaltz, 21, sind mit 46 (25 Tore, 21 Assists) und 48 (20 Tore, 28 Assists) Punkten hinter Kane (25 Tore, 45 Assists) und Toews (20 Tore, 32 Assists) die dritt- und viertbesten Scorer des Teams. Ein Anthony Duclair, 22, der während der Saison von den Arizona Coyotes zu den Blackhawks stieß, hat mit zwei Toren und sechs Assists in 23 Partien definitiv nicht die Erwartungen erfüllt, doch warum sollte er, nach einer weiteren Eingewöhnungszeit, nicht an seine beste Saison 2015/16 anknüpfen können, als ihm 20 Tore und 24 Vorlagen für die Coyotes gelangen.

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Eine Überlegung wert wäre es vielleicht, einige altgediente Verteidiger, die noch über mehrjährige Kontrakte mit einer No Trade Klausel verfügen, aus ihren Verträgen herauszukaufen, sich damit neue Optionen zu eröffnen, damit die für die kommende Spielzeit ausgegrabene Tomahawk wieder ihre volle Wirkungskraft entfaltet.

"Denn schließlich spiele ich, um die Playoffs zu erreichen, alles andere nervt und ist hochnotpeinlich", wie Verteidiger Connor Murphy am Dienstag völlig korrekt anmerkte.

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