Die IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft 2023 in Finnland und Lettland geht in die heiße Phase. Am Donnerstag finden die vier Viertelfinalbegegnungen statt. Vor allem die Partien zwischen Schweiz und Deutschland sowie zwischen Kanada und Finnland haben eine Vorgeschichte.
WM-Viertelfinale: Duelle mit brisanter Vorgeschichte
Der deutsche Nationalspieler Nobels schickt eine Spitze an die Schweiz, während Finnland und Kanada der Final-Revanche von 2022 entgegenblicken

Schweiz - Deutschland (15.20 Uhr in Riga)
Nachdem Deutschland die ersten drei Spiele gegen die Top-Favoriten Schweden, Finnland und USA jeweils knapp mit einem Tor verlor, ließen sie vier Siege folgen und qualifizierten sich dadurch als Tabellen-4. der Gruppe A für das Viertelfinale. Das 5:0 gegen Frankreich zum Hauptrundenabschluss war eine spielerische Machtdemonstration. Der deutsche NHL-Star JJ Peterka ist mit vier Toren und fünf Vorlagen der effektivste Spieler der DEB-Auswahl und belegt in der WM-Scorerliste Rang 5. Auch Verteidiger Kai Wissmann erwies sich bislang mit seinen acht Punkten (ein Tor und sieben Vorlagen) als sehr effektiv. Der beste Torjäger ist Nico Sturm von den San Jose Sharks mit fünf Treffern.
Der deutsche Nationalspieler Marcel Noebels gibt sich im Interview mit "Sport1" optimistisch: "Wir haben unsere Pflichtaufgabe bis hierhin erfüllt. Aber unsere Reise hat gerade erst begonnen. Wir haben uns viel vorgenommen und uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Ich glaube, wir alle können eine breite Brust haben." Auch Bundestrainer Harry Kreis gibt sich mit dem Erreichten längst nicht zufrieden: "Die Jungs haben mit Recht ein gutes Gefühl und Selbstvertrauen. Wir haben das Minimalziel erreicht. Aber unser Ziel ist das Maximalziel. Wir wissen, dass es noch schwieriger wird."
Im Viertelfinale trifft Deutschland auf die Schweiz, die die Gruppe B dominiert haben. Nachdem sie die ersten sechs Vorrundenspiele gewannen, kassierten sie im letzten Spiel gegen Lettland eine Overtime-Niederlage. Allerdings hatten die Schweizer auch die Top-Stars Nico Hischier, Nino Niederreiter und Denis Malgin geschont. Im Viertelfinale könnten die drei NHL-Spieler wieder den Unterschied ausmachen.
Die Schweiz ist als Gruppensieger einerseits der Favorit, ist andererseits aber oftmals an Deutschland gescheitert. Bei der WM 2010, bei den Olympischen Winterspielen 2018 und bei der WM 2021 erwies sich die DEB-Auswahl jeweils als zu stark. Der Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer ist sich dessen bewusst, bewertet das allerdings nicht über: "In der ganzen Vergangenheit als Spieler und Coach habe ich mehr gute als schlechte Erinnerungen an die Spiele gegen Deutschland. Vor zwei Jahren haben wir das Spiel aus der Hand gegeben. Das tat weh. Seither sind wir gewachsen und sie auch. Wir haben Respekt für sie. Aber sie wissen auch, dass wir gutes Hockey spielen."
Sicher ist, dass zwei hochmotivierte Mannschaften aufeinandertreffen. Der deutsche Nationalspieler Noebels schickt eine Spitze in Richtung Gegner: "Es gibt aus den Spielen gegen die Schweiz aus der Vergangenheit viele schöne Momente, aber die Jungs haben Bock auf eine neue Geschichte. Ich freue mich auf das Spiel und glaube nicht, dass die Schweizer sich auch freuen."
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USA - Tschechien (15.20 Uhr in Tampere)
Die USA sind das einzige Team der Weltmeisterschaft, das alle sieben Vorrundenspiele gewann. Nur ein einziges Mal, und zwar beim 4:3 gegen Schweden, mussten sie dafür in die Verlängerung gehen. Trainer David Quinn sagte nach dieser Partie: "Wir haben ein großartiges Spiel gegen eine herausragende Mannschaft gespielt und ich bin wirklich stolz auf unsere Leistung. Wir haben in der Vorrunde sieben Spiele gewonnen und das auf sieben verschiedene Arten. Jetzt geht es darum, dass wir uns neu fokussieren und für unseren Viertelfinalgegner am Donnerstag bereit sein."
Dies wird Tschechien sein, die zwar vier ihrer sieben Vorrundenspiele gewannen, zuletzt allerdings Niederlagen gegen Kanada (1:3) und die Schweiz (2:4) kassierten. Deren Schlüsselspieler ist Dominik Kubalik von den Detroit Red Wings, der mit 8 Toren und 4 Assists bislang Top-Scorer der WM ist.
Kanada - Finnland (19.20 Uhr in Tampere)
Kanada gegen Finnland ist die Neuauflage des letztjährigen WM-Finales. Damals setzte sich Finnland in der Verlängerung mit 4:3 durch. Nun erfolgt die Revanche bereits im Viertelfinale. Und das sogar am selben Ort wie damals: in der Nokia Arena im finnischen Tampere.
Die Vorrundenbilanz beider Mannschaften ist nahezu identisch: Fünf Siege, eine Overtime-Niederlage und eine Niederlage in der regulären Spielzeit. Der einzige Unterschied ist, dass die Kanadier einen ihrer Siege, nämlich gegen die Slowakei, erst im Penaltyschießen errangen.
Eine weitere Parallele: Beide Mannschaften haben nicht den einen überragenden Torjäger, sondern funktionieren vor allem als Mannschaft. In den Top-8 der Torschützenliste ist weder ein Kanadier noch ein Finne vertreten. Sakari Manninen erzielte bislang drei Tore und ist somit der erfolgreichste finnische Torjäger. Der erfolgreichste Torjäger der Kanadier ist mit MacKenzie Weegar (3 Tore) von den Calgary Flames ein Verteidiger.
Schweden - Lettland (19.20 Uhr in Riga)
Beim Co-Gastgeber Lettland herrscht pure Euphorie. Mit dem 4:3-Overtime-Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen die Schweiz sicherten sie sich den Einzug in das Viertelfinale. "Es ist unglaublich", sagte der lettische Stürmer Ralf Freibergs. "Wir haben großartig gespielt. Und genau im richtigen Moment haben wir getroffen. Wir brauchten das für die Fans. In unserem Land sind die Zeiten hart, der Wirtschaft geht es nicht gut. Die Menschen brauchten etwas Positives."
Ob es gelingt, das Eishockey-Märchen auch gegen den Mitfavoriten Schweden fortzusetzen? Lettland ist jedenfalls nicht zu unterschätzen. Sie haben im Viertelfinale das heimische Publikum in der Arena von Riga hinter sich. Stürmer Rodrigo Abols, der 2016 in der 7. Runde von den Vancouver Canucks gepickt wurde und trotzdem nie ein NHL-Spiel bestritt, spielt mit seinen fünf Toren ein überragendes Turnier. Zudem hat Lettland mit einer Penalty-Kill-Quote von 95 Prozent das beste Unterzahlspiel aller WM-Teams.
Bei den Schweden, die in der Vorrunde lediglich gegen die USA in der Verlängerung unterlagen, überragt der Verteidiger Henrik Tömmernes mit 10 Assists als bester Vorlagengeber des Turniers.
\[Komplette Berichterstattung von NHL.com/de von der IIHF Weltmeisterschaft 2023 aus Riga, und Tampere\]

















