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Philipp Kurashev ist anzusehen, dass er derzeit auf Wolke 7 schwebt und diese Tatsache ist verständlich. Gut gelaunt präsentierte sich der 21-jährige Schweizer bei seiner exklusiven Zoom-Konferenz mit NHL.com/de am Freitag nach dem Morning Skate vor dem Spiel gegen die Detroit Red Wings.

In der zurückliegenden Woche konnte Kurashev seinen Traum erfüllen, für den er seit seiner frühen Jugend hart gearbeitet hat, und debütierte für die Chicago Blackhawks in der NHL. Zur Abrundung des Glücks wurde der Stürmer in der zweiten Reihe an der Seite von Dominik Kubalik und Center Dylan Strome eingesetzt und erzielte bereits im dritten Spiel seinen ersten NHL-Treffer.
"Bis jetzt habe ich drei Spiele gemacht", resümiert Kurashev. "Bis hierher ist alles tipptopp gelaufen. Ich hatte das Ziel, in der NHL zu spielen und das habe ich bereits mit den drei Einsätzen erreicht. Jetzt will ich mich beim Trainer und dem Staff für weitere NHL-Spiele empfehlen. Wenn es weiter so läuft, wäre das natürlich gut."
Da fiel es kaum ins Gewicht, dass der eigentlich gelernte Center auf Rechtsaußen zum Einsatz kommt. "Da gibt es schon taktische Unterschiede", bekennt Kurashev. "Doch wenn man mit so guten Spielern zusammenspielt wie hier - ich stand zuletzt mit Strome und Kubalik in einer Reihe - macht es das einfacher für mich. Es ist dann im Grunde kein so großer Unterschied mehr, ob man als Center oder Flügelstürmer spielt."

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Für gewöhnlich malt man sich gewisse Dinge im Kopf bildlich aus, wie es werden könnte, wenn man sie erstmals erlebt. Doch wie sieht das mit einem Debüt in der NHL aus? "Mir war von vornherein bewusst, dass es die beste Liga der Welt ist", betont Kurashev. "Es geht sehr schnell zu, die Spieler sind alle groß und kräftig. Da gilt es, sich gut zu bewegen und schnelle Entscheidungen zu treffen. Das ist eigentlich das Wichtigste hier. Man muss immer Vollgas geben und darf bei keinem Shift schlafen. Das würden gute Gegenspieler sonst sofort ausnutzen."
Bei allem hilft ungemein, dass seit dieser Saison mit Pius Suter ein zweiter Schweizer im Team der Blackhawks steht und als Center der ersten Reihe ran darf. "Es ist natürlich cool, zusammen mit einem Schweizer im Team zu sein", meint Kurashev über seinen Landsmann, den er vorher kaum persönlich kannte. "Er ist ein toller Typ und ein hervorragender Spieler. Von daher ist das eine gute Sache für mich."
Der Lernprozess ist für den jungen Spieler natürlich noch nicht abgeschlossen. Trotzdem ist es interessant, einen Blick in die Vergangenheit und die Ausbildung von Kurashev zu werfen. Es sind schließlich viele Personen im Umfeld daran beteiligt, wenn ein jugendlicher Sportler zu einem angesehenen Profi heranwächst. "In gewisser Weise sind alle Trainer und Mitspieler wichtig für mich gewesen, egal ob in Bern, Zürich, Lugano und Quebec", bekennt Kurashev. "Ich konnte überall viel lernen und wichtige Dinge mitnehmen."
Eine Station war aber dann doch ganz besonders, insbesondere wegen einer dort handelnden Person. Von 2016 bis 2019 spielte Kurashev für die Quebec Remparts in der kanadischen Juniorenliga LHJMQ, deren General Manager und Trainer der ehemalige Weltklasse-Torhüter und dreimalige Stanley Cup Sieger Patrick Roy ist. Er hat Kurashev auf seinem Weg besonders geprägt.

CHI@FLA: Kurashev mit seinem ersten NHL-Tor

"Ich habe sehr viel von ihm gelernt, vor allem, wie das Leben eines Profis auszusehen hat", erzählt Kurashev. "Er hat mit mir regelmäßig Videos angeschaut und vor und während des Trainings immer intensiv mit mir gearbeitet. Dieses Jahr hat mir enorm geholfen. Die Zeit mit so einer Legende werde ich sicherlich nie vergessen. Dass ich ihn als Trainer haben durfte war super."
In dieser Zeit legte Kurashev den Grundstein für seine jetzige Karriere und verbuchte in drei Spielzeiten bei den Remparts 54, 60 und 65 Punkte. Wegen dieser Ausbeute wählten die Blackhawks ihn im NHL Draft 2018 in der vierten Runde an insgesamt 120. Stelle aus.
Nicht jeder Viertrunden-Zug schafft es bis in die NHL, doch dieses Ziel kann Kurashev abhaken und muss sich in Zukunft darauf konzentrieren, das Erreichte zu konservieren. Roy wird ihm sicher die nötigen Tipps dazu gegeben haben, wie das umzusetzen ist.