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Der nächste Schweizer Export: Tobias Geisser

Der 19-jährige Verteidiger vom EV Zug unterschrieb bei Washington und verrät auf NHL.com/de mehr zu den Hintergründen

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Jeden Donnerstag im Laufe der Saison 2017/18 widmet NHL.com/de einem deutschsprachigen Spieler einen speziellen Bericht. Dabei stellen wir sowohl junge Spieler, die sich einen Namen machen wollen, als auch etablierte Akteure und Teamleader ins Rampenlicht.

In dieser Ausgabe geht es um Tobias Geisser (bisher EV Zug / zukünftig Washington Capitals):

Am Dienstag, den 20. März schied der EV Zug nach einer 2:3-Niederlage in der Verlängerung gegen die ZSC Lions im Spiel 5 aus den Playoffs der Schweizer National League aus. Nur zwei Tage später folgte die Meldung, dass ihr junger Verteidiger Tobias Geisser einen Einstiegsvertrag über drei Jahre Laufzeit bei den Washington Capitals unterschrieben hat und sich trotz des noch ein Jahr laufenden Vertrages, aber dank einer Ausstiegsklausel, in Richtung Nordamerika verabschiedet.

 

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"Ich habe mir das im Vorfeld gut überlegt und mir war klar, dass ich diesen Schritt wagen werde, wenn ich die Möglichkeit dazu habe", betont Geisser am Mittwoch in einem exklusiven telefonischen Interview mit NHL.com/de. "Ich konnte aus zwei guten Möglichkeiten auswählen. Es war ein Luxusproblem. Ich hätte natürlich von einer weiteren Saison in Zug viel profitieren können, aber der Wechsel nach Nordamerika, für den ich mich schlussendlich entschieden habe, wird mich auch weiterbringen."

Sein bisheriger deutscher Trainer beim EV Zug, Harold Kreis, hält große Stücke auf Geisser, wenn er analysiert: "Tobias ist ein ruhiger Mensch. Das spiegelt sich in seinem Spiel wieder. Auch unter Druck wird er, wie wir in den Ligaspielen oder in der CHL gesehen haben, nicht nervös. Da hat er schon viel Ruhe und Übersicht. Er hat außerdem ein sehr gutes Positionsspiel und liest das Spiel sehr gut."

Diese Eigenschaften sind auch Nationaltrainer Patrick Fischer nicht entgangen. Am Mittwoch folgte die erstmalige Nominierung von Geisser als einer von drei Neulingen in den Kader der A-Nationalmannschaft für die Vorbereitung auf die Eishockey-Weltmeisterschaft im Mai in Dänemark. Bewegte Tage also für den 19-jährigen und 1,93 Meter großen Defensivmann, der noch gar nicht so lange auf dieser Position spielt.

"Ich war immer Stürmer, bis mich vor zwei oder drei Jahren der Trainer darauf angesprochen hat, ob ich es nicht mal als Verteidiger probieren möchte", erzählt Geisser. "Zuerst war es ein bisschen komisch, aber dann hat es mir gefallen und jetzt kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen."

Geisser bezeichnet sich selbst als klassischen Zwei-Wege-Verteidiger, der offensiv eingreife und mitspiele, aber auch defensiv seinen Job mache, weswegen er neben dem Tennisspieler Roger Federer (wegen der mentalen Stärke) die Verteidiger Brent Burns von den San Jose Sharks, Erik Karlsson von den Ottawa Senators und selbstverständlich Landsmann Roman Josi von den Nashville Predators als seine Vorbilder benennt.

Im physischen Spiel müsse er noch zulegen. Gerade dieses Attribut, inklusive mehr Muskelmasse, wird von einem großen Verteidiger wie ihn in der NHL zukünftig erwartet, wenn er sich in Washington, die ihn beim NHL Draft 2017 an 120. Stelle in der vierten Runde gedraftet hatten, auf Dauer durchsetzen will.

"Mein großer Traum ist es, in der NHL zu spielen und irgendwann den Stanley Cup zu gewinnen", verdeutlicht der junge Mann sehr selbstbewusst.

Dass das nicht einfach werden wird, ist Geisser bewusst, denn mit Jonas Siegenthaler ist ein weiteres Schweizer Talent seit Anfang dieser Saison bei den Capitals als Verteidiger unter Vertrag, wurde aber bisher nur im Farmteam eingesetzt und wartet beharrlich auf sein NHL-Debüt.

"Ich stehe mit Jonas in regelmäßigem Kontakt und habe ihn auch schon befragt, wie es dort so ist und wie es ihm gefällt", berichtet Geisser. "Er weiß schon einiges und kann mir zeigen, wie der Hase läuft."

Dabei geht es nicht nur um die Dinge auf dem Eis, sondern auch um das tägliche Leben in den USA, das mit dem in der Schweiz nicht vergleichbar ist. "Es wird sicher eine Umstellung, aber ich habe ein gutes Gefühl", merkt Geisser an. "Ich wohne jetzt schon einige Zeit alleine, musste selber kochen und den Haushalt schmeißen, also bin ich das gewöhnt. Aber die vielen Reisen zu Auswärtsspielen, die anstehen, werden bestimmt interessant. Ich bin optimistisch, dass ich das schnell verarbeite."

 

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Tipps für sein Spiel konnte sich Geisser bereits in dieser Saison aus nächster Nähe holen, denn mit Verteidiger Raphael Diaz (201 NHL-Spiele) und Stürmer Viktor Stalberg (488) hatte er zwei langjährige NHL-Cracks in seiner Mannschaft. "Am Anfang der Saison habe ich mit Raphael zusammengespielt, da hat er mir viele Tipps gegeben und wir haben gemeinsam Videoanalyse betrieben", sagt er. "Es war eine gute Erfahrung für mich."

Mit seinen Eiszeiten war er durchaus zufrieden, was bei Nachwuchsleuten, die in den höchsten Ligen spielen, nicht unbedingt immer der Fall ist: "Es war Anfang der Saison gut, weil wir auch einige verletzte Spieler hatten, aber ich kann mich generell über meine Einsätze nicht beklagen und habe in diesem Jahr viel gelernt."

Der Zeitplan, wie es im Sommer für Geisser weitergeht, steht noch nicht ganz genau fest. Nur der Termin Ende Juni zum Development-Camp der Capitals ist fix. "Außerdem wird das eine oder andere Trainingscamp mit den Nationalmannschaften stattfinden", mutmaßt er. "Ich werde wohl mit Zug das Eistraining absolvieren, ehe es Anfang September wieder rübergeht."

Dann beginnt ein neues Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt und ein Traum, wie der Gewinn des Stanley Cups, kommt nicht von alleine und kann nur in Erfüllung gehen, wenn man sein Leben in die Hand nimmt. Das macht Tobias Geisser gerade.

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