NYR Panarin 2-18

Die New York Rangers sind derzeit nur schwierig zu stoppen. Beim Spiel der Navy Federal Credit Union Stadium Series im MetLife Stadium in East Rutherford (New Jersey) holte die Mannschaft von Trainer Peter Laviolette den siebten Sieg in Folge. Beim 6:5 nach Verlängerung gegen den Lokalrivalen New York Islanders taten sich die Rangers allerdings sehr schwer und mussten einmal mehr ihre Comeback-Qualitäten unter Beweis stellen.  

Artemi Panarin wusste es. Na ja, jedenfalls zu 80 Prozent war sich der Russe sicher, dass der Puck die Linie überquert hatte und dass sein Tor nach zehn Sekunden der Verlängerung zählte, wie er auf der Pressekonferenz via Dolmetscher mitteilen ließ. Kurz nach dem Spiel konnte er sich nicht gut an den Treffer erinnern, meinte er. Er sei von einer Welle der Emotionen übermannt worden. Panarin hatte einen Schnitzer von Islanders-Verteidiger Noah Dobson genutzt. Dann war das Tor verschoben, als die Scheibe über die Linie rutschte. Doch der Treffer fand Anerkennung. Und so durften die Rangers mal wieder jubeln.

NYR@NYI: Panarin sieht seinen Schuss in Overtime zum Sieg über die Linie trudeln

„Wir haben uns auf das Spiel gefreut. Die Atmosphäre war unglaublich. Und so zu gewinnen, wie wir das geschafft haben, auch einfach unfassbar“, sagte Rangers-Stürmer Mika Zibanejad

Allerdings war vor knapp 80.000 Zuschauern im MetLife Stadium nicht alles Gold, was am Ende glänzte. Zwar gingen die Rangers durch Verteidiger Erik Gustafsson früh in Führung (2.). Doch danach waren erst einmal die Gäste am Zuge, die durch Brock Nelson, Bo Horvat, Mathew Barzal und Kapitän Anders Lee bis zur 22. Minute eine 4:1-Führung herausgeschossen hatten. Laviolette hatte früh eine Auszeit genommen. „Es war eine Chance, das Spiel anzuhalten. Da lagen wir 1:3 zurück. Wir hatten die Möglichkeit, noch mal von vorne anzufangen, den Fokus neu auszurichten.“

Der Coach war vor allem mit der Leistung in der Abwehr nicht zufrieden. Der Matchplan habe eigentlich vorgesehen, viele Scheiben in Richtung Islanders-Tor zu bringen. Das sei nicht gelungen. In der ersten Pause habe er die Spieler daran erinnert, einfach zu spielen. Vincent Trocheck brachte die Gastgeber mit einem Doppelpack bis zur zweiten Drittelpause wieder zurück ins Spiel. Doch nach dem 5:3 für die Islanders durch Alexander Romanov schien die Sache schon entschieden.

Strafzeiten der Islanders begünstigten die folgende Aufholjagd der Rangers, die durch Chris Kreider und Mika Zibanejad zum Erfolg führte und schließlich durch Panarin gekrönt wurde. „Das erste Drittel war überhaupt nicht nach unserem Geschmack“, sagte Rangers-Trainer Laviolette. Aber sein Team habe weiter gekämpft. „Diese Partien sind ganz speziell. Wir haben das Glück, ein Teil davon sein zu dürfen. Und dieses Spiel steht in der Rangliste ganz oben.“

Ein Faktor zum Schluss waren die Strafzeiten, mit denen die Islanders den Rangers die Möglichkeit boten, weiter Druck zu machen. Laviolette nahm bei dieser Gelegenheit schon Keeper Igor Shesterkin zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers vom Eis. Hinzu kam das Wissen, dass die Islanders in dieser Saison noch keinen Schuss im leeren Tor untergebracht haben. „Es war eine Gelegenheit, Fünf-gegen-Drei zu spielen. Wir lagen zwei Tore zurück. Und Vier-gegen-Drei kann manchmal schwierig sein“, erläuterte Laviolette. Die doppelte Überzahl habe dem Team eine wesentlich bessere Chance auf ein Erfolgserlebnis gegeben. Am Ende habe das Powerplay in einem enorm wichtigen Moment geliefert.

NYR@NYI: Kreider fälscht Schuss im Powerplay zum Anschluss ab

Der Übungsleiter sieht in der Siegesserie, mit der seine Schützlinge in die Partie gegangen sind, einen wichtigen Schlüssel zum Erfolg. „Man gewinnt Selbstvertrauen, wenn die Dinge gut laufen. Man hat das Gefühl, dass man alles erreichen kann“, sagte Laviolette. Und auch wenn es von den äußeren Umständen her ein perfekter Abend gewesen sei, so war sich der Coach auch bewusst, dass auf dem Eis bei Weitem noch nicht alles perfekt war. „Die Islanders haben in den ersten 30 Minuten super gespielt und alles aufs Tor gebracht, was ging.“ Insofern sei das zweite Tor der Rangers extrem wichtig gewesen, um zurück in die Partie zu kommen.

Auch Panarin maß den sechs siegreichen Partien vor dem Auftritt im MetLife Stadium eine wichtige Rolle bei. Er wolle den Sieg aber nicht ausschließlich daran festmachen. Am Ende sei es auf einen perfekten Moment herausgelaufen. Die Atmosphäre sei unvergleichlich und genau das gewesen, was man gebraucht habe, um den Sieg zu sichern.

Für Laviolette war es der erste Sieg in einem NHL-Freiluftspiel. Zuvor lautete die Bilanz mit seinen Teams 0-3-1. „Ich bin sicher, dass er sich über den Sieg freut“, meinte Zibanejad. Man versuche, solch ein Event zu genießen. Aber am Ende gebe es auch hier zwei Punkte für einen Sieg. „Es gibt keinen besseren Weg, sich an dieses Wochenende zu erinnern, so wie wir es zu Ende gebracht haben.“ Derweil hielt die Siegesserie der Rangers, was Outdoor-Spiele betrifft. 5-0-0 lautet hier jetzt ihre makellose Bilanz, so gut wie kein anderes NHL-Team. Zibanejad versuchte sich an einer Erklärung, warum die Rangers bei Freiluftspielen so gut sind: „So viele Fans auf den Rängen, das ist echt aufregend. Wenn man dann noch hört, wie sie das Lied singen, wenn wir treffen … Es macht Spaß, diese Partien zu spielen.“

NYR@NYI: Zibanejad zieht im Powerplay direkt zum Ausgleich ab

Und selbstverständlich war das Comeback der Rangers auch etwas für die Geschichtsbücher. Denn sie sind erst das zweite Team, das bei einem NHL-Spiel unter freiem Himmel in den letzten fünf Minuten einen Rückstand von zwei Toren aufgeholt hat. Das andere Team waren die Philadelphia Flyers bei der Stadium Series 2019 gegen die Pittsburgh Penguins. Die Rangers sind außerdem das erste Team, das bei einem Freiluftspiel einen Drei-Tore-Rückstand aufgeholt hat. Insgesamt war es in dieser Saison bereits das 18. Comeback der Rangers.

Die Rangers haben durch den Sieg gegen den Lokalrivalen also weiter Selbstvertrauen getankt. Ihre Tabellenführung in der Metropolitan Division haben sie mit jetzt 75 Zählern gefestigt und die Carolina Hurricanes (69) auf Distanz gehalten. Allerdings wird Laviolette wissen, an welchen Stellschrauben er drehen muss, um die Abwehr etwas stabiler auftreten zu lassen. Denn auch die nächsten Gegner haben es in sich. Nach einem Heimspiel gegen die Dallas Stars am Dienstag müssen die Rangers am Donnerstag zum nächsten Derby zu den New Jersey Devils, bevor es zu den Philadelphia Flyers und den Columbus Blue Jackets geht.

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