Marco Sturm

NHL.com/de blickt auf bedeutende deutschsprachige Spieler zurück, die ihre Schlittschuhe für einzelne Franchises geschnürt haben. In dieser Folge die Los Angeles Kings.

Für Spieler aus der Schweiz und aus Österreich sind die Los Angeles Kings bisher ein weitestgehend unerforschtes Land. Lediglich ein Spieler, der für das Österreichische Nationalteam spielte, ein Schweizer Skater und ein Schweizer Torwart waren bisher für die Kings aktiv.
Das Team vor den Toren Hollywoods entwickelte sich seit der Jahrtausendwende jedoch zu einem beliebten Ziel für einige der namhaftesten Spieler des deutschen Eishockeys. Dabei war Los Angeles anscheinend aber nicht so traumhaft wie oft angenommen, denn die Aufenthalte waren stets nur von kurzer Dauer.
Bereits in der Saison 1983/84 bestritt der Deutsch-Kanadier Mike Heidt sechs Partien im Trikot der Kings und kam als Verteidiger dabei auf eine Vorlage. Allerdings sollte das auch das gesamte Ausmaß seiner NHL-Karriere gewesen sein.

Top-10-Spielszenen der Kings... bis jetzt

Richtig ging es dann in den frühen Zweitausendern los. Unter anderem liefen die deutschen Nationalspieler Jason Holland, John Tripp und Chris Schmidt für Los Angeles auf, auch wenn sich keiner davon wirklich durchsetzen konnte. Verteidiger Holland war mit 57 Spielen von 2001 bis 2004 der erfolgreichste der drei Spieler, dabei kam er auf drei Tore und vier Assists.
Die deutsche Tradition im Süden Kaliforniens wurde 2010 von keinem geringeren als Marco Sturm weitergeführt, einem der erfolgreichsten deutschen Spieler aller Zeiten. Sturm kam nach der Saison 2009/10 von den Boston Bruins, blieb aber nur für 17 Spiele bei den Kings, ehe er nach Washington weiterzog.
In seiner Zeit in L.A. erzielte er vier Tore und fünf Assists. Zwar war seine Phase als Spieler in Los Angeles nur kurz, Sturm scheint sich dort aber recht wohl gefühlt zu haben, denn im November 2018 kehrte er als Assistenztrainer dorthin zurück, und steht seitdem hinter der Bande bei den Kings.
Dem großen Sturm folgte fünf Jahre später Abwehr-Legende Christian Ehrhoff, jedoch auch nur für weniger als eine Saison. 2015/16 sammelte er in 40 Partien für die Kings zwei Tore und acht Assists. Noch während der Runde wurde er an die Chicago Blackhawks abgegeben, für die er noch acht Spiele aktiv war, ehe er seine NHL-Karriere beendete.

Erhoff

Der einzige noch aktive Deutsche, der für die Kings auf dem Eis stand ist Stürmer Tobias Rieder von den Calgary Flames. Er kam in der Saison 2017/18 durch einen Transfer von seinem ersten NHL-Team, den Arizona Coyotes, in die Filmstadt. Nach Startschwierigkeiten erzielte er in den letzten acht Spielen der Saison fünf seiner sechs Punkte (vier Tore, zwei Assists) für die Kings. Er schaffte mit dem Team den Einzug in die Playoffs, wo dann jedoch nach vier punktlosen Spielen Schluss war.
Fans der Eisbären Berlin, die bekanntlich eng mit den Kings kooperieren, fällt bei einem Blick auf die Draft-Historie der Kings sicherlich ein weiterer Name ein. In der sechsten Runde des NHL Drafts 2006 (an Nummer 164) wurde mit Constantin Braun nämlich ein weiterer Akteur durch die Kings ausgewählt. Allerdings spielte Braun nie auf der anderen Seite des Atlantiks, sondern blieb in der deutschen Hauptstadt, wo er mithalf die Eisbären zum Rekordmeister der DEL zu machen.

Aus den Alpenländern Österreich und Schweiz sind die Namen in den Annalen der Kings bei weitem nicht so zahlreich. Kein gebürtiger Österreicher schaffte es je in den Kader, allerdings beendete Verteidiger Dominic Lavoie, der bei vier Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Spielen des Jahres 2002 in Salt Lake City für Österreich auflief, seine NHL-Karriere 1993/94 mit drei Toren und drei Vorlagen in acht Spielen für die Kings.
Die Schweiz stellte bisher einen Torhüter und einen Angreifer in Los Angeles, allerdings brachten es beide gemeinsam nur auf sieben Einsätze. Torwart Pauli Jaks, neben Flavien Conne und Patrick Howald einer von drei Draft-Picks der Kings aus der Schweiz, durfte in der Saison 1994/95 einmal zwischen die Pfosten der Kings. Nach dem ersten Drittel eingewechselt, stoppt er in 40 Minuten mit einer Fangquote von 92 Prozent 25 Schüsse und kassierte zwei Tore. Danach bekam er nie wieder ein Chance dazu sich in der NHL zu beweisen.
Im Angriff stand ein Schweizer Stanley Cup-Sieger im Aufgebot der Kings. Paul Di Pietro, der 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin mit einem Doppelpack für einen überraschenden 2:0-Sieg der Eidgenossen gegen sein Heimatland Kanada sorgte, bestritt seine letzten sechs NHL-Spiele 1996/97 für die Kings und erzielte dabei eines seiner insgesamt 31 NHL-Tore.