Devils Kraken

Mit den Seattle Kraken und den New Jersey Devils begegneten sich am Donnerstagabend vor 17.151 Zuschauern in der Climate Pledge Arena zwei enorm formstarke Teams. Dabei bekamen die Devils als heißestes (davor fünf Siege in Folge) und auswärtsstärkstes Team der Liga (jetzt 18-3-1) eine Lehrstunde erteilt und verloren gegen taktisch herausragend eingestellte Kraken mit 3:4 n.V.

Kraken starten druckvoll
Das Duell zwischen den Kraken und Devils war ein hochkarätiges: Das heißeste Team im Kalenderjahr 2023 (jetzt 9-2-0) empfing den Tabellenvierten der gesamten NHL, der zuvor fünf Siege in Folge eingefahren hatte und damit das derzeit heißeste Team der Liga war.
"Sie waren heute schneller als wir, haben die Laufduelle gewonnen und waren besser in den Zweikämpfen. Sie haben sich auch besser gegen unser Forechecking gewehrt. Auch unsere Deckung war heute nicht gut genug. Wenn das passiert, dann lässt du automatisch auch viele Chancen zu", sagte Devils-Trainer Lindy Ruff. "Sie haben uns aufgearbeitet und überlaufen.
Klare Vorteile hatte zunächst Seattle, das New Jersey mit einer Menge Offensivdruck gewaltig zusetzte. Die aggressiven Kraken setzten auf aggressives Forechecking, waren mit ihren vielen schnellen Spielern kaum zu fassen, teilten körperlich aus und gaben zahlreiche Torschüsse ab (15:10 im ersten Drittel). Alleine Devils-Torwart Mackenzie Blackwood war es zu verdanken, dass es für seine Farben nach 20 Minuten nur 0:1 hieß. Gegen einen Präzisionsschuss von Ryan Donato aus spitzem Winkel unter die Latte war der Gäste-Goalie chancenlos (13.). "Er hat uns die ganze Zeit im Spiel gehalten. Es war eine starke Leistung von ihm", lobte New Jerseys Schweizer Kapitän Nico Hischier seinen Schlussmann.
New Jersey war für lange Zeit in der eigenen Zone gefangen und fand kaum ein Mittel gegen Seattle, das die neutrale Zone gekonnt abriegelte und auch viele Schüsse blockte. Entsprechend konnten die Devils nur punktuelle Akzente setzen. "Wir müssen im ersten Drittel einfach besser sein", ärgerte sich Hischier. "Es war ein harter Kampf."

Granato kopiert das 1:0 - Severson trifft aus dem Nichts
Zu Beginn des zweiten Drittel hielt New Jersey zunächst besser dagegen, dann aber torpedierte eine Kopie des 1:0 alle Bemühungen: Erneut visierte Donato aus spitzem Winkel von rechts das kurze Kreuzeck an, war erneut erfolgreich und stellte auf 2:0 (25.).
Nach wie vor verbrachten die Devils kaum Zeit in der Offensivzone. Selbst im Powerplay fanden die Gäste nur selten in die Aufstellung gegen ein aktives und aggressives Penalty Killing der Kraken, die auch hier physische Vorteile zeigten.
Aus dem Nichts kam New Jersey im Stile einer Spitzenmannschaft in der 32. Spielminute zum Anschlusstreffer: Der aufgerückte Verteidiger Damon Severson traf aus dem High Slot zum 1:2. Ein Tor, das den Devils spürbar Auftrieb gab und mit einem besseren Gefühl in die Kabine gehen ließ.

NJD@SEA: Hischier staubt vor dem Tor ab

Haula verzückt in Unterzahl - Tanev am Ende einer Kombinationskette
Im dritten Drittel kam New Jersey sogar zum Ausgleich: In Unterzahl empfing der mobile Center Erik Haula eine angechippten Pass über die Bande, tauchte frei vor dem Tor auf und überwand Torhüter Martin Jones mit einem sehenswerten Vorhand-Rückhand-Move (47.).
"Der Puck war frei und ich habe einfach den Zweikampf gewonnen", erinnerte sich Haula an diese Szene. "Ich konnte somit durchstarten und abschließen."
Davon unbeeindruckt spielte Seattle weiter nach vorne und kombinierte den Puck ebenfalls sehr ansehnlich zum 3:2 ins Tor: Nachdem die Scheibe tief in die Rundung gespielt wurde, wanderte diese wie an der Schnur gezogen über Yanni Gourde und Donato zu Brandon Tanev, der aus der Nahdistanz nur noch ins halbleere Tor einschieben musste (48.).
In der Folge erteilten die Kraken den Devils eine weitere Lehrstunde in Sache taktischer Disziplin, störten den gegnerischen Aufbau mit nimmermüdem Forechecking, provozierten Fehlpässe und Puckverluste. Statt einer Aufholjagd für New Jersey hatte Seattle im Schlussdrittel zwischenzeitlich einen Schussvorteil von 10:3.

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Erst kurz vor Schluss, als Blackwood für einen Extra-Angreifer aus dem Tor genommen wurde, entfalteten den Devils auch über einen längeren Zeitraum Druck in der Offensive und belohnten sich prompt: Hischier staubte unmittelbar vor dem Tor zum 3:3 ab (59.). "Wir hatten einen Spieler mehr auf dem Eis und ich konnte den freien Puck verwerten", so Hischier nüchtern.
In der Overtime dauerte es nur 70 Sekunden, ehe die Kraken das Spiel für sich entscheiden konnten: Andre Burakovsky tunnelte Blackwood zum 4:3-Endstand n.V. und brach damit New Jerseys Siegesserie. "So wie das Spiel gelaufen ist, nehmen wir den einen Punkt gerne mit", zeigte sich Hischier am Ende trotzdem zufrieden.
Brauchen die Devils mehr Physis?
Am Ende eines starken Fünf-Spiele-Roadtrips (4-0-1 in den Spielen in Raleigh, Anaheim, Los Angeles, San Jose und Seattle) dürfte für New Jersey trotzdem die Erkenntnis stehen, dass sie insbesondere für einen langen Playoff-Run noch mehr Physis benötigen können. Zumindest zeigte das die Partie in Seattle auf. Vor der Trade-Deadline dürften sich die Devils also vor allem nach körperlich starken Spielern umsehen.
"Uns fehlt nicht viel. Wir haben ein sehr komplettes Team. Natürlich ist es gut, wenn du einen tiefen Kader hast, falls Verletzungen passieren. Im Großen und Ganzen glaube ich aber, dass wir sehr solide sind", sagte der Schweizer Verteidiger Jonas Siegenthaler.
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"Wir haben auf diesem Roadtrip verschiedene Wege gefunden, Spiele zu gewinnen. Es hat sich also als eine gute Reise herausgestellt, immerhin haben wir viele Punkte mitgenommen", zog Ruff ein positives Fazit, mahnte aber auch: "Heute haben wir nicht gut gespielt. Wir haben zu viele Zweikämpfe verloren, haben zu viele Chance zugelassen, die wir hätten verhindern können."
Als nächstes stehen zwei Heimspiele in New Jersey auf dem Spielplan: Gegen die Pittsburgh Penguins und gegen die Vegas Golden Knights stehen die nächsten Härtetests an.
"Neun von zehn Punkten auf einem Roadtrip sind eine gute Ausbeute", sagte Haula. "Jetzt geht es nach Hause und wir haben noch ein paar Spiele vor der All-Star-Pause. Darauf werden wir uns jetzt konzentrieren."