Leon Draisaitl fehlt das Eishockey

Not macht erfinderisch. Weil Leon Draisaitl im Moment keine anderen Trainingspartner zur Verfügung stehen, muss sein sieben Monate alter Hund Bowie als Gegner beim Stickhandling herhalten. "Ich versuche ein bisschen mit ihm rumzuzocken. Er ist auf jeden Fall einer der besten Verteidiger gegen die ich jemals gespielt habe", lobte der Angreifer der Edmonton Oilers seinen Vierbeiner am Montag bei einer Videokonferenz mit vier deutschen NHL-Spielern. Mit dabei waren auch Philipp Grubauer von den Colorado Avalanche, Tobias Rieder von den Calgary Flames und Dominik Kahun von den Buffalo Sabres.

Grundsätzlich sei es gar nicht so einfach, sich in der jetzigen Situation in Form zu halten. "Ich denke, einen Schläger und einen Ball haben die meisten Jungs zu Hause. Aber sonst ist man doch ziemlich eingeschränkt", sagte er über seinen Trainingsalltag in Zeiten der Corona-Pandemie. Seine drei deutschen NHL-Kollegen stimmten ihm kopfnickend zu.

Ganz besonders vermisst Draisaitl in diesen Quarantäne-Tagen seine Mitspieler von den Oilers. Wenn er sich einen von ihnen hätte aussuchen können, um mit ihm die Isolation zu verbringen, wäre seine Wahl auf Zack Kassian gefallen. "Er hat eigentlich immer einen blöden Spruch drauf und etwas zu meckern. Mit ihm wäre es sicherlich extrem witzig geworden", charakterisierte er den Kanadier. "Am allerliebsten wäre ich aber mit den drei Jungs hier zusammen gewesen - in einer WG", schickte Draisaitl eine Zuneigungserklärung an die in der Ferne vor dem Bildschirm sitzenden Grubauer, Rieder und Kahun hinterher. "Alternativ könnten wir uns auch alle mal bei Grubi oder Tobi in den Bergen treffen, ein oder zwei Bierchen in die Hand nehmen und ein paar Storys auspacken. Das sind immer die besten Zeiten, finde ich."

Unvergessliche Momente: Leon Draisaitl

Die Unterbrechung der NHL am 12. März kam für den Oilers-Stürmer zur Unzeit. Zusammen mit seiner Mannschaft war er auf dem besten Weg, sich nach zwei Jahren Abstinenz wieder für die Stanley Cup Playoffs zu qualifizieren. Außerdem lag er zu diesem Zeitpunkt mit 110 Punkten (43 Toren, 67 Assists) souverän an der Spitze der NHL-Scorerwertung. Daran, dass er diesen Platz bei Wiederaufnahme des Ligaspielbetriebs unbedingt verteidigen und als erster Deutscher in der NHL-Geschichte die Art Ross Trophy für den erfolgreichsten NHL-Scorer der regulären Saison gewinnen will, ließ Draisaitl keinen Zweifel. "Darüber würde ich mich sehr freuen und es würde mir auch viel bedeuten", betonte er.

Allerdings machte er deutlich, dass das Abschneiden mit den Oilers für ihn absolut im Vordergrund stehe. "Wir hatten mit dem Team in den letzten Jahren leider nicht den gewünschten Erfolg. Wichtiger als alles andere ist mir daher, dass wir viele Spiele gewinnen und in die Playoffs einziehen."

Sollte sich bis zum Schluss am Tabellenbild in der Pacific Division nichts mehr ändern, käme es gleich in der ersten Playoff-Runde zur Battle of Alberta gegen Rieder und die Flames. Heiße Duelle auf dem Spielfeld und eine tolle Atmosphäre auf den Zuschauerrängen wären garantiert. Das sieht auch Draisaitl so. "Für die Liga und die Fans wäre das natürlich etwas Besonderes. Die Spiele gegen Calgary sind jedes Mal voller Emotionen. Da steckt mehr Energie drin als sonst und ich denke, dass das in den Playoffs noch einmal eine Stufe hochgehen wird. Von daher wäre das wirklich cool. Und einen Spruch für den Tobi hätte ich da auch schon…"

Die vier deutschen NHL-Profis hoffen, dass bald Normalität einkehrt und sie möglichst bald aufs Eis zurückkehren können. An die Fans gerichtet, sagte Draisaitl zum Schluss der Videokonferenz: "Ich hoffe, dass ihr alle gesund seid und die nötigen Regeln zu eurem Schutz einhaltet. Wir alle vermissen es sehr, in die Arena zu gehen und Eishockey zu spielen. Ich freue mich darauf, wenn es wieder losgeht."