uwe krupp

Es gibt mittlerweile einige NHL-Spieler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die man getrost als Persönlichkeiten bezeichnen darf. Sie haben mit ihren Leistungen auf dem Eis und abseits davon überzeugt. Allerdings ist es längst nicht allen von ihnen möglich gewesen, den Stanley Cup in die Höhe recken zu dürfen.

Es war der 10. Juni 1996, als sich der Kölner Uwe Krupp in den Annalen der NHL und des deutschen Eishockeys verewigte. Beim Stand von 0:0 im vierten Finalspiel der Colorado Avalanche gegen die Florida Panthers zog der Verteidiger der Avalanche von der blauen Linie ab und überwand Panthers-Torhüter John Vanbiesbrouck zum entscheidenden 1:0.
Es war der Treffer, der dem Team aus Denver ein Jahr nach dem Umzug aus Québec - dort spielte das Franchise als Québec Nordiques - den ersten Stanley Cup Gewinn der Teamhistorie sicherte. 2002 durfte Krupp noch mal den Cup in die Höhe stemmen. Allerdings wurde sein Name nicht auf dem Pokal eingraviert, da er damals für die Detroit Red Wings nur acht Spiele in der regulären Saison machte. In den Playoffs reichte es lediglich zu zwei Einsätzen. Probleme mit dem Rücken hatten den ersten deutschen Stanley Cup-Sieger schon gezwungen, die Spielzeiten 1999/00 und 00/01 komplett auszusetzen. Am Ende standen 810 NHL-Partien für Krupp, 729 in der regulären Saison, 81 in der K.o.-Runde.

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Begonnen hatte seine Karriere in Nordamerika bei den Buffalo Sabres. Diese drafteten ihn 1983 in der elften Runde an 214. Position. Von 1986 bis 1991 trug er das Trikot der Sabres, wurde dort zum "Unsung Hero" (1990) und auch für das All-Star-Spiel nominiert (1991). Es folgte der Wechsel nach Québec/Colorado. Danach ging es zu den Detroit Red Wings. In der Saison 02/03 machte er noch vier Partien für die Atlanta Thrashers. Danach war die Karriere beendet. In dieser hat er allerdings nachhaltig Eindruck in der NHL hinterlassen und den Boden für seine Nachfolger aus Deutschland bereitet.
Einer dieser Nachfolger war Jochen Hecht. Der gebürtige Mannheimer wurde 1995 von den St. Louis Blues in der zweiten Runde an insgesamt 49. Stelle im Draft gezogen. Dort schlug er auch gleich gut ein. Als ihn die Blues gegen Ende der Saison 1998/99 aus dem Farmteam hochzogen, sorgte er in den Playoffs mit zwei Toren in fünf Spielen gleich für Furore. Ein Gewinn des Stanley Cups ist ihm allerdings nicht gelungen. Weder mit den Blues, noch mit den Edmonton Oilers, für die er eine Spielzeit lang auflief (01/02), noch mit den Buffalo Sabres, bei denen er von 2002 bis 2013 spielte. Hecht war nie der Stürmer, der in einer Saison 40, 50 Tore schoss. Sein Karrierebestwert waren 22 Treffer (07/08) bei den Sabres. Er hatte sich aber bald einen Namen als harter Arbeiter gemacht. Das brachte ihm auch den Respekt der Kollegen ein. Als die Sabres 2007 das Kapitänsamt nach dem Rotationsprinzip vergaben, durfte auch der Center einen Monat lang die Mannschaft mit dem C auf der Brust auf das Eis führen. Hecht war damit der erste deutsche Kapitän eines NHL-Teams. 892 (833/59) NHL-Spiele stehen in seiner Vita. Dabei schoss er 200 Tore.
Etwas treffsicherer war da schon Marco Sturm. 1996 in der ersten Runde an 21. Position von den San Jose Sharks im Draft gezogen, entwickelte er sich gleich in seiner ersten NHL-Saison (97/98) zu einem festen Bestandteil der Sharks. Wenn gesund, war Sturm immer ein Kandidat für 20 bis 25 Tore. Doch auch wenn die Sharks immer wieder ein gutes Team zusammenhatten und auch regelmäßig in die Playoffs kamen, für den Gewinn des Stanley Cups reichte es auch für Sturm, der heute Assistenztrainer bei den Los Angeles Kings ist, nicht.

sturm

Am 30. November 2005 wurde er zu den Boston Bruins getradet. Auch an der Ostküste traf er in schöner Regelmäßigkeit. Im Trikot der Bruins erlebte er auch seinen Karrierehöhepunkt, als er am 1. Januar 2010 im Fenway Park im Winter Classic gegen die Philadelphia Flyers das Siegtor zum 2:1 in der Verlängerung schoss. Sein Pech: Die Bruins schickten ihn im Tausch für Draftrechte zu den Los Angeles Kings. So war Sturm nicht mehr Mitglied des Teams aus Boston, das 2011 den Stanley Cup gewann. Er bestritt außerdem noch jeweils ein paar Spiele für die Washington Capitals, Vancouver Canucks und Florida Panthers, bevor er bei den Kölner Haien seine Karriere beendete.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort - das trifft auf Dennis Seidenberg zu. Der gebürtige Schwenninger wurde 2001 in der sechsten Runde an 172. Stelle von den Philadelphia Flyers gedraftet. Doch sowohl bei den Flyers als auch bei seiner nächsten Station, den damaligen Phoenix Coyotes, kam er nur sporadisch zum Einsatz. Erst bei seiner dritten Station, den Carolina Hurricanes, schaffte er regelmäßig den Sprung in die Aufstellung. Der richtige Ort - das war dann schließlich Boston. Zu den dortigen Bruins war Seidenberg im März 2010 von den Florida Panthers getradet worden. In Massachusetts rückte Seidenberg endgültig zu einem Eliteverteidiger auf, spielte regelmäßig im ersten Defensivpärchen an der Seite von Zdeno Chara und erarbeitete sich den Ruf eines exzellenten Schussblockers. 2011 gewann er mit den Bruins den Stanley Cup.
Er steht zwar noch relativ am Anfang seiner Karriere, doch Leon Draisaitl ist auf dem besten Weg, sich zu einer großen Persönlichkeit in der NHL zu entwickeln. 50 Tore und 100 Scorerpunkte scheinen für ihn jede Saison möglich. Was zum einen an seinem Sturmpartner Connor McDavid liegt, mit dem er eines der besten Duos im Angriff in der Liga bildet. Zum anderen liegt das aber auch an seinen außergewöhnlichen individuellen Fähigkeiten auf dem Eis. Der gebürtige Kölner ist dabei, zu einer echten Führungspersönlichkeit heranzureifen. Geht die Entwicklung in diese Richtung weiter und stimmt auch das Team um ihn herum, dann wird auch er mit Sicherheit in absehbarer Zeit die Chance haben, den Stanley Cup zu gewinnen.
Schweizer Torhüter haben in der NHL einen guten Ruf. Jonas Hiller ist einer, der diesen guten Ruf sowohl bei den Anaheim Ducks (2007 bis 2014) als auch bei den Calgary Flames (2014 bis 2016) zementiert hat. 404 Partien bestritt Hiller in der besten Liga der Welt, 375-mal lief er als Starter auf. 197 Siegen stehen 140 Niederlagen gegenüber. 23-mal hielt er seinen Kasten sauber. Hiller hatte beim Karrierestart etwas Glück: Jean-Sébastien Giguère, eigentlich als Nummer 1 vorgesehen, verletzte sich im Trainingslager. So war der Weg frei für Hiller. Allerdings folgte der Abstieg fast ebenso rasant: Im Oktober 2007 ging's für den Schweizer ins Farmteam. Doch er kämpfte sich zurück und etablierte sich als Stammkeeper in Anaheim. Eine weitere Belohnung für seine Top-Leistungen war die Wahl ins All Star-Spiel 2011. Diese Ehre wurde ihm als zweitem Schweizer nach Mark Streit zuteil. 2014 wechselte er zu den Calgary Flames. Dort lief es im ersten Jahr gut, im zweiten Jahr allerdings nicht. Im Anschluss kehrte er zurück in die Schweiz.

Hillsy

Dass gute Spieler nicht immer weit vorne im Draft gezogen werden müssen, bewies Mark Streit. Die Montreal Canadiens sicherten sich 2004 erst in der neunten Runde an insgesamt 262. Stelle die Dienste des gebürtigen Berners. Über 800 Partien absolvierte er in der NHL (reguläre Saison und Playoffs), als erster Schweizer NHL-Profi wurde er zum All Star Spiel eingeladen (2009), 2017 gewann er mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup, und 2020 wurde er in die Hall of Fame des Eishockey Weltverbands IIHF aufgenommen.
Bei seiner Nordamerika-Karriere musste Streit allerdings einen Umweg gehen. 1999/2000 war er zunächst in der AHL bei den Springfield Falcons aktiv. Danach ging er aber erst mal für fünf Jahre zurück in die Schweiz. Erst ab 2005 war er an der blauen Linie bei den Canadiens nicht mehr wegzudenken. Dabei bewies er auch seine Treffsicherheit. Fünfmal in seiner NHL-Karriere traf er jeweils zweistellig. Außer in Montreal war Streit noch bei den New York Islanders, den Philadelphia Flyers und den Pittsburgh Penguins aktiv.
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In die Fußstapfen von Mark Streit ist Roman Josi getreten. Und das nicht nur in sportlicher Hinsicht. Der Verteidiger hat sich mittlerweile bei den Nashville Predators und in der NHL einen exzellenten Ruf erarbeitet. Und auch bei den Teamkollegen genießt er hohes Ansehen. Nicht umsonst führt er die Predators allabendlich als Kapitän aufs Eis. Dabei geht der Kapitän mit guten Leistungen voran. In dieser Saison führt er die interne Scorerwertung der Predators mit deutlichem Vorsprung an.
65 Punkte hat er bislang gesammelt (16 Tore, 49 Assists), was auch Karrierebestwert bedeutet. Damit liegt er fast 20 Punkte vor Filip Forsberg (48) und über 20 Zähler vor Matt Duchene (42). Und diese beiden sind gelernte Stürmer. Es ist aber nicht nur der Offensivdrang, der für den gebürtigen Berner spricht. Seine Plus/Minus-Statistik von +22 zeigt, dass er auch hinten den Laden dichthalten kann. Auch deshalb ist er im Dezember von den Predators mit einer Vertragsverlängerung belohnt worden, die ihm ab der kommenden Runde in acht Jahren über 72 Millionen US-Dollar einbringt. 2008 haben sich die Predators Josis Dienste im Draft in der zweiten Runde an insgesamt 38. Stelle gesichert. Seit der Saison 2011/12 spielt er für das Team aus der Music City. Mit dem neuen Kontrakt stehen die Chancen gut, dass er seine Karriere auch in Nashville beenden wird.
Thomas Vanek hat viel von der NHL gesehen. Das liegt nicht nur daran, dass eine Saison für jedes Team alleine schon mindestens 82 Spiele umfasst. Nein, der gebürtige Badener lief bei neun Stationen in der besten Liga der Welt für acht Teams auf. Und obwohl er auch das eine oder andere Mal getradet wurde, erwies sich Vanek bei jeder Station als zuverlässiger Scorer. Gut, das hatte man auch erwartet von einem Spieler, den die Buffalo Sabres 2003 in der ersten Runde immerhin an fünfter Stelle im Draft gezogen haben. Aber man muss diesen Vorschusslorbeeren auch erst mal gerecht werden. Vanek tat das.

Vanek, Thomas

In der Saison 2005/06 gab er sein NHL-Debüt bei den Sabres und schoss gleich 25 Tore. Die 43 in der folgenden Spielzeit waren dann seine Karrierebestleistung. Zum Gewinn des Stanley Cups hat es für Vanek nicht gereicht. Zweimal stand er mit seinem Team jeweils im Conference Finale. 2007 unterlag er mit den Sabres 1:4 nach Siegen gegen die Ottawa Senators, 2014 unterlag er mit den Canadiens 2:4 gegen die New York Rangers. In dieser Spielzeit musste Vanek gleich zweimal umziehen. Erst ging es von Buffalo zu den Islanders und von dort nach Montreal.
Weitere Teams waren die Minnesota Wild, die Detroit Red Wings, die Florida Panther, die Vancouver Canucks, die Columbus Blue Jackets und wieder die Red Wings, bei denen er 2019 seine NHL-Karriere beendete. Unterm Strich stehen für Vanek fast 1100 NHL-Spiele (inklusive Playoffs) mit über 440 Toren. Damit hat er die Messlatte für alle weiteren Österreicher in der NHL sehr hoch gelegt.