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Calgary Flames Torhunger ist nicht zu stillen

Der 45-jährige Jagr punktet wieder und spornt seine Sturmkollegen bei den Flames zu Topleistungen an

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die Washington Capitals, die Pittsburgh Penguins und die St. Louis Blues, namhafte und in den vergangenen Jahren zu den besten Mannschaften der NHL zählende Gegner, versuchten sich innerhalb der letzten gut zwei Wochen daran, eine Duftmarke im Scotiabank Saddledome von Calgary zu setzen. Der Presidents' Trophy Gewinner, der amtierende Stanley Cup Champion und jenes Team, das seit über sechs Jahren in jeder Saison ein Wörtchen um den Divisionstitel in der Central Division mitredet, brachten entweder nur ein laues Lüftchen zustande oder hatten, wie zuletzt im Falle der Blues, nicht ausreichend Puste, um die Flammen der Calgary Flames zum Erlöschen zu bringen.

Während ihrer sieben Spiele umfassenden Heimspielserie fuhren die Westkanadier fünf doppelte Punktgewinne ein und mussten sich nur zweimal, in den Partien gegen ihre Divisionsrivalen, die Dallas Stars und die Vancouver Canucks, geschlagen geben. In den sieben Begegnungen erzielte die Truppe von Headcoach Glen Gulutzan insgesamt 25 Tore, 20 hiervon in ihren letzten vier Auftritten gegen die New Jersey Devils, die Canucks, die Detroit Red Wings und die Blues. Von den 15 Mannschaften in der Western Conference waren nur die Vegas Golden Knights (8 Spiele, 30 Tore) und St. Louis (9 Spiele, 27 Tore) im Torabschluss etwas erfolgreicher als die Flames.

Woher kommt diese plötzliche Leistungsexplosion? Sie liegt zum einen an Johnny Gaudreau, der sieben Spiele in Folge punkten konnte (5 Tore, 7 Assists), und damit sogar auf den vierten Platz der ligaweiten Scorerwertung sprang, zum anderen darf auch der Anteil, den die Eishockeylegende Jaromir Jagr beiträgt, nicht unterschätzt, geschweige denn, vergessen werden.

Der 45-jährige Rechtsaußen zählt zwar nicht mehr zu den besten Scorern in der Liga, er punktet nicht mehr wie am Fließband, doch er nimmt in Calgary eine wichtige Funktion als Mentor und Vorbild ein, wie er es schon in den Jahren zuvor, während seines Engagements bei den Florida Panthers, gewesen ist.

Am vergangenen Donnerstag gegen die Red Wings, im zweiten Spiel nach seiner Leistenverletzung, die ihm zu einer 16-tägigen Pause gezwungen hatte, kam Jagr zu seinem ersten Saisontor. Der Saddledome glich einem Tollhaus nachdem das tschechische Eishockeyidol, einen, zusammen mit Gaudreau vorgetragenen Konter, drei Minuten vor dem Ende des Mittelabschnitts eiskalt abschloss.

"Selbstverständlich ist jedes erste Tor, das man für ein neues Team schießt, etwas Besonderes, vor allem hier in Kanada", erklärte Jagr gegenüber NHL.com seinen Gefühlszustand. "Ich sehe wie dankbar die Fans sind, wie sehr sie Eishockey lieben. Seit dem ersten Tag nachdem ich hier unterschrieben habe, waren sie sehr nett zu mir. Ich werde alles unternehmen, um mein Bestes zu geben."

Von seiner Ankündigung, die er durchaus imstande ist umzusetzen, profitieren auch Jagrs junge Sturmformationskollegen. Mark Jankowski, 23, gelang beim 6:3-Sieg über die Red Wings, in seinem neunten NHL-Spiel sein erster Treffer - Vorarbeit Jagr.

Video: DET@CGY: Jagr schießt sein erstes Tor bei den Flames

Vier Tage später steuerte Jankowski dem 7:4-Triumph über die Blues zwei Tore und eine Vorlage bei. Jagr setzte ihn beim 2:1-Führungstreffer mit einem genialen Pass von hinter der Torlinie in Szene. Die dritte Sturmformation der Flames machte in dieser Partie den Unterschied aus. Auch bei Sam Bennett, 21, dem Dritten im Bunde der Jagr-Angriffsreihe platzte der Knoten: In den ersten 15 Saison-Partien war er punktlos geblieben, gegen Detroit und St. Louis gelangen ihm ein Treffer und zwei Assists.

Mit drei torgefährlichen Sturmreihen sind die Flames nur schwer zu stoppen. Ihr großer Lehrmeister bringt das Erfolgsrezept auf den Punkt: "Wenn wir etwas erreichen möchten, wenn wir zur Elite in der Liga zählen wollen, dann muss unser dritter und vierter Sturm anfangen Tore zu schießen. Wir werden nicht viele Gelegenheiten [hinsichtlich der Eiszeit] bekommen und wir werden auch nicht häufig bei Überzahl auf dem Eis stehen, also müssen wir bei 5-gegen-5 gut spielen, dann können wir ausschlaggebend für Sieg oder Niederlage sein."

Vorgabe umgesetzt! Wer kann schon einem Jagr widersprechen?

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