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Connor McDavid ist eine Klasse für sich

Der Oilers-Teamkapitän lässt sich nicht stoppen, auch wenn für Edmonton längst die Saison gelaufen ist

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Allzu gerne und allzu häufig müssen im Sport Steigerungsformen herhalten, um außergewöhnliche Leistungen zu beschreiben - allerdings ist deren Verwendung oft allzu rar begründet. Doch es gibt sie eben, jene Geschichten, jene Ereignisse und jene Protagonisten, die den Gebrauch des Superlativs rechtfertigen.

Im Zusammenhang mit den Edmonton Oilers war dies in der laufenden Saison nur selten der Fall. Bereits früh zeichnete sich ab, dass die Westkanadier die Stanley Cup Playoffs 2018 abschreiben können. Von Monatsende zu Monatsende wuchs ihr Rückstand auf einen Playoff-Platz stetig an: Von fünf auf sechs, sieben zum Jahreswechsel, auf zwölf und 16 Punkte Ende Februar. Am 4. März waren es bereits 19 Zähler, die den Oilers auf die zweite Wildcard der Western Conference fehlten.

Wie ein von Römern umzingeltes kleines gallisches Dorf gegen die Besatzer, stemmt sich vor allem ein Spieler der Oilers gegen den Abwärtstrend und zieht seine Leute mit. Anders als in jedem von René Goscinnys Comic-Alben, wird es zwar zu keinem gemeinsamen Happy End der (Dorf-)Gemeinschaft kommen, doch die Aussichten stehen nicht schlecht, dass die Oilers ihrem Kapitän Connor McDavid zu Ehren ein Schlussbankett mit Wildschweinessen und gemütlichem Beisammensein abhalten werden.

Video: LAK@EDM: McDavid zieht vorbei und netzt ein

Zum 3:2-Heimerfolg über die Los Angeles Kings am Samstag steuerte McDavid seine Saisontore 37 und 38 bei. Er übernahm mit nun 96 Scorerpunkten (38 Tore, 58 Assists) den ersten Rang in der NHL-Scorerwertung von Stürmer Nikita Kucherov von den Tampa Bay Lightning (37 Tore, 58 Assists), der den Platz an der Sonne seit dem 11. Dezember für 103 Tage ununterbrochen innehatte.

Wer zweifelt daran, dass Edmontons 21-jähriger Topscorer zum zweiten Mal in Folge die magische Grenze von 100 Scorerpunkten erreichen wird, wo doch noch sieben Partien auf dem Programm stehen?

McDavid hat die Art Ross Trophy, die dem punktbesten Spieler einer regulären Saison verliehen wird, fest im Blick. Er könnte als erster Spieler in die Ligageschichte eingehen, der trotz einer dreistelligen Anzahl an Punkten und als Gewinner der Art Ross Trophy mit seinem Team die Playoffs verpasst hat. Unabhängig von der erreichten Punktzahl war vor ihm dieses Missgeschick nur Roy Conacher (CHI, 1948/49, 68 Pkt.), Jarome Iginla (CGY, 2001/02, 96 Pkt.) und Jamie Benn (DAL, 2014/15, 87 Pkt.) unterlaufen.

 

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"Ich hoffe, dass er weiterhin so für uns punktet und die Art Ross Trophy erhält. Er hat die Chance, die Scorerwertung zu gewinnen und seine Teamkameraden werden alles unternehmen, um ihn dabei behilflich zu sein. Das Großartigste an ihm ist, dass er immer die Mannschaft über seinen persönlichen Erfolg stellt", zeigte sich Oilers Cheftrainer Todd McLellan zuversichtlich und hielt sich auch nicht mit Lob über seinen Teamleader zurück.

Seit Jahresbeginn, in einem Zweitraum, in dem es bei den Oilers für lange Zeit stetig bergab ging, erzielte das Eishockey-Wunderkind (dieser Superlativ muss erlaubt sein) 24 Tore sowie 27 Assists in 36 Auftritten. Nur Evgeni Malkin von den Pittsburgh Penguins war mit 55 Scorerpunkten in 35 Spielen noch etwas erfolgreicher als McDavid. Während die Penguins unter Mithilfe von Malkins Punkten bloß neunmal in der regulären Spielzeit verloren (23-9-3), kassierten die Oilers 17 Niederlagen (17-17-2).

Eindeutiger kann die Wertigkeit eines einzelnen Spielers für das Team kaum sein. McDavid stellt mit seiner Puckbehandlung, mit seinem Speed und seiner Treffsicherheit eine Augenweide dar, durch die er sich von jedem anderen Spieler in seinem Alter hervorhebt.

Video: LAK@EDM: McDavid versenkt die zweite Chance

Er war an 44,8 Prozent der 217 Saisontore der Oilers und an 51,5 Prozent von 99 Treffern seit dem 1. Januar beteiligt - absolute Ligaspitze! Ein Johnny Gaudreau (40,6%; 82/205), ein Claude Giroux (40,2%; 90/226) und selbst ein Anze Kopitar (39,6%; 86/221) liegen als seine direkten Verfolger weit hinter ihm.

Klingt das nicht wie ein erneutes Bewerbungsschreiben für die Hart Trophy als MVP?

Nach der Original-Six-Ära der NHL, die durch die Liga-Erweiterung zur Saison 1967/68 endete, wurde noch nie ein Spieler mit der Hart Trophy ausgezeichnet, der seine Mannschaft nicht in die Playoffs führen konnte. Wenn einer diesen Pokal, den er schon im Vorjahr in Empfang nehmen durfte, dennoch verdient hat, dann McDavid - jener Stürmer, der in jede Partie so hineingeht, als hätte ihm jemand insgeheim einen Zaubertrank verabreicht.

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