David Reinbacher

NHL.com/de präsentiert in der Serie Draft Watch 2022 die neuesten Nachrichten über den nächsten Draft-Jahrgang. In dieser Ausgabe: Der frühe Schritt ins europäische Ausland.

Der lange und schwierige Weg in die NHL kann über verschiedene Stationen führen. Für deutsche Spieler erwiesen sich in den vergangenen Jahren deutsche Spitzenklubs als gute Option. Moritz Seider und Tim Stutzle blieben bis zum Draft bei den Adlern Mannheim und wurden beide früh in der 1. Runde gedraftet. Lukas Reichel schaffte den Sprung von den Eisbären Berlin in die 1. Draft-Runde. JJ Peterka verdiente sich bei Red Bull München einen frühen Pick in der 2. Runde und ist seit dieser Saison Stammspieler bei den Buffalo Sabres. Andere junge Talente gehen früh nach Nordamerika, wie etwa Superstar Leon Draisaitl. Der Kölner überzeugte die Scouts in Diensten der Prince Albert Raiders in der Western Hockey League von seinem Potenzial.
Bei Spielern aus Österreich und der Schweiz erfreut sich aber ein anderer Weg in den vergangenen Jahren wachsender Beliebtheit. Sie nutzen zunehmend die Möglichkeit, sich innerhalb Europas in einer stärkeren Liga weiterzuentwickeln. Immer mehr begabte Nachwuchsspieler aus Österreich wechseln bereits in jungen Jahren in die Schweiz.
Marco Rossi, den die Minnesota Wild im NHL Draft 2020 an 9. Stelle wählten, wechselte bereits in der Saison 2011/12 im Alter von zehn Jahren zu einem Schweizer Nachwuchsprogramm. Dort wurde er zu einem so begehrten Talent, dass die Ottawa 67's ihn in die Ontario Hockey League holten, von wo er in die NHL gedraftet wurde. Vinzenz Rohrer ging den genau gleichen Weg vom österreichischen Feldkirch, über Küsnacht und Zürich in der Schweiz zu den 67's. 2022 drafteten ihn die Montreal Canadiens in der 3. Runde an 75. Stelle.

CHI@MIN: Rossi zieht vor dem Tor direkt ab

Schweden lockt mit seiner starken Nachwuchsarbeit ebenfalls immer mehr Schweizer und Österreicher. Kevin Fiala war ein Pionier für diese Option. Er ging 2012, zwei Jahre bevor die Nashville Predators ihn mit dem 11. Pick drafteten, zu den Malmö Redhawks. Auf seinen Spuren folgte 2021 Lian Bichsel und wurde ein Jahr später zum 18. Pick im Draft 2022. Der Österreicher Marco Kasper wurde bei Rögle BK entdeckt und ebenfalls 2022 an 8. Stelle von den Detroit Red Wings gewählt.
Die Vorteile des Wechsels von Österreich in die Schweiz, oder aus einem der beiden Länder nach Schweden, sind offensichtlich. Eishockey hat in der Schweiz einen deutlich höheren Stellenwert als in Österreich. Dementsprechend wird mehr Geld in die Entwicklung junger Spieler gesteckt. Die Nachwuchsarbeit ist auf einem höheren Niveau, und auch die stärkere Konkurrenz hilft den Spielern in ihrer Entwicklung. Außerdem ist die Chance größer, von den Scouts entdeckt zu werden, da sie mehr Fokus auf die bessere Nachwuchsliga legen.
Diese Faktoren sind in Schweden nochmal verstärkt. Der Sport erfreut sich nur in wenigen Ländern größerer Beliebtheit, und man findet weltweit kaum eine bessere Nachwuchsarbeit. Wenn es außerdem gelingt, bereits mit 17 Jahren zu Spielen in der hoch angesehenen SHL zu kommen, wie es bei Fiala, Bichsel und Kasper der Fall war, ist die Aufmerksamkeit der Scouts garantiert. Der Erfolg gib der Methode recht. In den vergangenen drei Jahren wurden drei Österreicher und ein Schweizer gedraftet, die diesen Weg bestritten. Bemerkenswert: Bis auf Rohrer wurden alle in der 1. Runde gewählt.
Unter den Kandidaten für den kommenden Draft sind drei weitere Talente, die sich daran ein Beispiel nehmen. Aus Österreich sind Verteidiger David Reinbacher und Stürmer Ian Scherzer bereits im europäischen Ausland aktiv, aus der Schweiz zog es Eric Schneller nach Schweden.

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Reinbacher ist der aussichtsreichste deutschsprachige Prospect für den NHL Draft 2023. Er wechselte jung in die Schweiz nach Rheintal, was auch Rossis erste Station im Nachbarstaat war. Vergangene Saison schaffte er mit Kloten den Aufstieg in die National League und ist dort nun einer der Schlüsselspieler in der Abwehr. Dank der guten Nachwuchsarbeit in der Schweiz und seiner überzeugenden Leistungen mit 18 Punkten (2 Tore, 16 Assists) in 33 Spielen gilt er als Kandidat für die 1. Draft-Runde.
Scherzer und Schneller zog es beide nach Schweden. Dort begannen sie die Saison gemeinsam in der U18-Mannschaft und schafften den Aufstieg in die U20-Auswahl. Verteidiger Schneller bringt es in 14 Spielen auf ein Tor und einen Assist, Center Scherzer erzielte in 21 Spielen drei Tore und vier Assists.
Die Schweiz entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Sprungbrett für Spieler aus Österreich. Die Rolle von Schweden als Tor in die NHL wird ebenfalls immer größer. Die Entscheidung, als junger Teenager bereits ins Ausland zu gehen, ist bestimmt nicht einfach und bringt ihre Herausforderungen mit sich. Rossi, Bichsel und Co würden aber sicherlich bestätigen, dass es die Sache wert ist.