Skip to main content

NHL.com/de über deutschsprachige Spieler

Das Redaktionsteam diskutiert über die Bedeutung und Entwicklung von Spielern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in der NHL

von NHL.com/de @nhlde

Während der Saison 2018/19 wird das Team von NHL.com/de jeden Freitag in der Rubrik "Writer's Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Der Status von Spielern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich in der NHL.

Die NHL bietet unbestritten das höchste Niveau, das es im Eishockey weltweit gibt. Die Anzahl der Spieler in der Liga sowie deren Leistung und Bedeutung für ihre Teams sind ein wichtiger Faktor und Gradmesser für die Entwicklung des Sports in dem betreffenden Land. Wie sieht es mit den Akteuren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz aus? 

Aus Österreich wurden in der aktuellen Saison drei Spieler eingesetzt, Thomas Vanek, Michael Grabner und Michael Raffl. Gemeinsam verbuchten sie bislang 35 Punkte (15 Tore, 20 Assists). Allerdings hatten alle mit Verletzungen zu kämpfen. Seit fünf Jahren sind sie die einzigen Österreicher in der Liga.

 

[Ähnliches: Wohlwend exklusiv: Es fehlt noch einiges für uns]

 

Deutschland stellt mit Leon Draisaitl, Dominik Kahun, Tobias Rieder und Tom Kühnhackl vier Feldspieler. Sie erzielten zusammen 84 Punkte (32 Tore, 52 Assists). Hinzu kommen die beiden Torhüter Thomas Greiss und Philipp Grubauer. Zusätzlich arbeitet Verteidiger Korbinian Holzer nach einer Verletzung an seiner Rückkehr in den Kader der Anaheim Ducks. In den letzten Jahren beendeten einige große deutsche Spieler ihre NHL-Karriere, wie Christian Ehrhoff, Dennis Seidenberg und Marcel Goc.

Die unbestritten stärkste der drei Nationen in der NHL ist die Schweiz. Die Eidgenossen brachten in den letzten Jahren große Talente hervor und in dieser Saison kamen bereits 13 Schweizer zum Einsatz. Zusammen verzeichneten sie 192 Punkte (68 Tore, 124 Assists). Unter ihnen befinden sich Stars und Führungsspieler wie Roman Josi, Timo Meier und Nico Hischier.

Die Autoren von NHL.com/de diskutieren nachfolgend über Gegenwart und Zukunft der NHL-Spieler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Alexander Gammel: Die Entwicklung des Schweizer Eishockeys ist beeindruckend. Die Schweiz stellt immer mehr Spieler in der NHL, die wichtige Rollen in ihren Teams übernehmen. Timo Meier ist der zweitbeste Torschütze der San Jose Sharks, Roman Josi der Kapitän der Nashville Predators und Nico Hischier einer der Leistungsträger der New Jersey Devils. Die Schweiz leistet hervorragende Nachwuchsarbeit. Das sieht man nicht nur an den zwei Silbermedaillen bei der Weltmeisterschaft in den letzten sechs Jahren, sondern auch an den Spieler in der NHL. Bei der U20-WM überzeugten die jungen Schweizer erneut, angeführt von Philipp Kurashev. Meiner Ansicht nach ist kein Ende dieser Entwicklung in Sicht. Je mehr Stars den Sprung in die NHL schaffen und dort zu Leistungsträgern werden, desto größer wird die Begeisterung für Eishockey in der Heimat. Das fördert wiederum den Nachwuchs. Die österreichische Riege in der NHL stagniert dagegen seit Jahren. Raffl ist mit 30 Jahren der jüngste Österreicher und Verstärkung ist nicht in Sicht. Deutschland ist für mich ein interessanter Fall. Zwar haben einige große Spieler ihre NHL-Karriere beendet, doch Draisaitl ist ein absoluter Superstar, Rieder hat das Potenzial zu deutlich mehr Punkten und Kahun spielt eine ordentliche erste Saison. In den Minor Leagues und in Europa warten weitere Talente, wie Dominik Bokk oder Leon Gawanke. Die deutsche Gruppe in der NHL könnte in den nächsten Jahren deutlich wachsen und an Bedeutung gewinnen.

Stefan Herget: Ein wichtiger Punkt für mich ist, dass in der Schweizer National League pro Team und Spiel nur vier Ausländer eingesetzt werden dürfen. Dadurch bekommen die Schweizer und vor allem junge Spieler mehr Eiszeit in der höchsten Spielklasse. Zum Glück haben sie eine angedachte Aufstockung des Kontingents auf sechs ausländische Akteure verschoben, denn das hätten die Schweizer in der Nachwuchsarbeit gespürt. Im Vergleich dazu dürfen in der DEL elf Ausländer lizenziert und neun pro Spiel eingesetzt werden. Damit sind meist die wichtigen Plätze als Stammtorhüter, Top-4-Verteidiger oder Top-6-Stürmer vergeben und junge deutsche Spieler erhalten zu wenig Eiszeit. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die Schweiz zwar ein Wintersportland ist, aber nicht einmal sechs Millionen Einwohner hat. Schwarz sehe ich für die Zukunft von österreichischen Spielern in der NHL. Seit Jahren wurde kein junger Spieler aus der Alpenrepublik mehr gedraftet und schaut man auf die Junioren-WM in diesem Jahr, wo das Team nur knapp den Abstieg in die Drittklassigkeit vermieden hat, wird es wohl auch die nächsten Jahre so bleiben. Wenn dann demnächst Vanek und Grabner sich ihrem Karriereende nähern und Raffl womöglich keinen Vertrag mehr erhält, wird es ein Loch geben.

Christian Rupp: Der derzeit wohl strahlendste NHL-Stern aus dem deutschsprachigen Raum ist unbestritten Leon Draisaitl. Auch dahinter müssen sich die deutschen NHL-Exporte nicht verstecken. Eishockey-Profis "made in Germany" sind aufgrund ihrer Arbeitsethik durchaus beliebt in Nordamerika. Es kann kein Zufall sein, dass in den letzten drei Jahren mit Philipp Grubauer (2018) und Tom Kühnhackl (2016 und 2017) immer ein Deutscher seine Hand am Stanley Cup hatte. Auch Tobias Rieder und Thomas Greiss sind längst etabliert - mit Dominik Kahun scheint das nächste Talent den Sprung in die beste Eishockey-Liga der Welt zu meistern. Im Nachwuchsbereich wird zweifelsohne in der Schweiz seit Jahren bessere Arbeit geleistet. Vielleicht auch deshalb spielen deutlich mehr Schweizer in der NHL als Deutsche, darunter wichtige Leistungsträger wie Roman Josi, Nico Hischier, Timo Meier oder Kevin Fiala. Auch gilt die heimische NLA als stärker als die DEL. Gerade in Sachen Nachwuchsarbeit und Spielerentwicklung muss sich Deutschland noch viel von seinem Alpen-Nachbarn abschauen. So benötigt die angesprochene Ausländerregelung in der DEL (9+2) dringend eine Reform. Immer wieder finden die Klubs Schlupflöcher und belegen durch die Einbürgerung von Spielern weit mehr Stellen, als durch die Ausländer-Lizenzen eigentlich vorgesehen sind. 

 

[Ähnliches: Leon Draisaitl zum All-Star Game gewählt]

 

Robin Patzwaldt: Natürlich finde ich es schön, wenn es Spieler aus unseren Breitengraden in die beste Liga der Welt schaffen. Dass das zugleich eine Auszeichnung für das Land ist, in dem sie ausgebildet wurden, sollte jedermann klar sein. Aber das im Detail zu analysieren, fällt mir persönlich schwer. Ich verfolge das Geschehen bei Weltmeisterschaften und anderen internationalen Turnieren zu wenig, um langfristige Entwicklungen wirklich fundiert bewerten zu können. Mir macht Eishockey grundsätzlich Spaß, wenn NHL-Teams beteiligt sind. Welche Nationalitäten die Spieler auf dem Eis haben, ist für mich nebensächlich.

Axel Jeroma: Zunächst einmal freue ich mich über die ansehnliche Zahl an Schweizern, Deutschen und Österreichern, die sich in der NHL durchgesetzt haben und teilweise zu Stars in ihren Teams herangereift sind. Was den Nachschub von NHL-Spielern aus dem deutschsprachigen Raum in der Zukunft anbelangt, mache ich mir allerdings ein wenig Sorgen. Einzelne Talente aus der Schweiz, Deutschland und Österreich werden sicher weiterhin den Sprung schaffen. Aber ich befürchte, dass sich die NHL-Scouts aufgrund der positiven Erfahrungen in der jüngsten Vergangenheit noch stärker als bisher in Schweden und Finnland nach jungen Leuten umsehen werden. Sie stellen jetzt schon den Löwenanteil unter den europäischen Nachwuchsspielern. Von daher sehe ich im Prinzip nur eine Möglichkeit für die größten Talente aus den deutschsprachigen Ländern. Sie sollten so früh wie möglich den Weg nach Nordamerika oder wie Dominik Bokk und Dean Kukan nach Schweden einschlagen, um dort auf sich aufmerksam zu machen und sich das Rüstzeug für die NHL zu holen.

Mehr anzeigen

Die NHL verwendet Cookies, Web Beacons und andere ähnliche Technologien. Durch die Nutzung der NHL Websites oder anderer Online-Dienste stimmen Sie den in unseren Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen beschriebenen Praktiken einschließlich unserer Cookie-Richtlinien zu.