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In dieser Ausgabe: Die WM-Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft
Die deutsche Nationalmannschaft hat in dieser Woche die erste von vier Vorbereitungsphasen für die IIHF Weltmeisterschaft 2022 im Mai in Finnland absolviert. In Chomutov standen für die DEB-Auswahl fünf Trainingseinheiten und zwei Testspiele gegen Gastgeber Tschechien auf dem Programm. Im ersten Vergleich am Donnerstag zogen die Schützlinge von Bundestrainer Toni Söderholm mit 2:6 den Kürzeren. Tags darauf lief es deutlich besser. Das von Dominik Kahun als Kapitän angeführte Team behielt mit 2:0 die Oberhand. Es war der erste Sieg gegen die Tschechen seit vier Jahren.
Der Aussagewert der zwei Vergleiche ist jedoch begrenzt. Auf beiden Seiten fehlten wichtige Spieler, die noch national oder international für ihre Klubs im Einsatz sind. Der Schwerpunkt im Training lag nach Aussage von Coach Söderholm auf dem Spiel ohne Puck und dem Verhalten in der eigenen Zone. DEB-Sportdirektor Christian Künast zeigte sich zufrieden mit den Vorstellungen der jungen Mannschaft. "Wir hatten eine sehr gute Phase eins, mit vielen Erkenntnissen. Es macht Spaß zu sehen, wieviel man von den Spielern zurückbekommt, wenn man ihnen Vertrauen und Verantwortung gibt, egal welche Rolle sie in ihrem Verein spielen", sagte er.

Danny aus den Birken olympics

Einige zentrale Personalentscheidungen fielen schon vor der Abreise nach Tschechien. Sie betrafen das Coaching-Team, das Bundesstrainer Söderholm bei der WM zur Seite stehen wird. Als Assistenztrainer berief er Petteri Väkiparta, den Chefcoach der Lausitzer Füchse, und Raimo Helminen, den ehemaligen Kapitän der finnischen Nationalmannschaft. Torwarttrainer ist Ilpo Kauhanan, der bereits bei der WM 2021 dabei war, und als Videocoach fungiert Erik Elenz vom Eishockeyteam der University of Vermont.
"Mir ist es wichtig, dass wir im Trainerteam internationale Erfahrung haben", begründete Söderholm seine Auswahl. "Davon bringt Raimo Helminen viel mit. Petteri Väkiparta kennt das deutsche Eishockey sehr gut und war schon bei uns im DEB tätig. Erik Elenz ist ein junger aufstrebender Videocoach. Diese Position ist bei den WM-Turnieren unglaublich wichtig und in Erik haben wir eine sehr motivierte Verstärkung gefunden. Er hat in den vergangenen Jahren schon mit einigen Profi-Trainern gearbeitet."
In der kommenden Woche setzt die DEB-Auswahl ihre Vorbereitung mit Phase zwei in Rosenheim fort. Höhepunkt sind die Duelle gegen die Schweiz am 21. und 23. April im ROFA-Stadion, der Heimspielstätte des ehemaligen Deutschen Meisters und jetzigen Oberligisten Starbulls Rosenheim.

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In der dritten Vorbereitungsphase zieht der DEB-Tross von Bayern nach Sachsen um. Die JOYNEXT Arena in Dresden beherbergt die Mannschaft für fünf Tage und zwei Begegnungen mit dem Olympiadritten Slowakei am 29. und 30. April.
Die WM-Generalprobe steigt schließlich während Phase vier am 8. Mai in Schwenningen. In der Helios-Arena kreuzt Deutschland dabei mit Österreich, dem Aufsteiger aus der Division I, die Schläger.
"Wir haben drei sehr gute Standorte für unsere Vorbereitung gefunden. Wir freuen uns darauf, in Rosenheim, Dresden und Schwenningen zu Gast zu sein. Das werden stimmungsvolle Länderspiele mit ganz klarem Fokus auf die WM", so Sportdirektor Künast.
In den nächsten Wochen werden sukzessive Spieler zum Kader hinzukommen, wenn diese mit ihren Teams die Saison beendet haben. Dazu zählen auch Akteure aus Übersee, die in den Planungen von Söderholm eine bedeutende Rolle spielen. Aus der NHL könnten beispielsweise Torhüter Philipp Grubauer von den Seattle Kraken, Verteidiger Moritz Seider von den Detroit Red Wings und Stürmer Tim Stutzle zur DEB-Auswahl hinzustoßen. Sie sind mit ihren Klubs nicht in den Stanley Cup Playoffs vertreten.
Gleiches gilt für die beiden Angreifer Lukas Reichel von den Chicago Blackhawks und JJ Peterka von den Buffalo Sabres. Sie kamen allerdings über weite Strecken der Saison bei den AHL-Farmteams in Rockford und Rochester zum Einsatz, die sich wiederum berechtigte Hoffnungen auf die Teilnahme an den Playoffs um den Calder Cup machen und dabei auf die Dienste der zwei Deutschen möglicherweise nicht verzichten wollen. Ähnlich sieht die Sache bei Defensivspieler Leon Gawanke von den Manitoba Moose und Stürmer Marc Michaelis von den Toronto Marlies aus.

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Der Bundestrainer macht keinen Hehl daraus, dass er die jungen NHL-Cracks gerne in Finnland dabeihätte und sie ebenso gerne auflaufen würden. "Die Spieler sind positiv eingestellt, was die WM-Teilnahme betrifft", fasste Söderholm die Gespräche mit den Betroffenen in den vergangenen Wochen und Monaten zusammen. Das Ganze hänge jedoch von einem weiteren Faktor ab, nämlich der Freigabe durch die Klubs. Es könne durchaus sein, dass die Verantwortlichen es lieber sehen, wenn die jungen Akteure eine Pause einlegen statt die WM zu spielen. "Das sind Verhandlungen, die man einzeln mit jedem führen muss. Ich bin aber zuversichtlich, dass einige von ihnen dabei sein werden, und hoffe es natürlich auch, weil es für jeden gut ist", fügte der Nationalcoach hinzu.
Ob Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers oder Nico Sturm von den Colorado Avalanche bei der WM das Trikot mit dem Bundesadler überstreifen, ist indes äußerst fraglich. Beide Mannschaften haben sich in diesem Jahr einen langen Playoff-Run vorgenommen, was einem Einsatz der beiden Center in Finnland zuwiderlaufen würde.