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Es sollte nichts werden mit dem zweiten Stanley Cup in drei Jahren. Dieser Traum fand für die Colorado Avalanche am Freitag nach hartem Kampf ein Ende. Spiel 6 ihrer Serie der zweiten Runde der Western Conference in den Stanley Cup Playoffs 2024 ging bis in die zweite Verlängerung, ehe Matt Duchene das 2:1 für die Dallas Stars erzielte und Colorado so aus dem Rennen warf.

DAL@COL R2, Sp6: Duchene versenkt Nachschuss in 2OT

Die Avalanche rangen die ganze Saison über in der hochklassig besetzten Spitzengruppe der Central Division mit den Stars und den Winnipeg Jets um den ersten Platz. Den sicherten sich am Ende die Stars mit 113 Punkten (52-21-9), während die Avalanche mit 107 Punkten (50-25-7) hinter den Jets auf dem dritten Rang landeten.

Es war klar, dass der Weg in den Playoffs nicht leicht werden würde. Immerhin ging es in der ersten Runde gegen die Jets, die eine extrem starke Saison gespielt hatten. Colorado trat aber mit breiter Brust an und setzte sich souverän in fünf Spielen gegen Winnipeg durch.

Die Serie gegen Dallas begann mit einem 4:3-Sieg nach Verlängerung recht gut. Danach mussten die Avalanche aber drei Niederlagen in Serie schlucken. In Spiel 5 hielt Colorado seine Hoffnungen mit einem 5:3-Sieg am Leben. Die letzte Partie war umkämpft und die Avalanche waren nahe dran, die Serie in ein entscheidendes Spiel 7 zu schicken, doch Duchene machte ihnen nach 91:42 Minuten einen Strich durch die Rechnung.

Die Gründe für das Aus

Mit den Stars standen die Avalanche einem extrem unangenehmen Gegner gegenüber. Ein starker Torhüter, eine stabile Abwehr, viel Tiefe und eine gesunde Mischung aus jungen und schnellen Talenten und erfahrenen Veteranen machen Dallas zu einer echten Bedrohung.

Dieses Team fand sogar einen Weg, der sonst schier unaufhaltbaren Offensive der Avalanche den Zahn zu ziehen. Gegen die Stars erzielte Colorado nur 2,5 Tore pro Spiel. In der ersten Runde gegen die Jets waren es noch 5,6 Tore pro Spiel, in der regulären Saison stand das Team aus Denver mit 3,68 Toren pro Spiel an der Spitze der NHL.

Dallas fand aber einen Weg, die Spitzenspieler der Avalanche über weite Strecken aus dem Spiel zu nehmen. Nathan MacKinnon, Mikko Rantanen und Cale Makar brachten es in den Spielen 2 bis 4 gemeinsam nur auf zwei Punkte. Als die Topscorer nicht zum Zug kamen, leistete die restliche Mannschaft zu wenig Unterstützung.

DAL@COL R2, Sp6: Rantanen netzt hoch im Powerplay ein

In der eigenen Abwehr suchten die Avalanche lange vergeblich nach einem Erfolgsrezept. Sie kassierten 3,67 Treffer pro Partie und Torwart Alexandar Georgiev verlor das Duell gegen Stars-Torhüter Jake Oettinger deutlich. Oettinger hielt 91,1 Prozent aller Schüsse, Georgiev nur 89,5 Prozent. Ein Teil von Georgievs Fangquote lässt sich allerdings auch durch die Powerplaytore der Stars erklären. Dallas war 17-mal in Überzahl und nutzte fünf dieser Chancen, was für Colorado eine Unterzahlquote von nur 70,6 Prozent ergab.

Dass Stürmer Valeri Nichushkin während der Serie von der NHL suspendiert und in Phase drei des NHL/NHLPA Player Assistance Program aufgenommen wurde, war ein herber Schlag. Nichushkin war zu diesem Zeitpunkt mit neun Treffern der beste Torjäger der Playoffs. Nicht nur die fehlenden Tore, sondern auch die Auseinandersetzung mit dem Thema in der Kabine und in der Öffentlichkeit kamen zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

Es ist aber bei weitem nicht alles nur negativ, auch wenn es den Spielern der Avalanche im Moment vermutlich schwerfällt, die positiven Seiten ihrer Saison zu sehen. Sie zwangen aber eine der besten Mannschaften der Liga beinahe in ein Spiel 7. Das Powerplay war in der Serie gegen Dallas mit 35,7 Prozent auf einem noch höheren Niveau als in der regulären Saison. Da stand Colorado mit 24,5 Prozent auf dem fünften Platz.

Abgesehen von den Niederlagen gegen Dallas spielten die Stars der Avalanche die gesamte Saison über auf einem überragenden Niveau. MacKinnon war mit 140 Punkten (51 Tore, 89 Assists) der zweitbeste Scorer der Liga und ist einer von drei Finalisten für die Hart Trophy (MVP) und den Ted Lindsay Award (herausragendster Spieler).

COL@DAL R2, GM5: MacKinnon knipst die Torlampe mit einem Handgelenkschuss an

Makar war mit 90 Punkten (21 Tore, 69 Assists) der zweiterfolgreichste Scorer bei den Bluelinern und ist einer der Finalisten für die Norris Trophy für den besten Verteidiger. Die Auszeichnung hatte er bereits 2022 gewonnen.

Die Avalanche haben nach wie vor eines der besten Teams der Liga und dürften auch nächste Saison wieder zum Favoritenkreis zählen. Dann dürfen sie womöglich auf gewaltige und lang ersehnte Verstärkung hoffen, denn Kapitän Gabriel Landeskog könnte nach einer extrem langen Verletzungspause zurückkehren. Nach mehreren Operationen am Knie fiel er zwei komplette Spielzeiten aus, doch laut Prognosen der Ärzte könnte er nächste Saison wieder einsatzfähig sein.

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