Dahlin_Sabres_shoots

Wer hätte das gedacht? Die Buffalo Sabres können nach dem 5:1-Auswärtssieg bei den Vancouver Canucks eine 4-1-Bilanz aus den ersten fünf Saisonspielen 2022/23 vorweisen und sind damit das zweitbeste Team in der Atlantic Division. Den starken Start befeuerte insbesondere Verteidiger Rasmus Dahlin, der in allen fünf Partien traf und damit einen neuen Rekord aufstellte. Doch der Aufschwung an den Niagarafällen fußt auf mehreren Erfolgsgeschichten. Ganz anders ist die Stimmung in Vancouver: Die Canucks (0-4-2) sind die einzige noch sieglose Mannschaft in der gesamten NHL.

Dahlin baut NHL-Rekord aus
Schon vor dem Spiel war Dahlin der erste Verteidiger in der NHL-Geschichte, der in jedem seiner ersten fünf Saisonspiele ein Tor erzielte. Diese Serie baute der 22-jährige Schwede nun auf fünf Partien aus. In Vancouver traf der Abwehrchef im Powerplay von der Quarterback-Position zentral an der blauen Linie per Tunnel zum 1:0 (6.). Der Lauf des 1,90 Meter großen und 94 Kilogramm schweren Linksschützen geht also weiter.

Kein Tormangel an spannendem Abend

"Darüber denke ich nicht nach", so Dahlin. "Ich war in 80 Prozent dieses Spiels in der Defensivzone gefordert. Aber wenn da vorne eine Situation entsteht, dann versuche ich auch zu treffen, denn es fühlt sich einfach gut an, wenn der Puck reingeht."
Dahlin ist mit acht Punkten (5-3-8) der Top-Scorer bei den Sabres und legte in drei von fünf Partien Multi-Punkte-Spiele aufs Eis. Dabei wirkt der Blondschopf immer selbstbewusster, was auch seine Vorlage zum 5:1-Endstandt eindrucksvoll unterstrich: Die Nummer 26 skatete nach vorne mit zur Grundlinie, schirmte den Puck mit seinem Körper ab und servierte per Rückhand-Pass für Victor Olofsson in den Slot, der nur noch einschieben musste (58.).
"Er wird besser und besser", wunderte sich auch Olofsson. "Das letzte Tor war ein unfassbarer Spielzug von ihm. Er spielt in dieser Saison einfach auf einem höheren Level."
Lobeshymnen für den Zwei-Wege-Verteidiger
Eine Tatsache, die auch anderen Mitspielern, seinem Trainer und dem General Manager aufgefallen sind:
"So wie er spielt, erinnert er mich an Erik Karlsson zu seinen besten Zeiten. Er macht Dinge mit dem Puck, die du nicht erwarten würdest, weil er so viel Selbstbewusstsein hat. Er spielt einfach befreit auf und lässt sich von seinen Fähigkeiten leiten", sagte Torwart Craig Anderson.

Dahlin Olofsson win vs VAN

"Wenn er auf dem Eis ist, dann treffen die Gegner nicht. Er meldet sie ab, obwohl er gegen die besten Sturmreihen spielt und er trifft vorne gegen die besten Defensivpaare", hob Stürmer Alex Tuch auch die defensiven Fähigkeiten seines Teamkameraden hervor. "Er ist einer der cleversten Spieler, mit denen ich je zusammengespielt habe. Und ich glaube nicht mal, dass er schon alles gezeigt hat, was in ihm steckt."
"Seine Arbeitsmoral ist unerbittlich. Er ist immer bereit, um eine sich auftuende Möglichkeit zu nutzen", hob Coach Don Granato hervor. "Rasmus ist eine unglaublich motivierte und entschlossene Person. Er nimmt sich selbst in die Pflicht, der beste zu sein, und das lebt er jeden Tag, was nicht nur ihm, sondern auch seinen Mitspielern hilft. Es ist seine Denkweise, seine Reife und die Art, wie er trainiert und wie er jede Übung angeht", schwärmte auch GM Kevin Adams.
Eine Frage von Selbstvertrauen
Dahlin selbst führt seine Leistungsexplosion auf seinen Trainer und gestiegenen Selbstbewusstsein zurück. "Er hat dafür gesorgt, dass wir furchtlos auftreten", sagt Dahlin über Granato. "Ich hatte Angst, Fehler zu machen oder am Ende ein Minus zu haben. Und als wir dann gespielt haben, ist es schlimmer geworden. Mir hat Granato persönlich geholfen, damit ich einfach da rausgehe und mein Ding mache."
Von einer veränderten Teamatmosphäre profitieren übrigens auch andere: Lokalheld Tuch, der zwei Autostunden östlich von Buffalo in Syracuse geboren wurde, traf in vier Spielen in Folge, womit er seinen Karriere-Bestwert einstellte, und ist zweibester Punktesammler (6-1-7) hinter Dahlin. Center Casey Mittelstadt (1-4-5) gab in seinem 200. NHL-Spiel zwei Assists und steht gleichauf mit Olofsson (4-1-5) auf Rang drei der mannschaftsinternen Scorerwertung.
Mit JJ Peterka drängt sich auch ein deutsches Talent auf: Der 20-jährige Münchner ist mit seiner Laufleistung und Kampfkraft nicht nur ein wichtiger Motor in der jungen dritten Reihe mit Dylan Cozens (1-2-3) und Peyton Krebs (1-1-2), sondern ist auch der fünftbeste Scorer in Buffalo (2-2-4).

Pavelskis Hattrick, Capitals-Comeback am Samstag

Sogar die Torhüterleistungen präsentieren sich bislang auf einem neuen Niveau: Sowohl auf Anderson (zwei Starts, 97 Prozent Fangquote) als auch auf Eric Comrie (drei Starts, 93 Prozent Fangquote) ist Verlass.
"Alles beginnt mit harter Arbeit, und wir verdienen das Selbstvertrauen, das wir gerade haben", betont Dahlin. "Wir treten zwar auswärts an, aber wir spielen richtig, richtig gut und wir fangen an, zu unserem Spiel zu finden. Also ja, unser Selbstvertrauen ist gerade sehr hoch."
Am Dienstag beendet Buffalo den bislang perfekten Vier-Spiele-Roadtrip (4:2 in Edmonton, 6:3 in Calgary, 5:1 in Vancouver) bei den Seattle Kraken.
Vancouver wartet weiter - Boudreau appelliert an die Ehre
Ganz anders als bei den Sabres ist die Stimmung bei den Canucks, die als einziges NHL-Team noch immer auf den ersten Sieg der Saison warten. Der Frust in British Columbia wächst, so wurde die Mannschaft nach der jüngsten Niederlage mit Pfiffen in die Kabine begleitet.
"Es ist ziemlich frustrierend", meinte Vancouvers Stürmer J.T. Miller nach der Niederlage am Samstag. "Wir haben (Torwart Thatcher) Demko in den letzten zehn Minuten im Stich gelassen. Bis zum dritten Drittel haben wir ziemlich gut gespielt und hatten die Möglichkeit, zu gewinnen. Dass wir dann so aufgetreten sind, war schwer zu schlucken."
Nach drei Gegentoren im Schlussdrittel muss auch Canucks-Trainer Bruce Boudreau weiter auf seinen 600. Sieg als NHL-Coach warten und sieht sich selbst in der Pflicht: "Mein Job ist es, einen Weg da raus zu finden. Ich werde tun, was ich kann, um das Blatt zu wenden. Die Aufgabe jedes einzelnen Spielers sollte sein, sich zu überlegen, was man selbst beitragen kann, um die Wende zu schaffen. Dieses Gefühl hatte ich, als sie uns mit Buh-Rufen vom Eis begleitet haben. Ich hoffe, dass uns das jetzt an der Ehre packt."