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Im Vorjahr waren die Tampa Bay Lightning der große Überflieger der regulären Saison gewesen, scheiterten dann aber zum Auftakt der Stanley Cup Playoffs sensationell an den Columbus Blue Jackets, unterlagen diesen sang und klanglos mit 0:4 in der Serie.

In diesem Sommer ergab es sich aus der Stanley Cup Qualifikation, dass es zu einem mit Spannung erwarteten Wiedersehen der beiden Teams in der ersten Runde der Playoffs kommt. Und schon das erste Duell zwischen den beiden Mannschaften lieferte mehr überragenden Sport, als sich jeder Eishockeyfreund im Vorfeld hätte erträumen können.

Tampa Bay siegte nach fünffacher (!!!) Verlängerung durch einen Treffer von Brayden Point mit 3:2, sicherte sich damit nicht nur den ersten Sieg in der Serie gegen den Angstgegner des Vorjahres, sondern besiegte zugleich den bösen Geist aus dem Vorjahr auf spektakuläre Art und Weise.

CBJ@TBL, Sp1: Points Overtime-Siegtor

Dass dieser hart erkämpfte Sieg immense Auswirkungen auf die Psyche beider Teams haben dürfte, sollte klar sein. Insbesondere für die Lightning, die unbestritten das Potenzial zum Gewinn des Stanley Cups 2020 haben, könnte sich dieser erste Erfolg gegen Columbus im Rückblick als besonders wertvoll und wegweisend herausstellen.

Die Sportgeschichte hat in der Vergangenheit schon häufig solche schier magischen Schlüsselmomente geliefert. Für Tampa Bay könnte dies am Dienstagabend (Ortszeit) in der Scotiabank Arena von Toronto ein ebensolcher gewesen sein. Eine solche Nervenschlacht nach sechs Stunden und 13 Minuten, was die Begegnung zur viertlängsten jemals gespielten NHL-Begegnung machte, für sich zu entscheiden, das beeindruckte spürbar alle Beteiligten.

"Ich glaube nicht, dass irgendjemand da draußen es nachvollziehen kann, wie hart das für die Spieler war. Dass die Jungs gegen Ende noch immer so gute Spielzüge geschafft haben, das war toll", freute sich Lightning-Trainer Jon Cooper nach dem Mammut-Match, in welchem seine Mannschaft 88 der insgesamt 151 Torschüsse abgegeben hat.

"Das war eine unglaubliche Leistung von beiden Teams, besonders von den Torhütern", zollte Verteidiger Victor Hedman allen seinen Respekt. "In solchen Spielen musst du durchgängig konzentriert sein. Es war so wichtig, dass wir uns am Ende durchgesetzt haben."

Siegtorschütze Point bestätigte die enorme mentale Belastung, die es für die Aktiven an diesem Tag durchzumachen galt, nach der Extrembelastung im Zoom-Call mit Medienvertretern. "So etwas habe ich bisher noch nie erlebt. Das war körperlich und geistig eine große Anstrengung."

Point in 5.OT zum Sieg der Lightning in Spiel 1

Angesprochen auf einen möglichen psychologischen Rückschlag in dem Fall, dass dieses Match gegen die Blue Jackets, wie die vier im Vorjahr, abermals verlorengegangen wäre, antwortete Point eher ausweichend: "Ich denke, man darf nicht zu weit schauen. Es gilt immer im hier und jetzt zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren. Es war ein gutes Spiel, auch von unseren Gegnern. Das ist es was zählt."

Hedman stellte im Rückblick doch noch ein wenig den positiven Aspekt dieses Erfolges für die kommenden Tage in den Mittelpunkt seiner Analyse. "Ich denke, wir können jetzt sehr stolz auf das sein, was wir hier geleistet haben. Das gibt uns viel Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben", sagte er.
Ein sichtlich erschöpfter, aber glücklicher Cooper ließ in seinen Antworten durchblicken, wie groß der Einfluss dieses Erfolges auf die weiteren Spiele seiner Mannschaft sein könne.

"Das Spiel müssen wir jetzt erst einmal sacken lassen. Da gehen einem so viele Sachen durch den Kopf. Die Leistungen beider Mannschaften waren schlicht sensationell. Natürlich bin ich froh darüber, dass wir das Glück am Ende auf unserer Seite hatten", gab sich der Coach sehr erleichtert.

CBJ@TBL, Sp1: Vasilevskiy vereitelt Robins' Torchance

Dabei vergaß er nicht, wie es die Trainer grundsätzlich gerne machen, den Finger direkt in die Wunde zu legen, mögliche Verbesserungsmöglichkeiten in der Stunde des Sieges zu erwähnen: "Jetzt sind wir natürlich sehr glücklich, aber man darf nicht vergessen, dass es in diesem Spiel auch Dinge zu sehen gab, die es in der Zukunft auf unserer Seite zu verbessern gibt. Wir haben aus meiner Sicht insgesamt zu viele Fehler gemacht, aber jetzt nach den über sechs Stunden, überwiegt natürlich erst einmal die Freude über den Erfolg."

Angesprochen auf sein Erfolgsrezept, sagte Cooper: "Ich habe den Jungs in jeder der Pausen fast das gleiche gesagt. Es ging darum, den Fokus auf die kleinen Sachen nicht zu verlieren. Man muss maximal konzentriert bleiben, selbst wenn es im Laufe der Zeit natürlich immer anstrengender wird. Aber nur so kann man ein solches Spiel gewinnen."

Am Ende stand ein äußerst emotionaler Siegtreffer, der auch nach Ansicht des Trainers, trotz eines erheblichen Wehrmutstropfens, viel Gutes bei seiner Mannschaft ausgelöst haben dürfte. "Es war natürlich schade, dass heute keine Fans mit dabei waren, aber alleine die Begeisterung in den Spielergesichtern zu sehen, als wir den Sieg gesichert hatten, das war etwas, was ich bestimmt niemals vergessen werde", räumte Cooper ein.

CBJ@TBL, Sp1: Point fälscht Kucherovs Schuss ab

Mit Blick auf die kommenden Aufgaben präsentierte er sich durchaus selbstbewusst und optimistisch: "Wir hatten einen konkreten Plan für dieses Spiel. Dieser beinhaltete die Möglichkeit, dass wir vielleicht zwischenzeitlich in Rückstand geraten würden, was wir dann ja taten. Es ging darum selbst dann den Plan zu verfolgen, wenn sich nicht sofort der Erfolg einstellt. Das ist uns gelungen. Am Ende hat es sich ausgezahlt diesem Vorhaben konsequent treu zu bleiben. Daraus können wir für die Zukunft lernen. Das sollte uns Selbstvertrauen geben. Unsere Mühen wurden belohnt. Das war sehr wichtig."

Die Erleichterung darüber, gegen den Angstgegner des Vorjahres am Ende auf diese Art und Weise triumphiert zu haben, sie war den Protagonisten aus Tampa Bay deutlich anzumerken. Gut möglich also, dass dieses Spiel im Rückblick einmal als der Ausgangspunkt für eine grandiose K.o.-Phase in die Lightning-Geschichte eingehen wird.

Spiel 2 der Best-of-7-Serie zwischen beiden Teams steigt am Donnerstag an gleicher Stelle (3 p.m. ET; Do. 21 Uhr MESZ, NHL.TV, Sport1+, Teleclub).