Nelson und Islanders gewinnen Sp. 3 gg. Lightning 5-3

Die Tampa Bay Lightning zehren in den Stanley Cup Playoffs 2020 nicht nur von ihrer mannschaftlichen Stärke und Entschlossenheit, gepaart mit dem nötigen Selbstvertrauen, sondern auch von ihrer Fähigkeit gerade in engen Spielen den Unterschied auszumachen.

So haben sie schon einige Rückstände weggesteckt und zumeist das bessere Ende für sich gehabt. Zuletzt stand Spiel 2 der Serie des Eastern Conference Finales gegen die New York Islanders exemplarisch, als die Lightning einen frühen Rückstand wettmachten und neun Sekunden vor dem Ende den Sieg zum 2:0 in der Serie herstellten. Aber auch alle ihrer vier Partien, die bisher in den Playoffs in die Verlängerung gingen, entschieden sie für sich.
Insofern stellte Spiel 3 der Serie am Freitag eine Ausnahme dar. Nicht dahingehend, dass die Lightning wieder einmal zurückgekommen wären, denn das taten sie. Nein, sie standen trotz einer erfolgreichen Aufholjagd im dritten Drittel, nachdem die Islanders zur zweiten Drittelpause mit 3:1 führten, am Ende mit leeren Händen dar. Die Lightning glichen bis zur 53. Minute die Partie zwar auf 3:3 aus, doch die Islanders erzielten eben in der 57. Minute den 4:3-Siegtreffer und schließlich ein Empty-Net zum 5:3-Endstand. Der Stand in der Serie ist damit auf 1:2 verkürzt.
"Wir mochten unser Spiel", betonte Torschütze Ondrej Palat zum 2:3 in der 43. Minute. "Sie waren 3:1 vorne und wir kamen im dritten Drittel stark zurück. Doch wir haben einige Fehler gemacht und sie haben uns dafür bezahlen lassen. Aber ich glaube nicht, dass sie uns bestimmt haben."

TBL@NYI, Sp3: Palat fälscht Puck im Powerplay ab

Einer dieser entscheidenden Fehler war in der 57. Minute ein Fehlpass in der eigenen Zone von Ryan McDonagh, der Teamkollege Barclay Goodrow an der eigenen Blauen Linie anspielen wollte, doch der Puck landete beim anschließenden Torschützen zum 4:3 Brock Nelson.
"Wir haben es ihnen ausgehändigt", merkte Trainer Jon Cooper zur entscheidenden Szene kritisch an. "Es war als Geschenk eingepackt. … Wir haben ihnen einige Chancen geliefert und gute Teams lassen dich dafür bezahlen. Das ist heute Abend passiert."
Auch Verteidiger Victor Hedman fand deutliche Worte. "Es ist hart", meinte er. "Wir müssen das wegstecken, daraus lernen und nach vorne schauen. Das ist alles, was wir tun können. Wir können nicht mehr ändern, was vor ein paar Minuten passiert ist."
Dabei hatten die Lightning bereits in den ersten Minuten einige gute Einschussmöglichkeiten, die sie gegen Semyon Varlamov im Tor der Islanders nicht zur frühen Führung nutzen konnten. Ohne drei ihrer Top-Stürmer, Steven Stamkos (langzeitverletzt), Brayden Point (verletzt in Spiel 2) und Alex Killorn (ein Spiel Sperre wegen Spieldauerstrafe in Spiel 2), vermochte Tampa Bay aber den Druck nicht dauerhaft aufrechterhalten. Gefahr ging im weiteren Spielverlauf meist nur von der ersten Reihe um Torjäger Nikita Kucherov aus.

TBL@NYI, Sp3: Johnson trifft mit Abfälschung

"Wir haben das letzte Spiel auch erst neun Sekunden vor dem Ende gewonnen", stellte Cooper fest. "Auch das muss man hinter sich lassen. Und genauso, wenn man das Spiel in den letzten drei Minuten verliert. Man muss immer nach vorneschauen. Deswegen spielen wir Best-of-Seven. Es verspricht Spannung und nichts ist vorherbestimmt. Es sind zwei absolut gleichwertige Mannschaften und wir haben keinen Sweep erwartet. Wir haben Selbstvertrauen und ich bin überzeugt sie haben es auch."
Auffällig beim Blick in die Statistiken war trotzdem, dass die Lightning in dieser Begegnung mit 62 Checks viel physischer agierten als noch in Spiel 1 (34 Checks) und Spiel 2 (44 Checks). Entspricht es ihrer Mentalität oder sollten sie sich mehr auf ihre ohne Zweifel vorhandenen spielerischen Fähigkeiten konzentrieren?
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"Wir haben einen Spielplan und das gehört dazu", erklärte Cooper. "Wir haben sie auf 3:1 wegziehen lassen, doch uns war klar, dass wir zurückkommen können. Als wir unseren Spielplan umgesetzt haben, waren wir erfolgreich und dazu gehört auch das physische Spiel. Wenn wir auf die Playoffs schauen, dann haben wir meistens verdient gewonnen und ich bin begeistert wie unsere Mannschaft spielt, auch heute."
Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Partie im Verlauf zunehmend ruppiger wurde und beide Teams beginnen "Nettigkeiten" auszutauschen. "Natürlich magst du deinen Gegner nicht, wenn du in einem Playoff-Spiel ihm gegenüberstehst", ist Mikhail Sergachev sicher. "Du musst ihn hart nehmen. Du musst ihnen den Puck wegnehmen und Tore erzielen. Wir erreichen das, indem wir sie checken und physisch und schnell spielen. Ich weiß nicht, ob es eine Rivalität ist, aber wir mögen sie nicht und sie uns nicht."

TBL@NYI, Sp3: Sergachev schießt mit Rückhand ein

Und so ist der Boden bereitet für ein spannendes Spiel 4 am Sonntag (3 p.m. ET; 21 Uhr MESZ; NHL.tv, Sport1+, DAZN) zur besten Sendezeit in Europa. Die Serie ist wieder offen und beide Mannschaften werden sich nichts schenken.
"Das sind die Playoffs", sagte Torschütze zum 3:3-Ausgleich in der 53. Minute Tyler Johnson. "Du spielst deine Spiele, machst vieles gut, machst Fehler und lernst daraus. Spiele enden, wie sie enden, du kannst das Geschehene nicht mehr ändern, sondern musst nach vorne schauen und es im nächsten Spiel einfach besser machen."