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Wie so vieles in dieser Saison, wird auch die Trade Deadline von der Coronavirus-Pandemie beeinflusst. Anstatt wie üblich Ende Februar, ist das Ultimatum für die letzten Transfers in dieser Saison am 12. April. Zudem müssen Spieler, die aus den USA nach Kanada einreisen in Quarantäne und können nicht sofort zu ihrem neuen Team stoßen. Zumindest dieses Problem wurde vor wenigen Tagen gemindert, da die kanadische Regierung die Dauer der Quarantäne für NHL-Spieler von zwei Wochen auf eine verkürzte.

Doch auch der geänderte Spielmodus hat seinen Einfluss auf die Herangehensweise der Teams vor der Deadline. Aufgrund des Coronavirus spielen die Mannschaften in dieser Saison ausschließlich gegen die direkten Konkurrenten aus der eigenen Division und die ersten vier Teams aus jeder Division ziehen am Ende in die Stanley Cup Playoffs ein. Dadurch sind die Punkte aus vielen direkten Duellen doppelt wertvoll und eine Siegesserie, oder ein Formtief, kann einen schnellen Auf- und Abstieg in der Tabelle bedeuten.
Das beeinflusst wiederum die Strategie der Teams rund um die Deadline. Ein Team, das geringe Aussichten auf einen Platz unter den ersten vier hat, sieht wenig Grund, sich kurzfristig zu verstärken. Doch wie die Nashville Predators und Arizona Coyotes kürzlich erlebten, können sich die Erfolgsaussichten schnell ändern.

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"Es wird zur Zeit viel geredet und es gibt im Moment viel Nervosität unter Managern, Trainern und Spielern, weil eine gute, oder eine schlechte Woche einem auf dem Transfermarkt zum Käufer oder Verkäufer machen kann", gab Arizonas Trainer Rick Tocchet zu. "Die Quarantäne spielt bei den Transfers natürlich auch eine Rolle. Ich versuche mich da rauszuhalten."
Die Coyotes siegten in vier der vergangenen fünf Spiele, während die St. Louis Blues nur zwei der vergangenen elf Spiele gewannen. So konnte sich Arizona auf dem fünften Platz der Honda West Division bis auf einen Punkt an die Blues und einen Playoff-Platz heranarbeiten.
Für die Predators lief es sogar noch besser: Sie haben aktuell eine Serie von sechs Siegen in Folge und schoben sich damit vor den Chicago Blackhawks auf den vierten Platz der Discover Central Division.
Diese Erfolge haben die Position der beiden Mannschaften hinsichtlich der Transferpolitik grundlegend verändert. Während es noch vor wenigen Wochen danach aussah, als könnten sie Spieler abgeben, dürften sie angesichts der aktuellen Tabellensituation darum bemüht sein, ihren Kader zu halten, oder sogar noch auszubauen.
"Bill Armstrong hat mich nach meiner Meinung zu einigen Spielern gefragt, das bleibt immer gleich, die Kommunikation zwischen Trainer und Manager", ließ Tocchet wissen und deutete damit an, dass die Coyotes hinsichtlich Transfers aktiv werden könnten.

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Er selbst will sich jedoch auf die nächsten Spiele konzentrieren, nicht auf mögliche Neuzugänge. "Da kommt das alte Sprichwort zum Einsatz, das einzige was man kontrollieren kann, ist das eigene Spiel. Man muss alles andere ausblenden. Das ist nicht leicht und natürlich stehen Namen im Raum, aber das muss man ausblenden und einfach von Spiel zu Spiel denken."
Das Gegenteil gilt für die Philadelphia Flyers. Sie stehen auf dem fünften Platz der MassMutual East Division und liegen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Besonders im März fielen sie durch extrem wechselhafte Leistungen auf. Vor allem die 0:9- und 3:8-Niederlagen gegen die New York Rangers zeigten deutlich, dass es Verbesserungsbedarf gibt.
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"Wir wollen gerade sicherlich keine Spieler abgeben", erklärte General Manager Chuck Fletcher. "Ich habe wenige Anrufe von GMs gekriegt. Da war es sehr still. Ich habe aber selbst viele Anrufe getätigt. Ich war sehr viel aggressiver, als die meisten Leute und habe mir unterschiedliche Optionen angesehen. Aber es sieht nicht so aus, als würden sich gerade viele Teams mit Spielergehältern und vertraglichen Verpflichtungen belasten wollen."
Andere Mannschaften könnten sich trotz guter Leistungen gezwungen sehen, ihren Kader aufzustocken. Die Tampa Bay Lightning und Florida Panthers führen die Discover Central Division mit je 50 Punkten an, hatten in letzter Zeit aber Verletzungspech. Bei den Panthers fehlen die Stürmer Aleksander Barkov und Patric Hornqvist verletzungsbedingt. Noch schwerwiegender ist der Ausfall von Aaaron Ekblad. Der Verteidiger war ein möglicher Kandidat für die Norris Trophy als bester Verteidiger der Liga, brach sich am 28. März im Spiel gegen die Dallas Stars jedoch das linke Bein und wird für den Rest der Saison nicht spielen können.

Die Lightning mussten zuletzt auf Ryan McDonnagh und Erik Cernak verzichten, zwei ihrer besten Verteidiger. Ohne die beiden verlor Tampa Bay drei Spiele in Folge. Beide sollen laut Trainer Jon Cooper bald wieder einsatzfähig sein, allerdings verletzte sich mit Jan Rutta am Dienstag ein weiterer Verteidiger und auch Abwehrchef Victor Hedman verließ das Spiel zwischenzeitlich humpelnd, kehrte aber zurück. Mit einem Transfer vor der Deadline könnten die Lightning ihre Tiefe in der Abwehr ausbauen.
"Keine Frage, das hat einen Einfluss", bestätigte Cooper am Mittwoch nach dem Training. "Es kommt auch darauf an, wie langfristig die Verletzungen sind. Ich weiß aber, dass unsere Philosophie, (General Manager) Julien BriseBois' Philosophie ist, dass man eine Chance, sein Team zu verbessern immer ergreifen muss... Langwierige Verletzungen haben einen Einfluss, ich weiß nicht, ob wir schon in diese Kategorie fallen. Die Tatsache, dass wir verletzte Spieler haben, gibt den unerfahreneren Spielern mehr Praxis und das ist gut. Wenn man aber um die Playoffs kämpft und hoffentlich in die Playoffs kommt, stehen Gelegenheiten das Team zu verbessern für mich und Julien immer an erster Stelle."
Wie so vieles in dieser ungewöhnlichen Saison ist auch das Bild vor dem Ende des Transferfensters unvorhersehbarer als gewöhnlich. Die Quarantäne und der Salary Cap, der nicht wie gewohnt erhöht wurde, könnten viele Teams von Transfers abschrecken. Andererseits könnte sich der ein oder andere General Manager gezwungen sehen für Verstärkung zu sorgen, ob aus Verletzungspech, oder wegen schwachen Leistungen.