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In der NHL stehen derzeit die beiden Conference Finale 2023 auf dem Programm. In jedem Jahr ist es eine besondere Herausforderung die begehrte Trophäe zu erringen. Doch wer sind eigentlich die besten Teams aller Zeiten? Dieser Frage ist NHL.com/de in der neuen Serie 'Champion of Champions', die in sechs Teilen präsentiert wird, nachgegangen.

In dieser Folge: Rang 3 - Die New York Islanders der Saison 1981/82

Der zweimalige Titelverteidiger der NHL, die New York Islanders, beendete die reguläre Saison 1981/82 als Tabellenerster, hatte mit 118 Zählern sieben Punkte Vorsprung auf den ärgsten Verfolger, die Edmonton Oilers mit 111 Zählern, und stellte einen Ligarekord für aufeinanderfolgende Siege auf (15) . Zudem wurden die New Yorker im Frühsommer 1982 das erste (und bis heute einzige) Team aus den USA, das den Stanley Cup in drei aufeinanderfolgenden Jahren gewinnen konnte.

Die Islanders führten die NHL seinerzeit mit 33 Heimsiegen an, holten gemeinsam mit den Montreal Canadiens die meisten Auswärtssiege (21) und gewannen sowohl ihre Serie im Conference Finale als auch das folgende Stanley Cup Finale mit einem 'Sweep' - etwas, das seit 1970 nicht mehr gelungen war.

Diese Truppe war in den Augen vieler die beste von den vier Meistermannschaften der Organisation zwischen 1980 und 1983. Das Besondere: Die Islanders dieser Saison hatten das Talent und den Trainer, jeden Spielstil eines Gegners zu spielen und trotzdem zu gewinnen. Egal, ob der Gegner spielerisch oder kämpferisch zum Erfolg kommen wollte, die New Yorker waren zumindest konkurrenzfähig.

Der Kader der Spielzeit 1981/82 entsprach dabei weitestgehend dem, der auch schon in den beiden Saisons zuvor die Liga dominiert hatte. Das Gerüst des Kaders stellten Legenden wie Torwart Billy Smith, Verteidiger Denis Potvin, Center Bryan Trottier und auch Rechtsaußen Mike Bossy. Diese vier zukünftigen Hockey Hall of Famer waren 1981/82 auf dem Höhepunkt ihres Könnens.

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Smith führte die NHL mit 32 Siegen an und gewann als bester Torhüter der Liga die Vezina Trophy. Potvin, New Yorks Kapitän, erzielte 24 Tore und verbuchte 61 Punkte in 60 Spielen. Die Kombination aus Trottier und Bossy machte den Torhütern der Gegner weiterhin das Leben schwer. Bossy erzielte 64 Tore und erreichte mit 147 Punkten die höchste Punktzahl seiner NHL-Karriere (Platz zwei in der NHL hinter Wayne Gretzky) und wurde mit einer Plus-69-Bilanz für seine außergewöhnliche Runde belohnt. Bossy krönte seine Saison mit dem Gewinn der Conn Smythe Trophy als MVP der Stanley Cup Playoffs. Trottier, dessen Pässe Bossy zu einem der besten Torjäger der NHL-Geschichte machten, erzielte zum einzigen Mal in seiner NHL-Karriere 50 Tore und schloss die Saison mit 129 Punkten und einer Plus-70-Bilanz ab.

Die Zusammensetzung des restlichen Kaders war ebenfalls sehr beachtlich. Clark Gillies, ein weiterer zukünftiger Spieler mit Hall of Fame-Format, erzielte 38 Tore und kam auf 77 Punkte. John Tonelli gelangen 35 Tore und 93 Punkte. Bob Bourne (24) und Bob Nystrom (22) erreichten ebenfalls mehr als 20 Tore. Zudem erhielten Islanders durch die Berufung des 19-jährigen Centers Brent Sutter mitten in der Saison signifikante Verstärkung. Der jüngere Bruder von Stürmer Duane Sutter war New Yorks Top-Wahl im NHL Draft 1980. Er kam neu in die Mannschaft und erzielte in 42 Spielen auf Anhieb 43 Punkte (21 Tore, 22 Assists).

Smith und der damals erst 21-jährige Roland Melanson bildeten ein hervorragendes Duo im Tor. Melanson, der seine erste komplette NHL-Saison spielte, nachdem er zu den Islanders gewechselt war, bildete eine hervorragende Ergänzung zu Smith und er ermöglichte es Trainer Al Arbour, seinen Stammtorhüter vor den Stanley Cup Playoffs nicht übermäßig in Anspruch zu nehmen, so dass dieser mit frischen Kräften in die K.o.-Phase starten konnte.

Melanson erzielte eine Bilanz von 22-7 mit sechs Unentschieden. Der zehn Jahre ältere Smith kam auf 32-9 mit vier Unentschieden. Ihre durchschnittliche Gegentorquoten (2,97 für Smith, 3,24 für Melanson) und Fangquoten (89,8 Prozent für Smith, 89,6 Prozent für Melanson) sehen nach heutigen Maßstäben nicht herausragend gut aus, aber es waren erstklassige Leistungen in der Saison 1981/82, als in einem NHL-Spiel durchschnittlich 8,03 Tore fielen, so viele wie in keiner anderen Saison seit dem Zweiten Weltkrieg.

Arbour, der als Spieler viermal den Stanley Cup gewonnen hatte, arbeitete Hand in Hand mit General Manager Bill Torrey, der ihn im Sommer 1973 überredete, nach Long Island zu kommen. Nur wenige Trainer-GM-Kombinationen in der Geschichte der Liga waren erfolgreicher.

Die Mannschaft beendete die reguläre Saison ohne eine einzige Niederlage in den finalen zehn Einsätzen und einer Gesamtbilanz von 54-16-10. Die Playoffs begannen für den Titelverteidiger mit einem Duell gegen die Pittsburgh Penguins, die in der regulären Saison 43 Punkte hinter New York gelegen hatten. Die Spiele 1 und 2 der Best-of-5-Serie gewannen die Islanders im Nassau Coliseum haushoch. Zur Überraschung aller konnten die Penguins das Ausscheiden zu Hause verhindern, indem sie Spiel 3 in der Verlängerung gewannen und dann die Islanders in Spiel 4 mit 5:2 besiegten.

Nystrom, der die ersten vier Spiele wegen einer Leistenverletzung verpasst hatte, erzielte das erste Tor im entscheidenden Spiel 5. Doch die Pittsburgh Penguins markierten die nächsten drei Treffer und führten plötzlich mit 3:1, als Verteidiger Randy Carlyle 7:04 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit eine Strafe absitzen musste.

In dieser Phase zeigte Arbour, dass er nicht zufällig in die Hall of Fame aufgenommen wurde. Als New York nach der Hälfte des Powerplays noch kein Tor erzielt hatte, nutzte er eine zu diesem Zeitpunkt geltende Regel, um seinen großen Spielern eine Pause zu verschaffen. Zum Entsetzen aller Anwesenden im Nassau Coliseum betrat Backup Melanson das Eis, um Smith zu ersetzen. Aber Arbour wusste, dass nach den damaligen Regeln ein neuer Torwart zwei Minuten aufwärmen durfte - so konnten die Islanders ihren besten Spielern eine Verschnaufpause gönnen. Die Strategie zahlte sich aus, als Verteidiger Mike McEwen zum Netz lief und einen herrenlosen Puck zum 2:3 für die Islanders einschoss. 2:31 Minuten vor Spielende gelang den Islanders der Ausgleich.

Smith wurde in der entscheidenden Szene seinem Ruf als Top-Torhüter gerecht, indem er Mike Bullard in der fälligen Overtime entscheidend ausbremste, bevor Tonelli den Abpraller von Nystroms Schuss nach 6:19 in der Verlängerung zum 4:3-Sieg einnetzen konnte. Mit einem 3:2-Sieg in der Serie schaffte es der doppelte Titelverteidiger in die nächste Runde.

Die Islanders schlugen die New York Rangers in der nächsten Auseinandersetzung in sechs Spielen (4:2), bevor sie die Quebec Nordiques im Conference Finale (4:0) und die Vancouver Canucks im Stanley Cup Finale (4:0) klar besiegten. Der einzige der vier Siege gegen die Canucks, der knapp ausfiel, war das Eröffnungsspiel der Serie, als Bossy einen Hattrick erzielte und zwei Sekunden vor Schluss in der ersten Verlängerung zum 6:5-Sieg traf. New Yorks 3:1-Sieg in Spiel 4 in Vancouver machte den Sweep perfekt und bescherte den Islanders ihre dritte Meisterschaft in Folge.

Bossy macht akrobatisches Tor und vergrößert Führung

Durch den abermaligen Cup-Gewinn im Jahre 1982 reihten sich die Protagonisten in die Riege der großen NHL-Dynastien ein, zusammen mit Teams wie den Toronto Maple Leafs der späten 1940er Jahre, den Canadiens der späten 1950er Jahre und den Canadiens der späten 1970er Jahre. Keines dieser Teams musste jedoch vier Serien gewinnen, um am Ende den Pokal mit nach Hause nehmen zu dürfen.

Die Islanders dieser Zeit sind bis in die Gegenwart hinein vielleicht die am meisten unterschätzte Dynastie der NHL, da sie zwischen den in der Öffentlichkeit meist wesentlich stärker beachteten Canadiens der späten 1970er Jahre und den Oilers der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre eingebettet sind.

Die Islanders 1981/82 hatten weder die Aura der Canadiens-Dynastien noch die Offensivpower der Dynastie Edmontons, die ihnen folgte. Was sie jedoch hatten, war ein nahezu perfektes Team - eine Mischung aus Torjägerqualitäten, Kampfgeist, Verteidigung, Trainer und Management, wie es sie nur selten in irgendeinem Sport gibt.

Bisher erschienen in dieser Serie:

Rang 4 - Die Edmonton Oilers der Saison 1983/84
Video: Bossy macht akrobatisches Tor und vergrößert Führung

Rang 5 - Die Pittsburgh Penguins der Saison 2016/17
Video: Bossy macht akrobatisches Tor und vergrößert Führung

Das Verfolgerfeld - Die Ränge 6 bis 10
Video: Bossy macht akrobatisches Tor und vergrößert Führung