broduer, fleury

Am Mittwoch konnte Marc-Andre Fleury seinen 485. NHL-Sieg einfahren. Mit den Vegas Golden Knights siegte der Schlussmann gegen die Los Angeles Kings. Beim 6:2-Erfolg verbuchte er 20 Paraden. Der 19. Erfolg in dieser Saison brachte den 36-jährigen Torhüter in der ewigen Rangliste der Goalies auf den alleinigen vierten Rang und damit vorbei an Ed Belfour. Fleury liegt damit nur noch vier weitere Siege hinter Roberto Luongo, der mit 489 Erfolgen den dritten Rang innehat.

"Wenn ich zurückblicke und sehe, dass ich jetzt hier stehe und Eddie überholt habe, ein Spieler, dem ich gerne zugesehen habe und vor dem ich viel Respekt habe, dann ist das sehr cool und ich fühle mich demütig", gab sich Fleury nach dem Erfolg bescheiden. Nach 876 Partien in der Liga konnte er sich an Belfour vorbeischieben, der für seine 484 gewonnenen Partien insgesamt 963 Mal auflaufen musste. Fleury wird, möglicherweise schon in dieser Saison, gegen Luongo den nächsten Platz in der ewigen Bestenliste gutmachen. Dann rangieren noch die beiden Legenden Patrick Roy und Martin Brodeur vor Fleury. Der Abstand besonders zu Brodeur ist jedoch enorm. Mit 691 gewonnenen Matches, die meisten davon für die New Jersey Devils, ist Brodeur gefühlt uneinholbar vor Fleury.

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Seit Brodeur, der von 1993/94 bis 2014/15 in der NHL aktiv war, haben sich die Voraussetzungen in der Liga geändert. Zu Brodeurs Zeiten hatten viele Mannschaften einen herausragenden Torhüter, der in wenigen Fällen von einem Ersatzmann entlastet wurde. In seiner Karriere absolvierte Brodeur in 12 Spielzeiten 70 oder mehr Partien, etwas das seit 2016/17 kein NHL-Torhüter mehr erreichte. Seit der Saison 2010/11 gelang es nur acht Torhütern und unter den aktiven Schlussmännern wissen nur Carey Price, Pekka Rinne, Braden Holtby, Jonathan Quick, Ryan Miller, Henrik Lundqvist und Craig Anderson, wie es sich anfühlt, ein Vielspieler vergangener Tage zu sein.
Auch für Peter Laviolette, den Trainer der Washington Capitals scheint das Modell mit einem Torhüter, der 70 Partien absolviert, überholt zu sein. "Ich will nicht für alle anderen sprechen", sagte er. "Man versucht seine Torhüter zu nutzen und auch die Bank und das ist mit dem Spielplan, besonders dieses Jahr, scheinen 70 Spiele sehr viel. Man sieht, dass viele Mannschaften in der regulären Saison und sogar in den Playoffs zwei Torhüter einsetzen."
Für Fleury selbst liegt der Rekord an Partien in einer Saison bei 67. Er erreichte diesen Wert 2006/07 und 2011/12 mit den Pittsburgh Penguins. Auch im zweiten Jahr mit den Golden Knights übertraf er die 60-Spiele-Marke (61). Nach 49 Starts im Vorjahr liegt er aktuell bei 29 Einsätzen von Beginn an und teilt sich die Last größtenteils mit Robin Lehner. Dieser Ansatz führt auch bei vielen anderen Mannschaften dazu, dass sich zwei Akteure die Last zwischen den Pfosten teilen und die Anzahl der Vielspieler massiv abgenommen hat. Mit 34 Einsätzen rangieren Connor Hellebuyck und Philipp Grubauer auf Rang eins der fleißigsten Goalies, wobei Grubauer diesen Platz durch seine zweiwöchige Pause im NHL COVID-19-Protokoll verlieren wird.

ARI@VGK: Fleurys 484. Sieg, zieht mit Belfour gleich

Durch die geänderten Rahmenbedingungen wird es in der Zukunft für Torhüter schwierig werden, den Rekord von Brodeur zu brechen. Der Kanadier stand in 1266 Matches auf dem Eis. Wenn Fleury diese Anzahl erreichen will, müsste er noch fast fünf Saisons aktiv sein und jedes der 82 Matches einer normalen Spielzeit absolvieren. Entsprechend länger, wenn er sich die Last mit einem anderen Schlussmann teilt. Auch die noch aktiven Vielspieler sind weit von Brodeur entfernt, der Rekord an gewonnenen Partien scheint außer Reichweite. Mit 36 Jahren neigt sich die Karriere von Fleury dem Ende entgegen. Auf Brodeur fehlen ihm noch 206 Erfolge. Selbst bei 30 Siegen pro Saison müsste er noch fast sieben Spielzeiten in der NHL aktiv sein. Dann wäre Fleury 43 Jahre alt.
Wenn selbst ein herausragender Torhüter wie Fleury, der meist in starken Mannschaften aktiv war, und auch bei Arbeitsteilung mit einem Kollegen viele Starts bekam, den Rekord von Brodeur nicht gefährden kann, dann stellt sich die Frage, ob der Bestwert jemals erreichbar sein wird. Mit Tuukka Rask ist, laut Brad Marchand "einer der besten Torhüter der Liga der vergangenen Dekade" für die Boston Bruins aktiv. Marchand ist sich sicher, dass Rask dem Team jeden Abend die Chance auf Siege gibt und in der Crunch-Time zur Stelle ist. Rask steht bei 299 Siegen und damit kurz vor einem Meilenstein. Mit 34 Jahren ist aber auch Rask schon in einem Alter, in dem nicht damit zu rechnen ist, dass er den Rekord noch wird brechen können. Noch eher wäre es Carey Price zuzutrauen, der nach 705 Matches auf 360 Erfolge kommt, aber im gleichen Alter ist wie Rask.
Unter den jüngeren Torhütern kommt Andrei Vasilevskiy ins Blickfeld. Mit 26 Jahren hat er noch viele Spielzeiten vor sich und rangiert in der ewigen Bestenliste bereits auf Rang 103. Mit 184 Siegen in 292 NHL-Partien kann er eine starke Siegquote aufweisen und entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum Vielspieler der Tampa Bay Lightning. Nach seinen ersten beiden Spielzeiten stand er immer mindestens 50 Mal auf dem Eis. 2017/18 kam er auf 65 Einsätze. Sollte er seine Siegquote von 63 Prozent beibehalten und lange zu den Vielspielern der NHL gehören, könnte er dem Brodeur-Rekord gefährlich werden. Trotzdem bleibt es ein langer, steiniger Weg, bei dem nichts dazwischenkommen darf.