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Der Auftakt der Viertelfinalpaarungen am Donnerstag zwischen Deutschland und der Schweiz war Dramatik pur. Erneut waren die Deutschen in einer K.o.-Runde nach der WM 2010 und Olympia 2018 Endstation für die Schweizer und ziehen zum ersten Mal seit 2010 und zweiten Mal seit 1953 ins WM-Halbfinale ein. In der zweiten Nachmittagspartie setzte sich die USA klar gegen die Slowakei durch. Am Abend komplettierten Kanada gegen Russland sowie Finnland gegen Tschechien das Teilnehmerfeld des Halbfinales und den totalen Triumph der Teams aus der Vorrundengruppe B.

Schweiz - Deutschland 2:3 n. P.
Ganz Deutschland ist im Eishockeyfieber und der Wahnsinn geht weiter. Durch eine unglaubliche Energieleistung und viel Kampfgeist rangen die Deutschen die favorisierten Schweizer mit 3:2 nach Penaltyschießen nieder. Marcel Noebels verwandelte den entscheidenden Penalty in einer unglaublich abgeklärten Manier, indem er den Torhüter Leonardo Genoni in die falsche Ecke schicke und den Puck mit dem langen Arm ins Tor schob. Zuvor hatten nur Timo Meier für die Schweiz und Dominik Kahun für Deutschland im Penaltyschießen getroffen.
"Mein Herz ist um einiges tiefer gerutscht, als es ausgeschaut hat", erklärte Noebels. "Ich habe geschafft, den Kopf einfach auszuschalten. Ich habe mich spontan für diese Variante entschieden, als ich angelaufen bin."
"Es tut weh, den letzten Schuss im Shootout zu kassieren, und sie haben gewonnen", sagte der Schweizer Kapitän Raphael Diaz. "Wenn man auf die Gruppenphase zurückblickt, war das eine unglaubliche Teamleistung von uns. Wir haben gezeigt, dass wir mit den Topteams mitspielen können. Aber im Moment ist es schwer, Worte zu finden. Für uns ist es vorbei."
Die deutsche Mannschaft begann sehr engagiert und hatte gerade im ersten Drittel größere Anteile am Spiel, allerdings fehlten die großen Torchancen und die Schweizer bestraften eine Nachlässigkeit in der deutschen Abwehr zum 1:0 in der 16. Minute. Ramon Untersander schoss mit einem von vier Torschüssen der Schweiz in diesem Drittel nach einer perfekten Vorarbeit von Santeri Alatalo und Philipp Kurashev im kurzen Eck von Torhüter Mathias Niederberger ein.
Die körperlich aggressiv agierenden Schweizer verstanden es im zweiten Drittel besser das Spiel mehr in den Griff zu bekommen und setzten sich einige Male im Angriffsdrittel fest. Die Deutschen hatten zunächst Probleme weitere offensive Akzente zu setzen. Deutschland überstand in der Folge eine doppelte Unterzahl gegen das beste Powerplay-Team des Turniers, doch kurz später erhöhte Fabrice Herzog in der 34. Minute auf 2:0. Wieder bestrafte die Schweiz eine Nachlässigkeit in der Abwehr eiskalt. Deutschland antwortete mit einer Energieleistung und kam folgerichtig noch vor der Pause zum Anschluss. Tom Kühnhackl stocherte in der 38. Minute die Scheibe im Nachfassen an Genoni vorbei ins Netz. Das Torschussverhältnis von 23:14 für Deutschland nach zwei Dritteln täuschte etwas über tatsächlichen Verhältnisse hinweg, denn die Schweiz verpasste bei guten Einschussmöglichkeiten das Gehäuse.
Deutschland kam sehr druckvoll aus der Kabine und setzte alles auf den Ausgleich, doch die Schweizer verteidigten leidenschaftlich. Es dauerte bis in die letzte Minute mit gezogenem Torhüter, ehe Verteidiger Leon Gawanke mit seinem zweiten Nationalmannschaftstor überhaupt aus dem Rückraum den vielumjubelten Ausgleich erzielte.
"Im letzten Drittel haben wir nicht mehr unser Spiel gespielt", erläuterte Diaz. "Wir waren defensiv ziemlich stark, aber wir haben unsere Spielzüge nicht gemacht, wir haben den Puck einfach rausgeschlagen und sind zum Wechsel gegangen. Wir mussten unser System beibehalten und unsere Spielzüge bis zum Ende durchziehen. Sie hatten nicht viele Chancen, vielleicht hatten sie viel von außen, aber am Ende haben sie den Abpraller bekommen."
Die Partie ging zehn Minuten in die Drei-gegen-Drei-Verlängerung mit guten Chancen auf beiden Seiten. Die größten Einschussmöglichkeiten hatten der Schweizer Nico Hischier, dessen Direktabnahme Niederberger abwehren konnte und der deutsche Lukas Reichel, der alleine vor Genoni auftauchte. Als dramtischer Höhepunkt folgte schließlich das Penaltyschießen.

"Ich denke, wir waren von Anfang an die bessere Mannschaft", war der deutsche Verteidiger Moritz Seider überzeugt. "Es gab keinen Zweifel daran, dass wir das Spiel gewinnen würden. Wir können sehr stolz auf uns sein, und jetzt gehen wir ins Halbfinale."
USA - Slowakei 6:1
Die USA schossen im ersten Drittel einen Vorsprung von drei Toren heraus und landeten einen überzeugenden sowie ungefährdeten 6:1-Viertelfinalsieg gegen die Slowakei. Colin Blackwell und Conor Garland glänzten mit je zwei Toren für die Amerikaner, außerdem trafen Kapitän Brian Boyle und Sasha Chmelevski. Kevin Labanc, Eric Robinson, Trevor Moore und Christian Wolanin steuerten jeweils zwei Assists bei.
Der beste Scorer des Turniers, Peter Cehlarik (5+6=11), traf für die Slowakei, die zum neunten Mal in Folge ohne Medaille nach Hause fahren wird. Die Amerikaner sind nun nur noch zwei Siege davon entfernt, ihre erste Goldmedaille bei einer IIHF Weltmeisterschaft seit 1933 zu gewinnen. Sie haben im 21. Jahrhundert vier Bronzemedaillen gewonnen (2004, 2013, 2015, 2018).
Russland - Kanada 1:2 n. V.
Kanada zog durch einen Erfolg in der Verlängerung ins Halbfinale ein und stürzte den Gruppensieger von A ins Tal der Tränen. Andrew Mangiapane vollstreckte nach 2:12 Minuten in der Overtime gegen den machtlosen Sergei Bobrovsky im Tor der Russen. Yevgeni Timkin hatte Russland in der 35. Minute in Führung gebracht und die Hoffnung auf ein gutes Ende geschürt. Doch die Kanadier glichen durch Adam Henrique in der 46. Minute aus.
Finnland - Tschechien 1:0
Durch das knappste aller Ergebnisse zieht Finnland in das Halbfinale ein. Ein Tor von Jere Innala in der 33. Minute blieb das einzige Tor des Spiels. Jussi Olkinuora sicherte sich mit 28 Saves den verdienten Shutout.
Halbfinalpaarungen am Samstag:
USA - Kanada, 14.15 Uhr
Finnland - Deutschland, 17.15 Uhr