VGK@DAL, Sp4: Pavelskis Direktabnahme im PP in OT

Die Euphorie war groß, als Joe Pavelski den Puck in das Tor beförderte und den Dallas Stars ihren ersten Sieg im Western Conference Finale ermöglichte. "Ich lebe einfach im Moment", sagt der 38-Jährige nach dem 3:2-Overtime-Treffer, der im Powerplay zustande kam. "Es war auf jeden Fall ein unglaubliches Gefühl und ich bin froh, dass wir ein weiteres Spiel spielen und von dort aus versuchen können, die Serie noch weiter zu verlängern."

Dallas und Pavelski dürfen bei einem Zwischenstand von 1:3 den Traum vom Stanley Cup weiterleben. Pavelski befindet sich bereits in seiner 15. NHL-Saison und wartet noch auf seine erste Meisterschaft. In den laufenden Playoffs gelangen ihm neun Tore in zwölf Spielen. Lediglich sein Mitspieler Roope Hintz (10 Tore) und der Deutsche Leon Draisaitl (Edmonton Oilers, 13 Tore) trafen in der aktuellen Postseason noch häufiger.

Nachdem Pavelski in den vorherigen vier Spielen nicht getroffen hatte, schoss er nun das vielleicht wichtigste Tor. Beeindruckend: In seiner Karriere gelangen ihm nun insgesamt 73 Playoff-Tore. Dies ist der höchste Wert aller aktiven Spieler. In der Geschichte der NHL schoss kein anderer in den USA geborene Spieler so viele Tore in der Postseason. "Er ist alterslos", sagt sein Trainer Peter DeBoer. "Er wird einfach nie alt. Er lebt für diese Momente und will immer in diese aussichtsreichen Situationen kommen. Das war schon immer so und er liefert fast jedes Mal ab."

Doch es wäre falsch, den Sieg auf Pavelski zu reduzieren. Die gesamte Mannschaft hat in Abwesenheit ihres Kapitäns Jamie Benn, der auch im nächsten Spiel noch gesperrt sein wird, dem Druck Stand gehalten. Mit dem Wissen, dass eine Niederlage gleichbedeutend mit dem Saisonaus wäre, egalisierten sie gleich zwei Mal einen Rückstand. Beide Male war es Jason Robertson, der mit seinem Tor die richtige Antwort parat hatte - erst im Powerplay, dann im Fünf-gegen-Fünf.

VGK@DAL, Sp4: Robertson gleicht im Powerplay aus

"Ohne Jamie mussten einige Jungs heute noch besser sein. Wir brauchen Tore und das ist eine Art Verantwortung, die ich mir selbst auferlege", sagt Robertson. "Ich weiß, dass diese Playoffs hart waren. Ich war glücklicherweise dazu in der Lage, die Bounces zu bekommen, die wir heute Abend brauchten." Trainer Peter DeBoer lobt den Doppel-Torschützen: "Er ist ein besonderer Athlet. Es ist eine ganz besondere Fähigkeit, ein Torjäger zu sein."

Auch Torwart Jake Oettinger lieferte mit 37 Paraden ein starkes Spiel ab. Dies ist besonders beachtlich, weil der 24-Jährige im vorherigen Spiel innerhalb von 7:10 Minuten gleich drei Gegentore kassiert hatte und danach aus dem Spiel genommen wurde. "Das war die richtige Antwort", freut sich Trainer DeBoer. "Er war bereits die ganze Saison so. Jedes Mal, wenn die Mannschaft oder er selber einen Rückschlag erlitten, antwortete er genauso wie heute."

Bei den Golden Knights dominiert die Enttäuschung, den Einzug in das Finale um den Stanley Cup noch nicht perfekt gemacht zu haben. "Unser Leistungsniveau war meiner Meinung nach nicht gut genug. Wenn man eine Serie abschließt, ist es wahrscheinlich das härteste Spiel der Serie", sagt Jonathan Marchessault, der ein Tor erzielte. "Wir versuchen, richtig zu spielen, aber ihre Dringlichkeit war etwas größer als unsere. Zu dieser Jahreszeit geht darum, wer es mehr will. Und ich hatte das Gefühl, ihr Wille war heute größer als unserer."

Auch Trainer Bruce Cassidy ordnet das Spiel realistisch ein. "Sie waren besser als wir. Sie haben mehr Puckkämpfe gewonnen. Wenn man sich die Bullys ansieht, waren sie stark auf sie ausgerichtet. Wir waren nicht richtig da, erst im (torlosen) dritten Drittel haben wir es besser hinbekommen. Das war die einzige Periode, in der wir sie übertrumpft haben. Allerdings waren in dieser Phase beide Torhüter richtig gut."

Spiel 5 findet in der Nacht von Samstag auf Sonntag (2 Uhr, MESZ, NHL.tv) in Las Vegas statt. Während die Golden Knights lediglich einen Sieg für den Finaleinzug benötigen, müssten die Stars noch drei Spiele in Folge für sich entscheiden.

"Wir hatten heute Abend eine großartige Einstellung, wir hatten Energie und den richtigen Fokus", sagt DeBoer. "Wir haben nicht das Gefühl, dass wir mit 0:3 hätten zurückliegen sollen. Das war selbstverschuldet. Spiel 3 und Spiel 2 hatten wir eigentlich unter unserer Kontrolle. Aber wir fanden einen Weg, die Spiele zu verlieren. Deshalb wollten wir sicherstellen, dass wir uns diesmal einfach auf unsere Arbeit konzentrieren. Das haben wir getan. Und wir müssen es wieder tun."

Pavelski beurteilt die Gesamtsituation ähnlich: "Zu dieser Jahreszeit ist es ein schmaler Grat. Du skatest gut und plötzlich siehst du, dass es trotzdem 0:3 steht. Wir hatten zweimal in der Overtime verloren, obwohl wir gutes Eishockey gespielt haben. Wir müssen unser Spiel weiterentwickeln und davon überzeugt sein, dass wir uns weitere Spiele verdienen können. Wir werden sehen, wohin das führt."

Der Siegtorschütze schickt eine Kampfansage an die Golden Knights: "Heute Abend freuen wir uns und ruhen uns ein bisschen aus. Aber dann werden wir versuchen, das Gleiche noch einmal zu tun und ein wenig Zweifel in ihnen zu wecken."

Klingt so, als könne man sich möglicherweise noch auf eine längere Serie einstellen.

Pavelski, Stars bleiben mit Spiel-4-OT-Sieg am Leben