Mark Streit #32 of the Pittsburgh Penguins celebrates with the Stanley Cup Trophy after they defeated the Nashville Predators 2-0 to win the 2017 NHL Stanley Cup Final at the Bridgestone Arena on June 11, 2017 in Nashville, Tennessee. (Photo by Justin K. Aller/Getty Images)

Mark Streit hat als Höhepunkt seiner Karriere im Jahr 2017 als dritter Schweizer und erster Feldspieler seines Landes den Stanley Cup gewonnen. Der langjährige NHL-Verteidiger ist Mitbegründer des NHL-Partners NORQAIN und heute ein viel gefragter Experte. Er wird in einer monatlichen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen in der NHL teilen.

Hier die erste Ausgabe 2026/27:

Ich war in der vergangenen Woche für meine Uhrenmarke in den USA unterwegs und habe mir die San Jose Sharks gegen die Boston Bruins sowie die Colorado Avalanche gegen die Dallas Stars angeschaut. Außerdem war ich noch in Phoenix unterwegs, wo sich jetzt auf den Winter zugehend im Großraum wieder jede Menge Kanadier aufhalten. Das Potenzial für NHL wäre also in der Region da, aber ich hatte das Gefühl, dass die Menschen dort die Franchise nicht sehr vermissen und auch die Planungen für eine neue Halle nicht so recht vorankommen. Die NHL hat dafür fünf Jahre Zeit gegeben, wovon schon über zwei Jahre vorüber sind. Deswegen bin ich skeptisch, dass es dort wieder eine Franchise geben wird.

Die Preseason war dieses Jahr extrem kurz. Einerseits ist es für die etablierten Spieler gut, dass das Trainingslager nicht drei Wochen geht, andererseits gab es schon einige schwere Verletzungen, die damit zusammenhängen könnten. Ich denke da an Aleksander Barkov oder John Tavares. Ich weiß nicht, ob das der Grund ist, aber förderlich war es nicht. Man kann schließlich trainieren was man will, die Intensität eines Wettkampfes ist noch einmal etwas ganz anderes.

Besonders schwer war es für Teams, die sehr viele Wechsel oder einen neuen Trainer hatten, denn taktische Modelle einzustudieren, dafür war zu wenig Zeit. Auch für die vielen Talente ist die Zeit zu kurz, um sich in den Kader zu spielen. Das war in der Vergangenheit mit sechs oder mehr Vorbereitungsspielen auch besser. Für sie also keine coole Situation.

Alex Ovechkin hat schnell Klarheit geschaffen, nachdem er sich im Sommer mit seiner Entscheidung, eine weitere Saison zu spielen, viel Zeit gelassen hatte. Für die Washington Capitals und ihn ist es gut, dass er angekündigt hat, es werde seine letzte Saison sein. Sie haben einige gute Spieler in der Offseason verpflichtet und hoffen, noch einmal angreifen zu können. Mal schauen, wie weit sie kommen werden.

SEA@WSH: Ovechkin bringt die Capitals 2:1 in Front

Der Start der New Jersey Devils war hingegen etwas durchwachsen, nachdem sich alle Spieler nach dem Verpassen der Playoffs viel vorgenommen hatten. Sie suchen bereits früh die Stetigkeit, den 0:6 im Home Opener gegen die New York Islanders und andererseits ein 7:1-Sieg gegen die New York Rangers könnten konträrer nicht sein. Es ist sehr früh, aber es ist, glaube ich, nicht der Start, den sie sich gewünscht haben. Sie haben die Klasse, aber ich habe es ein paar Mal erlebt, wie schwer es ist, wenn du in der Tabelle hinterherläufst.

Timo Meier hat wieder acht Spiele gebraucht, um sein erstes Saisontor zu erzielen. Mir gefällt nicht, dass seine Tore zu sehr im Fokus stehen und oft vergessen wird, welchen Wert er für das Team aufgrund seiner Art Eishockey zu spielen hat. Er schafft einfach viele Räume für seine Reihenkollegen wie Nico Hischier oder Jesper Bratt. Sicher hat er in San Jose schon mehrfach über 30 Tore erzielt, was er in New Jersey noch nicht geschafft hat, aber die Teams sind nicht zu vergleichen. Ich denke, er setzt sich selbst schon genug unter Druck. Seine Leistung sollte von außen nicht nur auf die Tore reduziert werden.

Auf Sky Sport: Meier trifft im Powerplay gegen Logan Thompson

Komisch fand ich, dass die Toronto Maple Leafs ihren Nummer-1-Pick Garvin McKenna im dritten Spiel lange auf der Bank versauern ließen. Das wiegt für so einen jungen Spieler in einem Standort wie Toronto, wo Eishockey massiv im Fokus der Öffentlichkeit steht und alles sieben Mal diskutiert wird, doppelt schwer. Wenn das in Utah passiert, geht das, aber in Toronto ist es schon heftig. Es zeigt aber auch, wie groß der Druck auf die Trainer und Verantwortlichen dort ist, endlich Ergebnisse zu zeigen.  

Einen Wahnsinnsstart hat Connor McDavid hingelegt. Der Junge ist wirklich mit seiner Beschleunigung und Geschwindigkeit eine Maschine. Es scheint mit Mike Babcock als Trainer zu funktionieren, obwohl es viele Stimmen gab, die diese Verpflichtung nicht begriffen haben. Ich war auch etwas skeptisch, da ich zwar nie unter ihm trainiert, aber doch einiges gehört habe. Die Gefahr bei solchen Dingen ist halt immer, dass sie zu viel eingesetzt werden und wenn es ab April, darauf ankommt, sind sie leer und durch. Da ist vor allem der Trainer gefordert, denn ein Spieler will immer viel spielen. Doch jeder Wechsel birgt die Gefahren von Verletzungen, vor allem, wenn es zu viel wird, steigt das Risiko noch.

EDM@LAK: McDavid lässt es in seinem 800. NHL-Spiel mit vier Scorerpunkten krachen

Für Nino Niederreiter ist es derzeit bei den Winnipeg Jets auch eine schwierige Situation. Erst war er nach zwei Spielen nicht plötzlich nicht mehr im Kader, dann kommt er wieder rein. Schade für ihn, denn er steht vor der unglaublich tollen Marke von 500 Punkten. Ein Wert, den man früher einem Schweizer Spieler in der NHL niemals zugetraut hätte. Es ist oft so, dass gerade kurz vor so einer Marke eine Flaute eintritt. Für sein Selbstvertrauen ist es derzeit schwierig, aber ich bin überzeugt, dass Nino uns nicht mehr lange auf die Folter spannen wird und es hinbekommt. Denn durch seine Art zu spielen, hat er für jede Mannschaft einen großen Wert.

Die Jets haben trotz der ganzen Nebengeräusche um Torhüter Connor Hellebuyck einen verhältnismäßig guten Start hingelegt. Ich finde es schwierig, nachdem er einen gut dotierten Vertrag hat, einen Wechsel einzufordern. Vertrag ist immer noch Vertrag. Es ist eine Unsitte und ich finde das nicht cool, denn es passt nicht zu unserer Sportart Eishockey.

Bis demnächst! Euer Mark

Mark Streit

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