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Leon Draisaitls Erfolg contra Team-Misserfolg

Der deutsche Stürmer der Oilers punktet weiter, wie das Team jetzt neuerdings auch, allerdings zu spät

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Jeden Donnerstag im Laufe der Saison 2017/18 widmet NHL.com/de einem deutschsprachigen Spieler einen speziellen Bericht. Dabei stellen wir sowohl junge Spieler, die sich einen Namen machen wollen, als auch etablierte Akteure und Teamleader ins Rampenlicht.

In dieser Ausgabe geht es um Leon Draisaitl (Edmonton Oilers).

Der 22-jährige Stürmer der Edmonton Oilers ist in dieser Saison wahrlich nicht zu beneiden. Während es für ihn persönlich sportlich gesehen wirklich gut läuft und er auf dem Weg ist, seine Bestleistung aus dem Vorjahr mindestens einzustellen, enttäuscht seine Mannschaft auf ganzer Linie und hat mittlerweile auch die letzte theoretische Chance für die Teilnahme an den Stanley Cup Playoffs 2018 eingebüßt.

Als im Vorjahr zum ersten Mal seit elf Jahren die Qualifikation wieder geschafft wurde und das junge Team um Connor McDavid und Leon Draisaitl nur knapp in der zweiten Runde gegen die Anaheim Ducks den Einzug in das Conference-Finale verpasste, dachten viele Fans, die Zeiten längerer Eishockey-Pausen im Frühjahr und Sommer vorerst hinter sich gelassen zu haben.

Doch gerade einmal 71 Punkte mit einer Bilanz von 33-36-5 in 74 Spielen sind zu wenig, um in Playoff-Regionen vordringen zu können. Besonders bitter ist die Tatsache, dass es mit 10-6-1 in den letzten 18 Spielen deutlich besser läuft und ein Schnitt erreicht wurde, der in der gesamten Saison zu 101 Punkten (so viel wie im vergangenen Jahr) und damit zum sicheren Playoff-Einzug geführt hätte.

Exemplarisch standen die Partien am Donnerstag bei den Ottawa Senators und am Dienstag bei den Carolina Hurricanes, als die Kanadier mit 6:2 bzw. 7:3 jeweils deutlich gewinnen konnten. Draisaitl selbst verbuchte dabei in Carolina durch ein Tor und drei Assists zum ersten Mal in dieser Saison und zum zweiten Mal in seiner Karriere vier Punkte in einem Spiel.

Video: EDM@CAR: Draisaitl findet mit Onetimer die Lücke

Besonders gut schien er mit seinen Reihenkollegen Drake Caggiula und Pontus Aberg, die ebenfalls trafen und zusammen auch vier Punkte markierten, zu harmonieren. Für den Deutschen war es bereits die 17. Partie mit mehr als einem Punkt in diesem Jahr.

"Es war gut zu sehen, dass verschiedene Jungs getroffen haben", legte Draisaitl den Fokus auf die Mannschaft und die sieben verschiedenen Torschützen. "Wir haben sehr gleichmäßig über alle vier Reihen verteilt gespielt. Wenn wir so auftreten, dann sind wir nur schwer zu schlagen. Wir hatten heute immer eine Antwort parat und deswegen haben wir auch gewonnen."

 

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Draisaitl steht damit bei 23 Toren und 43 Assists zu 66 Punkten. Viel bedeutender war allerdings, dass der Kölner im 260. NHL-Spiel seiner Karriere bereits seinen 200. Punkt erzielen konnte. Marco Sturm, Deutschlands Topscorer in der Geschichte der NHL, hat zum Vergleich 522 Spiele dafür benötigt, ehe er die Marke von 200 knacken konnte.

Apropos Sturm: Der deutsche Bundestrainer dürfte einer derjenigen sein, die sich darauf freuen, einen ausgeruhten Draisaitl zur Weltmeisterschaft im Mai in seiner Nationalmannschaft begrüßen zu können, wenngleich er ihm den Erfolg in die Playoffs einzuziehen, schon aus eigener Erfahrung gegönnt hätte.

Oilers-Trainer Todd McLellan kann trotz der verkorksten Saison nur Lobeshymnen auf Draisaitl anstimmen. "Er war das ganze Jahr für uns ein sehr guter Spieler", betonte er nach der Begegnung gegen Carolina. "Er ist in der Lage, offensiv und defensiv zu produzieren. Wir haben das heute in Unterzahl gesehen. Man vergisst, dass er am Anfang eine Zeit lang verletzt war und er ist hart zu sich selbst. Wenn du der Beste sein willst, dann muss das sicher so sein. Du musst dir aber gelegentlich auch selbst vergeben."

Vor den vier Punkten hatte Draisaitl in sechs Spielen nur zwei Zähler (1/1) verbucht. Darauf angesprochen, hatte er eine gute Antwort parat. "Top-6-Stürmer oder die anderen Top-Leute werden am Ende des Tages immer daran gemessen, was sie liefern", sagte er. "Nach der Saison schaut niemand mehr zurück auf das 46. Spiel und sagt, da war er schlecht. Also geht es darum zu liefern und zu leisten. Es werden immer Phasen dabei sein, wo es weniger gut läuft. Die sind hart, aber es gilt, sich möglichst schnell herauszuziehen und positiv zu bleiben. So ist es in dieser Liga, manchmal geht jeder Schuss rein und manchmal hast du das Pech am Schläger."

Es bleibt zu hoffen, dass Draisaitl das Scheibenglück in den letzten neun Spielen hold bleibt und er an seiner Bestmarke aus der Vorsaison kratzen kann. Gegen das eine oder andere Tor und die eine oder andere Vorlage im Dress der Nationalmannschaft bei der kommenden WM haben die deutschen Fans sicher auch nichts einzuwenden. Wie meistens hat alles seine zwei Seiten.

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