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NHL.com/de diskutiert über die Erfolgsgeheimnisse

Welche besonderen Stärken braucht ein Champion? Unsere Autoren haben das im Writers' Room diskutiert

von NHL.com/de @NHLde

Während der Saison 2019/20 wird das Team von NHL.com/de jeden Samstag in der Rubrik "Writers' Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Die besonderen Erfolgsgeheimnisse der Champions.

Es ist eine Frage, so alt wie der Mannschaftssport selber. Welche besonderen Eigenschaften muss ein Team eigentlich im Idealfall haben, wenn es sportlichen Erfolg haben will? 

Der Volksmund besagt, dass einem ein guter Sturm zwar die einzelnen Spiele gewinnt, aber eine stabile Defensive am Ende eine Meisterschaft zu erringen hilft. Aber ist es letztendlich wirklich so leicht auf einen allgemeingültigen Nenner zu kommen?

Ein Blick in die Sporthistorie zeigt, dass es für fast alle Stile und Schwerpunkte diverse Beispiele für Erfolg und Misserfolg gibt. Am Ende einer langen NHL-Saison, wenn Lord Stanley's Cup in die Höhe gestemmt wird, dann haben schon sehr unterschiedlich geprägte Kader einer Saison ihren Stempel aufgedrückt. Ähnliches gilt für die herausragenden Spieler einer Spielzeit.

So reicht die Liste der in die Geschichte eingegangenen Kader und Akteure von den mit einer traumhaften Offensive rund um Wayne Gretzky besetzten Edmonton Oilers der späten 1980er-Jahre, über die ebenfalls stark offensiv ausgerichteten New York Islanders der frühen 80er-Jahre von Mike Bossy, bis hin zu den vor allem defensivstarken Colorado Avalanche des frühen 21. Jahrhunderts. Diese wurden einst um die auf die Abwehrarbeit konzentrierten Schlüsselspieler wie den Abwehrstrategen Ray Bourque und Weltklasse-Torhüter Patrick Roy aufgebaut. Nachdem das Team aus Denver im Jahre 2000 noch kurz vor dem großen Ziel strauchelte, war der Stanley Cup 2001 der reiche Lohn für die Arbeit.

Weitere Beispiele für unterschiedliche Spielstile und Schwerpunkte in der Kaderplanung, die zum Erfolg führten, ließen sich an dieser Stelle leicht anfügen. 

Stellt sich also die grundsätzliche Frage: Was benötigt ein Team, das um den Titel mitspielen will? Eine besondere Heimstärke? Ein tolles Powerplay? Ist eine defensive oder eine offensive Ausrichtung erfolgversprechender? Die denkbaren Variablen und das Pro und Contra für ein meisterschaftsreifes Team sind vielfältig.

Unsere NHL.com/de-Autoren haben das in dieser Woche diskutiert: 

Robin Patzwaldt: Ich denke, dass es bei dieser Frage letztendlich auf die richtige Mischung ankommt. Das mag langweilig klingen, ist aus meiner Sicht aber das richtige Erfolgsrezept im Mannschaftssport. Meiner Beobachtung nach haben in der Vergangenheit häufig die Teams am Ende auf dem Spielfeld triumphiert, die einen Kader hatten, der in allen Bereichen ordentlich aufgestellt war und sich zudem durch einen guten Mannschaftsgeist ausgezeichnet hat. 

Ich denke, wir sind uns bestimmt weitestgehend darüber einig, dass sich im Sport längst nicht immer der bestbesetzte Kader durchsetzt. Schon gar nicht in einer so ausgeglichenen Liga wie der NHL. Bestes Beispiel dafür sind ja jüngst erst die St. Louis Blues gewesen, die sich im vergangenen Sommer gegen die Boston Bruins in einem engen Stanley Cup Finale mit 4:3 Siegen durchgesetzt haben. St. Louis verfügte über keine wirklich herausragenden Superstars, so dass sich zuvor relativ unbekannte Spieler wie Torhüter Jordan Binnington in den Playoffs rasch in den Mittepunkt spielen konnten. 

Nicht ganz außer Acht lassen sollte man bei diesem Thema aus meiner Sicht zudem die Trainer. Deren Rolle kann man bei der Formung eines Titelkandidaten gar nicht zu hoch einschätzen, denke ich. Auf deren Gespür und Geschick im menschlichen Miteinander kommt es sehr stark an.

Video: STL@BOS, Sp7: Binnington rettet gegen Nordstrom

Christian Rupp: Wie baut man ein Championship-Team? Dieser Frage gehen alle 31 GMs in der NHL Jahr für Jahr nach. Ich denke aber, dass nicht alles planbar ist. Um den Stanley Cup zu gewinnen, muss einfach alles passen: Die Qualität in der Spitze und die Tiefe im Kader auf der einen, aber auch viele psychische Dinge wie Form, Teamgeist und Stimmung auf der anderen Seite. 

Gerade für Letzteres ist St. Louis das perfekte Beispiel: Die Blues hatten eine eingespielte Mannschaft, die sich gut verstand, sie starteten eine Serie, festigten den Glauben an sich selbst und hatten mit dem Song "Gloria" und ihrer Glücksbringerin Laila weitere psychologische Anker, die in den Extremsituationen sicherlich geholfen haben. Konnte man so etwas planen? Nein! Eishockey lebt auch von Eigendynamiken - vor allem auf diesem Niveau.

Christian Treptow: Ein Patentrezept gibt es aus meiner Sicht nicht. Zu einem erfolgreichen Team gehören viele Faktoren. Natürlich muss es innerhalb der Mannschaft stimmen. Ohne Teamgeist gibt es keinen Titel. Wer sich in der Kabine zerfleischt, kann eigentlich schon einpacken. 

Ein Weltklasse-Torwart ist unerlässlich. Er muss auch mal die sogenannten Unhaltbaren halten und seinem Team in jeder Partie die Gelegenheit geben, zu gewinnen. Eine stabile Abwehr davor hilft ihm. Und wenn der Angriff dann noch in den entscheidenden Momenten Tore beisteuern und für Entlastung sorgen kann - umso besser. 

Dazu kommen dann noch die Faktoren, die man nicht beeinflussen kann und die ein Team pushen können. Als die Colorado Avalanche 2001 für Ray Bourque den Titel gewinnen wollte, ist so ein Beispiel. 

Dass der Heimvorteil nicht immer ein Vorteil ist, haben in der vergangenen Saison die St. Louis Blues gezeigt. Und auch der Trainer ist gefragt, in der richtigen Situation die richtigen Spieler aufs Eis zu schicken. Er muss Mismatches kreieren. Und da hat der Trainer des Heimteams dann doch den Vorteil. Er hat den letzten Wechsel. Für mich ein entscheidender Faktor sind die Reihen drei und vier. 

In den ersten beiden Reihen sind alle NHL-Teams stark besetzt. Die Spieler dahinter sind gefordert, in den Playoffs den Unterschied zu machen. Die Erfolgsformel ist also eine komplizierte. Am Ende müssen alle diese Rädchen ineinandergreifen. Beim wem das am besten klappt, werden wir im Frühsommer sehen.

Stefan Herget: Für mich ist in erster Linie die Tiefe des Kaders und die charakterliche Zusammensetzung des Kaders ein Grund. Außerdem muss im Team die Hierarchie stimmen und Führungsspieler auch als solche akzeptiert werden. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen.

Aber bei aller Diskussion spielt auch immer das Glück in den entscheidenden Momenten eine Rolle. Ich denke daran, dass die Bruins in Spiel 7 vom Stanley Cup Finale des Vorjahres das erste Drittel nahezu komplett dominierten und zahlreiche Chancen ausließen, ehe die Blues mit 1:0 in Führung gingen und dann besser ins Spiel kamen. Ihr Sieg war sicher nicht unverdient, aber wenn Boston in dieser Anfangsphase drei Tore gemacht hätte, was sicherlich möglich war, dann wäre das Märchen von St. Louis kaum eingetreten. So dicht liegen eben Erfolg und Misserfolg trotz aller Kaderplanung und anderen Umständen beisammen und sind nicht planbar.

Robin Patzwaldt: Ich sehe schon, dass wir uns weitestgehend einig sind. Ein Patentrezept für den Erfolg gibt es nicht. Es kommt auf den Einzelfall an und auf die richtige 'Chemie' im Team. Einzelne, herausragende Komponenten sind sicherlich hilfreich, doch am Ende macht es wohl fast immer die richtige Mischung aus. 

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