In der Serie „Euro Front Office” spricht NHL.com/de mit ehemaligen NHL-Profis aus Europa über ihre Karriere nach der Karriere.
In dieser Ausgabe: Olaf Kölzig (Development Coach Washington Capitals)
Olaf Kölzig war der erste deutsche Torwart in der NHL. Der heute 56-Jährige wurde als Sohn deutscher Eltern in Südafrika geboren und wuchs in Kanada auf, wo er mit dem Eishockey-Sport in Kontakt kam. Im NHL Draft 1989 wählten ihn die Washington Capitals in der 1. Runde an 19. Stelle aus. Zwischen 1992/93 und 2008/09 absolvierte der 1,90 Meter große Linksfänger 719 NHL-Spiele - 711 davon für Washington sowie weitere acht bei seiner letzten Station, dem Tampa Bay Lightning. Kölzig wurde unter dem Spitznamen „Olie the Goalie“ zu einer Torhüter-Legende und vertrat Deutschland bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Bis heute ist der den Capitals als Development Coach erhalten geblieben...
Servus Olie! Du bist gerade in Zürich gelandet. Was führt dich in die Schweiz?
Wir haben dort ein Torwart-Talent: Antoine Keller haben wir 2023 gedraftet, er hat letztes Jahr schon in der ECHL gespielt, musste aus familiären Gründen aber zurückkehren. Jetzt spielt er bei Ajoie in der NL. Wir behalten ihn im Auge - vielleicht kommt er nächstes Jahr zurück nach Nordamerika und wir versuchen es noch einmal.
Du bist immer noch ein Development Coach bei den Washington Capitals. Welche Erfahrungen hast du mit der verkürzen Vorbereitung in diesem Jahr gemacht?
Es war seltsam. Als ich in den frühen 90er Jahren selbst noch gespielt habe, da hatten wir Training Camps, die sich über Monate erstreckt haben. Jetzt wurde es auf drei Wochen gekürzt. Es war einzigartig. Die Spieler haben aber einen guten Job gemacht und sind in einer guten Verfassung hier angekommen. Aus Sicht eines Development Coaches war das Problem, dass wir Talente evaluieren und sie in Vorbereitungsspielen sehen wollen. Leider hatten wir wenig Zeit und Spiele dafür. Nur eine Handvoll Spieler haben vielleicht ein Testspiel bekommen. Ich kann aber verstehen, warum die Liga das gemacht hat, denn Spieler kommen topfit ins Camp, der Spielplan wurde auf 84 Spiele erhöht, also musste sie woanders einsparen.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag von dir aus?
Eigentlich untypisch im Vergleich zu anderen Development Coaches, die auf dem Eis viele Fähigkeiten trainieren, kümmere ich mich auch neben dem Eis um die Talente. Wir machen Video-Analysen, gehen mit ihnen Mittagessen. Mein Job ist es, die Jungs ans Profi-Eishockey zu gewöhnen. Viele von ihnen kommen aus Europa. Das Leben als Profi ist in Nordamerika aber anders. Viele von ihnen wohnen erstmals alleine, müssen Rechnungen bezahlen und sich um ihre Wohnung kümmern. Ich helfe ihnen mit diesen Dingen umzugehen, sodass sie stressfrei aufs Eis gehen können. Wir beurteilen Spieler, sodass unser Management ein Gespür dafür bekommt, wo in ihrer Entwicklung sie sich befinden. Wenn ich nicht in Hershey bin, dann fliege ich umher und schaue mir unsere Talente an. Ich beobachte sie und baue eine Beziehung zu ihnen auf.
Wer ist das nächste Top-Talent in der Pipeline der Capitals?
Wir haben ein paar. Lynden Lakovic ist ein Stürmer, den wir von Moose Jaw gedraftet haben. Er ist ein kräftiger Spieler mit einem guten Schuss. Vielleicht ist er unser bestes Pferd im Stall. Aber wir haben viele andere: Andrew Cristall ist ein sehr intelligenter Hockey-Spieler, der viele Punkte erzielt, aber noch an seinem Skating arbeiten muss. Terik Parascak war ein Firstround-Pick. Ryan Chesley, Cam Allen, David Gucciardi und Leon Muggli sind gute Verteidiger. Wir haben viele gute Spieler, was nicht normal für die Hershey Bears ist, denn sie haben hohe Erwartungen zu gewinnen, auch von Seiten der Fans. Für das Management ist es also ein schmaler Grat zwischen Entwicklung und Erfolg. Nicht ohne Grund holen wir uns immer die besten verfügbaren Free Agents. Jetzt haben wir viele Talente, wir wollen aber trotzdem gewinnen. Jeder hat verstanden, dass dir diese jungen Spieler auch dabei helfen können, Erfolg zu haben.
Wie siehst du die Entwicklung des Schweizers Leon Muggli?
Er entwickelt sich großartig. Er ist ein typischer Schweizer Spieler, nicht zu emotional, unbekümmert, mit einem guten Hockey-Sinn, ein guter Skater. Er hat in seinem ersten AHL-Spiel in dieser Saison direkt ein Tor geschossen. Sein größtes Problem ist, dass wir sehr viele gute Verteidiger haben. Somit müssen immer wieder Jungs draußen sitzen. Er muss also geduldig bleiben, bis der Spielplan enger wird oder wir bei gewissen Spielern Entscheidungen fällen. Er hat gezeigt, dass er ein gutes Talent ist.























