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Das zweite Gesicht von Capitals Tom Wilson

Washingtons Stürmer hat den Ruf als Raufbold abgelegt und schießt sein Team an die Spitze

von Bernd Rösch @nhlde / NHL.com/de Chefautor

Wer weiß, wo die Washington Capitals im Klassement stehen würden, hätte am 13. November der neutrale Schlichter Shyam Das nicht die von der NHL am 3. Oktober gegen Tom Wilson verhängte Strafe von 20 Spielen auf 14 reduziert? Wilson hatte dadurch seine Sperre vorzeitig abgebüßt und stand den Capitals in der Auswärtspartie bei den Minnesota Wild erstmals zur Verfügung. 

Nach den ersten 16 Saisonauftritten ohne ihren gesperrten Stürmer, belegten die Capitals mit einer Bilanz von 7-6-3 und 17 Punkten den vorletzten Platz in der Metropolitan Division. Sie lagen außerhalb der Ränge, die zur Qualifikation für die Stanley Cup Playoffs berechtigen. Und nun? Nach den folgenden acht Spielen mit Wilson im Kader führen sie, einem amtierenden Stanley Cup Champion würdig, ihre Gruppe als Tabellenerster an.

 

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Es hat den Anschein, als möchte der 24-Jährige Rechtsaußen mit aller Macht Wiedergutmachung für den Bärendienst betreiben, den er seinen Kollegen im letzten Saison-Vorbereitungsspiel am 30. September geleistet hatte, als er mit einem Check zum Kopf St. Louis Blues Oskar Sundqvist niederstreckte.

Der in der Vergangenheit schon öfters als 'böser Bube' in Erscheinung getretene Wilson ist geläutert und zeigt zum Wohlwollen der Capitals in deren ersten Angriffsformation sein zweites Gesicht, nämlich das eines torgefährlichen Stürmers.

Mit sechs Toren und sechs Assists in seinen acht Saisonpartien seit Mitte November, führt er die teaminterne Scorerwertung der Capitals in dieser Zeitspanne an, deutlich vor seinen Reihenkollegen Alex Ovechkin (6 Tore, 3 Assists) und Nicklas Backstrom (2 Tore, 7 Assists). Die Capitals kassierten dabei nur eine Niederlage (7-1-0). Sie unterlagen am 14. November bei den Winnipeg Jets mit 1:3. Es sollte die einzige Partie bleiben, in der Wilson nicht punktete.

Video: CHI@WSH: Wilson tippt Ovechkins schönen Pass rein

Wilson heimste sich in den 391 Partien seiner ersten fünf NHL-Spielzeiten von 2013/14 bis 2017/18 mit 806 Strafminuten die meisten aller NHL-Spieler ein. Den Ruf, Strafbankkönig der Liga zu sein, ist er zunächst mal los. Es bereitet deutlich mehr Spaß, den Jubel der Fans mitzubekommen, weil man an einem Tor des eigenen Teams beteiligt war und nicht an einer Boxeinlage.

Selbstverständlich profitiert der ehemalige Haudegen von seinen genialen Sturmkollegen Ovechkin und Backstrom, doch er beweist täglich, dass er mit den sich ihnen bietenden Torchancen perfekt umzugehen weiß.

Am Montag, beim Aufeinandertreffen mit den New York Islanders im Barclays Center, gab es für Wilson ein erstes Wiedersehen mit seinem ehemaligen Trainer Barry Trotz, der nach der Meisterschaft im Frühsommer das Amt hinter der Bande der Islanders übernommen hat. 

 

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Wilsons Gastgeschenke waren von der ganz besonderen Art - zwei Tore und ein Assist. Am Ende durften sich die Gäste aus der US-Hauptstadt mit 4:1-Toren über ihren sechsten Sieg in Folge freuen. Trotz dürfte auch Wilson gemeint haben, als er anschließend darüber sprach, dass er viele Spieler der gegnerischen Seite hat aufwachsen sehen und weiß, dass diese in der Lage sind, eiskalt ihre Torchancen zu nutzen.

Zum Leidwesen des deutschen Schlussmanns Thomas Greiss, zeigte Washingtons Doppeltorschütze, der beim 1:1-Ausgleich an der blauen Linie der Islanders lang angespielt wurde, Tempo, viel Zug zum Tor und das Selbstbewusstsein eines Torjägers, um das Spielgerät aus relativ spitzem Winkel zu versenken.

Auch bei Überzahl vertrauen die Capitals immer häufiger ihrem neuen Goalgetter, der sich gut 5 1/2 Minuten vor Spielende mit dem Treffer zur 3:1-Führung bedankte. Bei einem Powerplay verloren ihn die Islanders im Slot aus den Augen. Er wusste den Freiraum zu nutzen und fackelte nicht lange.

Video: WSH@MIN: Wilson trifft bei seinem Saisondebüt

Doch damit nicht genug: Wilson beteiligte sich am Empty Netter seines russischen Teamkapitäns als Vorbereiter und krönte seine klasse Vorstellung mit dem vierten Drei-Punkte-Spiel (1x 4 Punkte, 3x 3 Punkte) in seiner 399. NHL-Partie.

Wird sich Wilson in seinem Jubiläums-Match am Freitag in der heimischen Capitals One Arena gegen die New Jersey Devils noch einmal steigern können? Zuzutrauen ist es ihm in dieser für ihn außergewöhnlichen Saison, die für ihn enttäuschend, mit dem Zuschauen auf der Tribüne, begann.

Vorgenommen hat es sich Wilson, der immer noch Luft nach oben sieht, wie er nach dem Spiel in Brooklyn Wissen ließ: "Wir machen gerade einiges richtig gut. Was das Engagement und das Bemühen betrifft, sind wir auf der gleichen Wellenlänge. Manchmal gibt es strukturell noch etwas zu verbessern, was das Zusammenspiel betrifft. Doch das ist in Ordnung. Das ist etwas, woran man arbeiten kann. Aber unser Engagement und unsere Leistung sind im Moment auf dem gleichen Niveau, und dann hat man Erfolg."

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