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Wir haben keine Chance, lasst sie uns nutzen

Sollten sich die Capitals auf einen Schlagabtausch einlassen, dürfte es den Maple Leafs recht sein

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Bei keiner der acht Erstrundenserien in den Stanley Cup Playoffs 2017 scheint der Sieger schon im Vorfeld so eindeutig festzustehen, wie beim Aufeinandertreffen der Washington Capitals, die als Presidents' Trophy Gewinner in die Playoffs einzogen, und den Toronto Maple Leafs, für die schon das Erreichen der Postseason eine Riesenüberraschung war.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag werden sich im Verizon Center der US-Hauptstadt die Konkurrenten zum ersten Mal in den Playoffs begegnen. Wenn dann die Capitals, als Team mit der drittbesten Offensive in der NHL, gegen jenes antritt, das in der regulären Saison die fünftmeisten Tore erzielen konnte, dann sollte doch ein Offensivfeuerwerk zu erwarten sein?

Eine beiderseits offensiv geführte Partie wäre die Crux des Favoriten bei seinem Vorhaben, zum ersten Mal in seiner Franchisegeschichte den Stanley Cup zu gewinnen! Die Capitals sind sportlich in allen Belangen ihrem Erstrundengegner überlegen, doch im Angriff nehmen sie sich eben nicht so viel, wie in den anderen Mannschaftsteilen. Im Überzahlspiel weist Babcocks Mannschaft (23,8 Prozent) sogar eine marginal bessere Erfolgsquote als die Capitals (23,1 Prozent) aus.

Sollten sich Ovechkin & Co. auf einen offenen Schlagabtausch mit dem Außenseiter einlassen, dürfte das den Maple Leafs ganz recht kommen. Ein Auston Matthews, ein William Nylander, ein Mitchell Marner, aber auch ein Connor Brown oder Kasperi Kapanen, der seit Ende März in der vierten Reihe zu acht Einsätzen kam, können ein enormes Tempo gehen. Wenn man ihnen nicht den Freiraum nimmt, dann sind sie kaum noch aufzuhalten, und die drei erstgenannten Rookies haben ihre Treffsicherheit schon ausreichend unter Beweis gestellt. Zusammen brachten sie es in dieser Saison auf 81 Tore. Sollten Torontos Jungspunde mehrmals aus aussichtsreichen Positionen zum Abschluss kommen, dann dürfte sich auch Washingtons Schlussmann Braden Holtby, der ohne Frage zu den Besten seines Fachs zählt, ein ums andere Mal geschlagen geben müssen - Holtby kassierte in den zwei Saisonpartien gegen Toronto am 26. November und am 3. Januar sieben Gegentore.

Video: TOR@BUF: Matthews bricht zwei Rekorde

Torontos Cheftrainer Mike Babcock baut auf den jugendlichen Enthusiasmus seines Teams. "Natürlich spricht die Playofferfahrung für den Gegner, doch ich mag unsere Begeisterungsfähigkeit. Mir gefällt es, dass wir ein Spiel schnell gestalten können. Wir müssen schnell spielen und das Richtige machen. Wir werden uns gut vorbereiten, um in Washington zu gewinnen", gab am Dienstag Babcock gegenüber NHL.com die Marschroute vor.

Auf den Capitals lastet angesichts ihrer Playoffvergangenheit - elfmal zogen sie seit dem Jahr 2000 in die Playoffs ein und scheiterten spätestens in der zweiten Runde - ein enormer Druck, doch sollten sie die Ruhe bewahren, ihr auf Puckbesitz ausgerichtetes Spiel, das sie in der regulären Saison so stark gemacht hat, durchziehen, häufige Puckverluste vermeiden und die Räume eng machen, dann werden sie auch ihrer Favoritenrolle gerecht werden können.

Barry Trotz ist sich sicher: "Wir werden schon darauf aufpassen, dass wir den jungen Maple Leafs nicht in die Hände spielen."

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