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Dallas Eakins wurde in Dade City im US-Bundesstaat Florida geboren und arbeitete über Jahre in verschiedenen Funktionen in der NHL, AHL und DEL. So diente er bei den Toronto Marlies als Assistenz- und Cheftrainer, bei den Toronto Maple Leafs als Direktor für Spielerentwicklung und Assistant Coach, bei den Edmonton Oilers als Headcoach, sowie bei den San Diego Gulls und Anaheim Ducks jeweils als Cheftrainer. In der Saison 2023/24 wechselte er zu den Adlern Mannheim und agiert dort seitdem in einer Doppelfunktion als Trainer und Sportdirektor.

Im Rahmen der „International Ice Exclusive“-Serie sprach NHL.com/de in einem Interview mit Eakins über die Vorzüge einer langen Vorbereitung, den Unterschied zwischen einem Trainerjob in der NHL und der AHL sowie das deutsche Top-Talent Max Calce.

Servus Dallas! Du kennst den Trainerjob in der NHL und in der DEL, wo siehst Du die größten Unterschiede?

Wenn es nur um den Trainer-Job geht, dann ist er in der NHL ein absoluter Marathon. Es geht schon im Training Camp los. Als Trainer hast du buchstäblich keinen Tag frei. Du wachst in Hotelzimmern auf und weißt gar nicht, in welcher Stadt du gerade bist. Bei einem Spielplan mit mittlerweile 84 Spielen bist du so oft von zu Hause weg. Es ist ein Marathon. Hier in der DEL ist es mehr eine Wochenend-Liga mit Spielen am Freitag und Sonntag, manchmal auch mit einer Partie unter der Woche. Wir spielen in dieser Saison in der Champions Hockey League was ich wirklich genieße. Es ist großartig für unsere Spieler, diese Erfahrung machen zu dürfen. Diese Extra-Spiele helfen uns dabei, konzentriert zu bleiben. Der Arbeitsaufwand ist also der größte Unterschied, würde ich sagen.

Anders als in der NHL gibt es in der DEL eine lange Vorbereitung mit vielen Testspielen. Sollte die DEL dem Beispiel der NHL folgen und eine kürzere Pre-Season fahren?

Mir persönlich gefällt ein langes Training Camp. Ihr könnt mir glauben, ich lebe immer noch in Nordamerika, da wäre eine zusätzliche Woche bei der Familie schön, aber ich genieße die lange Vorbereitung. Es hilft dabei, Schwung aufzunehmen und sich um alle Bereiche zu kümmern. Du kannst eine Mannschaft formen, denn es gibt so viele Möglichkeiten sich um die Kultur innerhalb der Kabine oder bei uns im Trainerstab zu kümmern. Wenn man die Spieler fragt, wären sie wohl dafür, es um eine Woche abzukürzen, was auch möglich wäre. Was ich interessant in der NHL finde, ist, dass so früh schon so viele Verletzungen passiert sind. Ich glaube, dass das viel mit dem kürzeren Training Camp zu tun hat. Sie müssen da wohl noch die richtige Balance finden.

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Aufgrund der kurzen Vorbereitung würdest Du gerade nicht mit einem NHL-Trainer tauschen wollen?

Also wenn du als Trainer ein neues Team übernimmst, dann bringt dich das ganz schön in die Klemme. Normalerweise willst du ein neues System einstudieren, dich mit deinem Trainerstab eingewöhnen und deine Spieler kennenlernen. Dafür gibt es kaum noch Zeit. Wenn man sich nur mal die erfolgreichsten Mannschaften in der regulären Saison in den letzten acht Jahren anschaut, dann sind das Carolina, Colorado und Tampa. Das interessante an diesen drei Teams ist, dass es dort kaum Veränderungen gab. Weder im Management noch bei den Trainern. Hier ist die kurze Vorbereitung etwas anderes, denn du musst nicht viel ändern. Ihnen dürfte das kurze Training Camp sogar helfen.

Im Trainerstab der Adler Mannheim befindet sich mit Marcel Goc ein ehemaliger NHL-Profi. Was hast du an ihm als aktiver Spieler geschätzt und was zeichnet ihn als Co-Trainer aus?

Bevor ich über „Gocy“ rede, muss ich erwähnen, dass auch Curt Fraser lange in der NHL gespielt und trainiert hat. Der Grund, warum es „Gocy“ in die NHL geschafft hat und sich dort so lange etablieren konnte, ist seine Arbeitseinstellung. Dieser Junge ist ein Arbeitstier! Er hat aber auch großen Wert auf die Details gelegt. Als Trainer ist eine enorme Bereicherung für uns und für mich ganz persönlich. Er hat in unserer Organisation viele verschiedene Aufgaben und verfolgt unser Jungadler-Programm mit großer Leidenschaft. Marcel Goc sind keine Grenzen gesetzt. Er bringt alles mit, um hier eines Tages ein Cheftrainer oder ein Manager zu sein. Seine Zeit wird auch in der NHL kommen - egal ob als Headcoach oder als Assistant Coach.

Wir müssen über Max Calce reden, der im Alter von 17 Jahren in Mannheim für Furore sorgt. Hat er das Zeug, in der 1. Runde des NHL Draft 2026 ausgewählt zu werden?

Ich weiß, dass er so eingeschätzt wird, trotzdem ist es schwer für mich, das vorauszusagen. Ich kann Max mit niemanden vergleichen. Egal, wann er gedraftet wird, er verfügt über alle erforderlichen Fähigkeiten, die richtige Einstellung und die Widerstandsfähigkeit, um in der NHL zu spielen. Er achtet auf die Details, versteht das Spiel ohne den Puck, er kann skaten und Spielzüge gestalten. Das Lustige bei diesem Thema ist, dass ich keinen jungen Spieler kenne, der so gut trainiert wird wie er - und damit meine ich nicht mich oder „Gocy“. Es ist großartig zu sehen, wie sich unsere erfahrenen Spieler mit diesen Jungen im Training kümmern. Spieler wie (Luke) Esposito, (Kristian) Reichel und (Patrick) Brown arbeiten mit ihm an Faceoffs. (Matthias) Plachta nimmt ihn zur Seite und zeigt ihm, wie er an der Bande den Puck verarbeiten kann. Wir haben ein Duzend Jungs, die ihn jeden Tag trainieren - und wir haben sie nie darum gebeten. Das ist alles von selbst passiert. Sie haben ihn als ihren kleinen Bruder adoptiert. Ich weiß nicht, ob es einen Spieler in seinem Alter gibt, der eine ganze Mannschaft hinter sich weiß, die ihm dabei hilft, früh gedraftet zu werden.

Als Sportdirektor kümmerst Du dich auch ums Scouting. Wie sehr hilft Dir dabei deine NHL-Erfahrung?

Was ich in der NHL gelernt habe, ist, dass es sehr viel mehr braucht, um eine Mannschaft zusammenzustellen, als Spieler, die wissen, wie man skatet, passt oder schießt. Persönliche Gespräche sind sehr wichtig. Ich versuche deshalb, alles zu unternehmen, egal ob ich dafür fliegen oder fahren muss, um mich persönlich mit einem Spieler zu treffen. Wir suchen nach bestimmten Persönlichkeiten für unser Team und haben schon auf Jungs verzichtet, die vielleicht mehr Tore geschossen, aber nicht in unsere Kabine gepasst hätten. Meine Erfahrung als Chef- und Assistenztrainer sowie als Direktor für Spielerentwicklung in Nordamerika haben mich gut auf meine Rolle hier vorbereitet. Was mir aber hilft, beide Funktionen auszufüllen, ist das Team hinter mir mit Marcel Goc, Curt Fraser oder Petri Vehanen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Anaheim Ducks hatten einen ereignisreichen Sommer. Wie siehst Du die Situation bei deinem Ex-Klub?

Ich glaube, sie bewegen sich in die richtige Richtung. Ich bin immer noch ein großer Fan von ihnen. Es sind noch ein paar Spieler dabei, die ich selbst noch gecoacht habe. Ich habe noch eine großartige Beziehung mit der Samueli-Familie (Susan und Henry Samueli sind die Eigner der Anaheim Ducks), sie sind so inspirierend. Was aus meiner Sicht interessant ist: Als ich von den Ducks zu den Adlern Mannheim gewechselt bin, gab es unglaubliche Parallelen zu den Eignern. Beide Familien, die Hopps und Samuelis, geben so viel an die Gemeinschaft zurück und sind Führungsfiguren in der Gesellschaft. Sie wollen gewinnen, aber sie haben große Herzen. Ich verfolge die Ducks weiterhin intensiv und freue mich sehr darauf, wie sich das Team, aber auch die Organisation entwickelt. Sie bauen ein komplettes Unterhaltungsviertel neben die Arena, das sich „OCVIBE“ nennt. Es wird ein fantastischer Ort in Südkalifornien sein, um Spaß zu haben - auch abseits des Eishockeys.

Im Sommer gab es Gerüchte, dass Dich die Toronto Maple Leafs für die Stelle als neuer Headcoach in Betracht ziehen, was sicherlich eine große Ehre war…

Es ist großartig, dass sich der Kreis fast geschlossen hätte: Meine erste Station als Trainer im Profi-Eishockey war der des Assistant Coach bei den Toronto Marlies unter Paul Maurice, der bis heute ein enger Freund von mir ist. Hier habe ich meine ersten Erfahrungen gesammelt. Ich habe acht Jahre dort verbracht, war Co-Trainer in der AHL und NHL, war der Direktor für Spielerentwicklung und der Head Coach in der American Hockey League. Ich kenne also den Markt und das Team sehr gut. Immer, wenn dich so ein Klub zu einem Vorstellungsgespräch einlädt, ist das eine riesige Ehre.

Wer ist Dein Tipp für den Gewinn des Stanley Cup 2026 und welches Team könnte alle überraschen?

Es ist schwer, eine Mannschaft rauszupicken. Ich bin aber ein großer Fan vom Spiel der Florida Panthers. Sie können dich nicht nur auf dem Eis schlagen, sondern wohl auch, wenn du dich mit ihnen in einer Hintergasse treffen wollen würdest. Ich kenne auch die Organisation der Carolina Hurricanes sehr gut. Mir gefällt auch, wie sie spielen. Das eine Team, das vielleicht ein wenig unter dem Radar fliegt und viele überraschen könnte, ist das aus Utah. Sie bewegen sich in einem neuen Markt ganz still unterhalb des Radars und sind bereit, ganz große Schritte zu gehen.

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