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Wenn Stürmer gegen Verteidiger getauscht werden

In der NHL sind Wechsel dieser Art selten, bei diesen Gelegenheiten werden häufig kurzfristige Lücken gefüllt

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Nachdem am Donnerstag bekannt wurde, dass die Anaheim Ducks Center Adam Henrique, Stürmer Joe Blandisi und ein Zugrecht in der dritten Runde beim NHL Draft 2018 gegen Verteidiger Sami Vatanen und einem zukünftigen Drittrunden-Draftpick mit den New Jersey Devils getauscht haben, da wird in der Eishockeywelt einmal mehr darüber spekuliert, welches Team denn eigentlich der Sieger dieses ungewöhnlichen Deals ist.

Verteidiger Vatanen dürfte nach seinem durchaus guten Start in diese Runde einen direkten Einfluss auf die nach Verstärkung lechzende Verteidigung der Devils haben. Der 26-Jährige hat in seinen bisher 15 Saisoneinsätzen vier Zähler auf dem Konto. Nachdem Mirco Mueller noch immer auf der Verletztenliste des Teams steht, ist jede Hilfe im Defensivverbund willkommen.

Um diese dringend benötigte Hilfe zu erhalten, da mussten die Jungs aus New Jersey die Stürmer Henrique und Blandisi abgeben. Auch wenn gerade Henrique seit dem Jahre 2011 ein wichtiger Bestandteil des Teams war, so ist er in Zeiten eines Nico Hischier in der Top-Reihe und der Rückkehr eines Travis Zajac nach Verletzung doch entbehrlich gewesen.

Anaheim im Gegenzug brauchte aktuell sehr dringen Spielertypen wie diese beiden, nachdem der Kader gerade in diesem Bereich dünn aufgestellt ist, nachdem etliche Spieler verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen. So fehlen derzeit zum Beispiel die Top-Center Ryan Getzlaf und Ryan Kesler. Henrique kann hier zweifelsohne sofort aushelfen.

Auch ein Blandisi ist durchaus auf Anhieb eine weitere Option in diesem Bereich. Im Abwehrbereich hingegen können die Ducks zukünftig verstärkt auf Korbinian Holzer setzen, der aktuell erst zehn Saisoneinsätze erhalten hat, dabei punktlos blieb, aber sicherlich durchaus das Zeug zu mehr hat.

Beide Teams profitieren also offensichtlich von der Transaktion. Und das sofort, nicht erst auf lange Sicht.

Ähnliche Aktionen, wo Offensiv- gegen Defensivspezialisten direkt getauscht werden, die sind in der NHL jedoch relativ selten. Stets fällt es hierbei dann schwer Gewinner und Verlierer dieser Transaktionen klar zu benennen. Zu unterschiedlich sind die drängenden Bedürfnisse der Beteiligten.

Werfen wir hier heute einmal einen Blick auf vergleichbare Deals der letzten Zeit.

In Erinnerung sind seit 2015 vor allem die vier namhaften Tauschgeschäfte der Spieler Seth Jones (2017/18 25 Einsätze, dabei bisher3 Tore, 9 Assists, 12 Punkte) für Ryan Johansen (2017/18, in Nashville, 25 Spiele, 3 Tore, 14 Assists, 17 Punkte), Taylor Hall (2017/18 bisher 24 Spiele, 8 Tore, 18 Assists, 26 Punkte für New Jersey) für Adam Larsson (2017/18, bisher 25 Spiele, 3 Tore, 1 Assist, 4 Punkte für Edmonton), Mikhail Sergachev (2017/18 in Tampa 25 Einsätze, 6 Tore -11 Assists -17 Punkte) für Jonathan Drouin (2017/18, 25 Spiele, 5 Tore, 12 Assists, 17 Punkte für Montreal) und Evander Kane (2017/18, 25 Spiele, 12 Tore, 11 Assists, 23 Punkte für Buffalo) gegen Tyler Myers (Spielzeit 2017/18, 25 Spiele, 3 Tore, 8 Assists, 11 Punkte für Winnipeg)
Im Januar 2016 schockten beispielsweise die Columbus Blue Jackets und die Nashville Predators die Fans beider Lager ähnlich wie gestern die Ducks und die Devils, als sie zwei schwer miteinander vergleichbare Hochkaräter tauschten. Johnson wurde nach Nashville geschickt, Jones zog es im Gegenzug seinerzeit nach Columbus.

Auch damals schon wurde verwundert darüber diskutiert, dass solche Tauschgeschäfte von zwei unterschiedlichen Spielertypen relativ selten seien. Damals schon versuchten beide Franchises in erster Linie auf aktuelle Schwachpunkte im Kader zu reagieren.

Jones war zwei Jahre jünger, was seinerzeit als positiv gewertet wurde. Hier schien noch mehr sportliche Entwicklung zu erwarten zu sein. Beide Teams nahmen seit dem Geschäft eine durchaus positive Entwicklung, konnten zuletzt deutlich positiv von sich reden machen.

Im Januar 2017 wechselten im Schatten des Deals der Nummer Eins Verteidiger P.K. Subban und Shea Weber zwischen den Nashville Predators und den Montreal Canadiens auch Hall und Larsson zwischen den Devils und den Oilers hin und her. Bereits damals wunderten sich Fans wie Experten schon über die diversen Unterschiedlichkeiten der beiden Aktiven, welche da miteinander getauscht wurden.

Der damals 24-jährige Hall war die Nummer Drei der Left-Winger in der Liga, wenn es um Punkte pro Spiel ging, berücksichtigte man die Zahlen seit Beginn der Spielzeit 2013/14. Nur Jamie Benn und Alex Ovechkin lagen besser.

Getauscht wurde er damals gegen einen 23-jährigen Defensivspieler. Larssons Wert für ein Team kam da doch wesentlich subtiler daher. In den Statistiken war dieser nicht so deutlich abzulesen. Doch seine körperbetonte Spielweise war damals in seinem neuen Team tatsächlich sehr willkommen.

Im zurückliegenden Sommer erst wurde das Verteidiger-Talent Sergachev von den Canadiens gegen Stürmer Drouin getauscht. Die 'Habs' holten sich einen explosiven Offensivspieler, nachdem dieser in Tampa Bay bei den dortigen Lightning zuvor nicht mehr wirklich gut zurecht kam.

Video: OTT@MTL: Drouin verwandelt einen Penalty

In der Spielzeit 2015/16 weigerte er sich sogar sich beim AHL-Team, den Syracuse Crunch zu melden. Für Drouin gab es also den dringend gewünschten Neuanfang im frankokanadischen Umfeld, für das 19-jährige Abwehr-Talent die Chance auf den Wechsel zu einem ambitionierten Team mit Stanley-Cup-Ambitionen.

Bereits im Jahre 2015 tauschen die Jets und die Sabres die Aktiven Kane und Myers. Auch hier kann selbst ein interessierter Beobachter nach inzwischen zwei Jahren noch keinen wirklichen Sieger benennen. In diesem Fall sind die Positionen der Spieler und die grundsätzliche Entwicklung der Teams ebenfalls zu unterschiedlich, um wirklich eine fundierte Aussage über Gewinner und Verlierer der Transaktion treffen zu können.

Grundsätzlich sieht es für Winnipeg seit der Hinzunahme von Patrik Laine, als Nummer Zwei-Draft des Jahres 2016, nun selbstredend deutlich positiver aus. Die Sabres hingegen haben es bisher nicht wirklich geschafft ihre vielen Punkte, die auf eine Verbesserung warten, zu reduzieren. Trotz der Transferaktivitäten der letzten Jahre.

In der schnelllebigen NHL kann sich das jedoch erfahrungsgemäß immer ganz schnell ändern. Vor diesem Hintergrund wird es auch in Zukunft vermutlich schwer sein aus dem Trade dieser Woche am Ende einen klaren Sieger herauszufiltern. Beide Teams sind aktuell zufrieden mit dem Deal. Das ist wohl entscheidend dabei.

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