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Timo Meier geht dem Gegner unter die Haut

Der Schweizer Power Forward liebt die dreckigen Tore

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Jeden Donnerstag im Laufe der Saison 2017/18 widmet NHL.com/de einem deutschsprachigen Spieler einen speziellen Bericht. Dabei stellen wir sowohl junge Spieler, die sich einen Namen machen wollen, als auch etablierte Akteure und Teamleader ins Rampenlicht.

In dieser Ausgabe geht es um den Schweizer Timo Meier (San Jose Sharks).

Am Montagabend (Ortszeit) war wieder "Timo Time" im Shark Tank: Im Powerplay hatte die Nummer 28 in Teal (Dunkelpazifiktürkis) seinen 1,84 Meter großen und 98 Kilogramm schweren Körper unmittelbar vor dem Tor positioniert, dem gegnerischen Torwart so die Sicht versperrt und dann einen Schuss von Mitspieler Mikkel Boedker erfolgreich mit dem Schlägerschaft in die Maschen abgefälscht. Das zwischenzeitliche 4:2 gegen die Detroit Red Wings (Endstand: 5:3) war bereits der 18. Saisontreffer von Timo Meier, dem Schweizer in Diensten der San Jose Sharks.

Video: DET@SJS: Meier tippt den Puck gegen Howard im PP rein

Ein typisches Meier-Tor, das der 21-Jährige aus seiner Lieblingsposition heraus erzielte. "Ich mag es, vor das Tor zu gehen, die dreckigen Tore in den Bereichen, wo es weh tut, zu schießen", erklärt der in Herisau, unweit des Bodensees im Kanton Appenzell geborene Stürmer und verrät über seine Hockey-DNA: "Mit meinem physischen Spiel kann ich auf dem Eis viel Raum schaffen. Als Power Forward will ich auch im Forechecking gut sein, dem Gegner unter die Haut gehen mit Checks, aber gleichzeitig auch in allen drei Zonen defensiv einen guten Job machen."

Meier: "Man muss sich jeden Tag beweisen"

Dass Meier bislang einen guten Job macht, ist auch den Verantwortlichen der San Jose Sharks aufgefallen. Headcoach Peter DeBoer setzte den Schweizer in der laufenden Saison schon in allen möglichen Situationen ein: Im Powerplay, in Unterzahl und selbst bei Fünf-gegen-Fünf spielte der Linksschütze schon in der Top-Reihe der Fins, unter anderem neben den Stars Joe Pavelski und Joe Thornton. Aktuell bildet Meier die dritte Sturmreihe neben Chris Tierney und Kevin Labanc - ein Trio mit jeder Menge Talent, Tempo und Torgefahr. Der Schweizer hat sich in seiner zweiten NHL-Saison etabliert.

"Sicher kann man sich nie sein, man muss immer um seinen Platz kämpfen", mahnt Meier angesichts des schnelllebigen Eishockey-Geschäfts und dem Risiko, als Spieler mit einem Zwei-Wege-Vertrag plötzlich wieder in die AHL geschickt zu werden. Dies scheint angesichts von 29 Scorerpunkten (18 Tore, elf Assists) in 69 Spielen aber äußerst unwahrscheinlich. Vielmehr ist Meier ist aus dem Sharks-Linup kaum noch wegzudenken. "Wenn man ein bisschen mehr Vertrauen vom Coach bekommt, dann kann man einfacher und befreiter spielen. Gleichzeitig muss man sich jeden Tag beweisen, jeden Tag bereit sein und sein Bestes geben."

 

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Auf den Spuren von Hischier und Niederreiter

Dass sich Meier immer besser zurecht findet, belegen auch seine Statistiken. Dem 21-Jährigen gelangen bis zum Jahreswechsel lediglich sechs Treffer - im Kalenderjahr 2018 dagegen schon deren zwölf. "Am Anfang war es sicher ein bisschen schwer, ich hatte ein paar Probleme, aber ich denke, dass ich in den letzten drei Monaten besser spiele und besser in Fahrt komme", sagt der talentierte Angreifer, den die Sharks beim NHL Draft 2015 in der 1. Runde an insgesamt 9. Position auswählten.

Damit ist Meier der drittfrühste gedraftete Schweizer aller Zeiten hinter Nico Hischier (1. Position, Draft 2017, New Jersey Devils) und Nino Niederreiter (5. Position, Draft 2010, New York Islanders). "Ich bin zufrieden mit meiner Entwicklung und will im letzten Saisonabschnitt noch einmal Vollgas geben", sagt der ehrgeizige Stürmer. "Ich will nicht zu früh zufrieden sein, ich will mich immer verbessern und ich denke, ich kann noch mehr. Es ist wichtig, dass ich jeden Tag lerne. Speziell jetzt im letzten Abschnitt der Saison möchte ich noch einen Zacken zulegen, um es in die Playoffs zu schaffen und dann auch für die Playoffs bereit zu sein."

Video: CHI@SJS: Meier fälscht einen Schuss ab und trifft

Enges Playoff-Rennen ohne Thornton

In der Pacific Division spitzt sich das Kopf-an-Kopf-Rennen um die begehrten Endrunden-Plätze immer mehr zu. "Es ist alles sehr eng zusammen. Man spürt das auch. Der Punkte-Unterschied ist nicht groß", analysiert Meier die Lage und fordert: "Wir müssen von Tag zu Tag und nicht zu sehr auf die Tabelle schauen, sondern müssen uns auf uns selbst fokussieren. Wir sind sehr zuversichtlich, haben eine gute Mannschaft, viele gute junge Spieler. Unser Ziel ist es, in die Playoffs zu kommen und dann ist vieles möglich..."

Aufzufangen gilt es die Verletzung von Meiers früherem Reihenkollegen Joe Thornton (Knie), dessen Rückkehr noch ungewiss ist. "Man spürt es auf jeden Fall, dass Thornton nicht da ist. Er ist ein großer Spieler, der uns fehlt. Man merkt das auch neben dem Eis: Er ist einer, der viel Energie in die Kabine bringt. Seine Verletzung ist eine große Herausforderung für uns. Für junge Spieler wie mich ist das aber auch eine gute Chance, mehr Verantwortung zu übernehmen", so Meier.

Timo Time

Bislang konnte San Jose den schwerwiegenden Ausfall mit Trades (Evander Kane, Eric Fehr), Talenten (Meier, Labanc, Tierney, Tomas Hertl, Barclay Goodrow, Marcus Sorensen) und anderen Führungsspielern auffangen. "Wir haben sehr viele gute Anführer. Logan Couture, Joe Pavelski und viele andere, die einen sehr guten Job machen und auch in der Garderobe eine Leaderrolle übernehmen", bestätigt Meier. Hinzu kommt der gute Teamgeist, der in der Kabine deutlich spürbar ist.

 

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Diesem ist es auch zu verdanken, dass die Sharks vor Kreativität und Ideenreichtum beim Erfinden von Spitznamen sprühen. Pickles (Marc-Eduard Vlasic), Cobra (Tierney), Jumbo Joe (Thornton), Burnzy (Brent Burns), Melk Man (Melker Karlsson), Donscore (Joonas Donskoi), Deller (Aaron Dell) und Pav (Pavelski) sind nur einige Beispiele dafür. Und Meier? "Ab und zu sagen sie aus Spaß 'Timo Time' zu mir", plaudert der sympathische Schweizer mit einem Lächeln aus dem Nähkästchen und wird dann wieder ernst: "Wir haben eine sehr lustige Mannschaft und haben Spaß, aber wir wissen, wann hart zu arbeiten ist."

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