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Typen wie Eric Lindros sind selten geworden

Der ehemalige Kapitän der Philadelphia Flyers gehörte zu einer ganz raren Kategorie von Spielern

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Am Donnerstag ehrten die Philadelphia Flyers ihren früheren Teamkapitän Eric Lindros mit einer besonderen Aktion. Sie zogen seine Rückennummer 88 feierlich unter das Hallendach der Arena. Sie wird künftig an keinen anderen Spieler mehr vergeben. Damit findet eine nicht immer unkomplizierte Beziehung des Spielers zu seinem früheren Klub ein glückliches Ende. Nach internen Streitigkeiten hätten viele eine solche Auszeichnung lange Zeit für völlig undenkbar gehalten.

Schon in jungen Jahren galt Lindros in den Augen vieler als das nächste ganz große Talent. Er wurde auf einer Stufe mit Größen wie Wayne Gretzky oder Mario Lemieux gesehen. Jedoch verlief seine Karriere nicht ganz so glorreich, wie die meisten Experten es anfangs erwartet hätten. Auseinandersetzungen und unzählige Verletzungen begleiteten den Hünen über viele Jahre hinweg. 

Lindros vereinte bereits als Jugendlicher eine seltene Kombination aus Körperlichkeit, Härte und immensem Talent. Er galt als der Prototyp eines Power-Forwards. Zeitweise war er tatsächlich einer der besten, wenn nicht sogar der beste Spieler der Liga. Zudem war er immer ein Querkopf, eine echte Persönlichkeit eben, auf und neben der Eisfläche.

 

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Als 16-Jähriger, in der Ontario Hockey League, wo er der Nummer eins-Pick des Jahres 1989 war, weigerte er sich bei den Sault Ste. Marie Greyhounds anzutreten, die ihn für ausgewählt hatten. Gleiches wiederholte sich zwei Jahre später in der NHL, als der Top-Draft-Pick sich dagegen sträubte für die Quebec Nordiques (heute Colorado Avalanche) aufzulaufen. Dies mündete in eine große Affäre.

Entnervt tradete ihn das Franchise 1992 nach einem Jahr vergeblicher Bemühungen, sich zu einigen. Lindros landete bei den Flyers unter Eigentümer Ed Snider und General Manager Russ Farwell. Der Spieler zeigte sich erfreut und scherzte: "Die Taschen sind schon gepackt." 

Das Leben in der NHL begann für ihn somit im Alter von 19 Jahren. Als bestbezahlter Spieler der Liga sollte Lindros der entscheidende Faktor beim Umbau der Flyers werden. Der Stanley Cup war das ambitionierte Ziel. Eine Ironie des Schicksals war jedoch, dass das von ihm verschmähte Team, nach seinem Umzug nach Denver, große Erfolge feierte. 1996 und 2001 fuhr es als Avalanche jeweils den Titel ein. Bei den Flyers dagegen konnte Lindros nie den begehrten Pokal in die Höhe stemmen.

Sportlich enttäuschte Lindros in Philadelphia deswegen keineswegs. Vor allem in seinen frühen Jahren erfüllte er dort die Erwartungen. Lindros wurde zum erwartet dominanten Spieler. Nur die Krönung in Form des Stanley-Cup-Gewinns blieb aus.

Nach der Niederlage im Stanley-Cup-Finale 1997 gegen die Detroit Red Wings, in dem sich Verantwortliche und Fans der Flyers mehr vom Kapitän erwartet hatten, gab es erste Gerüchte, er könnte das Team und die Stadt bald verlassen.

Fortan wurde der Stürmer immer wieder von Verletzungen geplagt. Dazu machten sich erste Risse auf zwischenmenschlicher Ebene breit. Am Ende sprach das Management nicht einmal mehr mit seinem Starspieler.

Im Sommer 2001 war Schluss für ihn in Philadelphia. Lindros wechselte zu den New York Rangers. An seine Leistungen in Philadelphia konnte er dort nicht mehr anknüpfen. Immer wieder machten ihm Gehirnerschütterungen und weitere Verletzungen zu schaffen. Es folgten kürzere Aufenthalte bei den Maple Leafs in Toronto und bei den Dallas Stars, wo die Karriere 2007 endete. Letztlich standen für Lindros 760 Spiele, 372 Tore und 865 Punkte zu Buche. Ohne die ständig wiederkehrenden gesundheitlichen Probleme wären es wohl deutlich mehr gewesen.

Erst 2011 folgte die Versöhnung zwischen Lindros und den Flyers. General Manager Paul Holmgren suchte den Kontakt und überzeugte den Ex-Spieler davon, bei einem Ehemaligenspiel im Januar 2012 aufzutreten. 2014 wurde er in die Wall of Fame der Flyers aufgenommen, zwei Jahre später in die Eishockey Hall of Fame.

Am vergangenen Donnerstag folgte das nächste feierliche Highlight für den in mancherlei Hinsicht schwierigen, aber zweifelsohne ganz Großen dieses Sports. Typen wie ihn findet man heute in der Branche nur noch selten.

Lindros selbst stellt Vergleiche zwischen ihm und jungen Spielern wie Connor McDavid und Auston Matthews an. Als Rookie traf Lindros 41 Mal und kam auf 75 Punkte in 61 Spielen. Im Folgejahr waren es 97 Punkte in 65 Partien. Matthews kam auf 40 Tore und 69 Punkte als Rookie. McDavid, der verletzungsbedingt die halbe Premierensaison verpasste, überzeugte im zweiten Jahr mit 100 Punkten in 82 Spielen. "Matthews ist ein kräftiger Kerl. Er wird weiter zulegen und stärker werden. Er muss nur gesund bleiben, dann klappt das schon mit der großen Karriere", so Lindros.

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