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Fluch und Segen der Overtime

Inside the numbers: Verlängerungen bringen Nervenkitzel und einen sicheren Punkt

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Jeden Mittwoch in der Saison 2018/19 wird NHL.com/de in der Rubrik "Inside the numbers" nach verschiedenen Trends und Statistiken suchen, um Euch die Analyse des Spiels näherzubringen.

In dieser Ausgabe: Fluch und Segen von Overtime und Penaltyschießen.

Unglaublich, aber wahr: Die Chicago Blackhawks mussten in allen ihren fünf Saisonspielen "nachsitzen" und über die regulären 60 Minuten hinaus Eishockey spielen. Ihre Bilanz: Drei Siege, zwei Niederlagen und satte acht Punkte, denn auch ein verlorenes Spiel nach der regulären Spielzeit bringt Zählbares auf das Punktekonto. In der NHL erhält der Sieger eines Spiels immer zwei Punkte, der Verlierer nach Overtime oder Penaltyschießen einen, nur der Verlierer nach regulärer Spielzeit geht leer aus.

In Europa gilt dagegen die Drei-Punkte-Regel: Der Gewinner nach regulärer Spielzeit erhält drei Punkte, der Gewinner nach Overtime oder Penaltyschießen zwei, der Verlierer nach über 60 Minuten einen und der Verlierer nach 60 Minuten null Punkte. Dadurch wird der Versuch, das Spiel bereits in der regulären Spielzeit zu beenden, stärker belohnt.

 


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Neues OT-Format seit 2015

Wer glaubt, in der NHL wollen sich deshalb alle Teams mit einem Unentschieden über die ersten 60 Minuten oder gar ins Penaltyschießen retten, der irrt. Denn bei Punktgleichheit am Saisonende steht allen voran die Mannschaft vorne, die mehr Siege nach regulärer Spielzeit und Overtime ("ROW") sammeln konnte, nicht etwa die mit der besseren Tordifferenz. Eine Niederlage nach Penaltyschießen bringt so zwar einen Punkt, aber auch die Gefahr, am Ende zu wenige Siege auf dem Konto zu haben.

NHL-Teams spielen also in den ersten 65 Minuten voll auf Sieg. Besonders unterhaltsam ist das zur Saison 2015/16 eingeführte Drei-gegen-Drei-Format, das die Verlängerung spannender und spektakulärer macht, denn erschöpfte Spieler haben plötzlich viel Platz auf dem Eis. Viele Mannschaften gehen bewusst ins Risiko und besetzten die drei Stellen mit zwei oder gar drei Stürmern. Es geht schnell hin und her, klaffende Lücken ermöglichen hochkarätige Torchancen und viele Eins-gegen-Eins-Situationen. Das ganze hat einen weiteren positiven Nebeneffekt: Es gibt weniger Penaltyschießen, was gemeinhin als Glücksspiel gilt. Der Extra-Punkt nach der regulären Spielzeit ist Fluch und Segen zugleich, was der Blick auf die letzten drei Jahre zeigt.

2017/18: Extra-Punkte halfen bei knappen Entscheidungen

In der Saison 2017/18 verloren die Philadelphia Flyers 14-mal nach der regulären Spielzeit, so oft wie kein anderes Team. Philadelphia sammelte dadurch aber auch 14 Extra-Punkte und landete trotz weniger Siege (42 Siege, 98 Punkte) noch knapp vor den Metropolitan-Division-Rivalen Columbus Blue Jackets (45 Siege, 97 Punkte) und New Jersey Devils (44 Siege, 97 Punkte). Alle drei Teams schafften es zwar noch in die Playoffs, schieden aber jeweils in der 1. Runde aus.

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In der Western Conference ereilte den St. Louis Blues ein härteres Schicksal: Ein Punkt fehlte St. Louis in der Endabrechnung auf den Central-Division-Rivalen Colorado Avalanche, der zwar einen Sieg weniger holte, sich dafür aber dreimal häufiger in die Overtime rettete. Während die Blues die Playoffs verpassten, war Colorado qualifiziert. Derweil sicherten sich die Anaheim Ducks in der Pacific Division das Heimrecht gegen die San Jose Sharks. Anaheim hatte einen Sieg weniger, dank drei zusätzlichen Overtime-Niederlagen (mit deren 13 der zweithöchste Wert) aber einen Punkt mehr als San Jose.

2016/17: Toronto jubelt, Carolina leidet

Schon 2016/17 kam es zu einem regelrechten Foto-Finish im Osten: Die Toronto Maple Leafs schnappten sich das letzte Playoff-Ticket (40 Siege, 95 Punkte) haarscharf vor den New York Islanders (41 Siege, 94 Punkte) und den Tampa Bay Lightning (42 Siege, 94 Punkte), die die Endrunde verpassten. Mit 15 OT-Niederlagen hatte Toronto den Top-Wert in diesem Jahr aufgestellt und mit der "Eichhörnchen-Taktik" das Ziel erreicht. Auch sammelten die Maple Leafs noch weitere sieben Zähler durch Siege im Penaltyschießen (zweitbester Wert hinter den Detroit Red Wings mit neun).

Ebenfalls auf 15 OT-Niederlagen kamen die Carolina Hurricanes. Hätte Carolina nur zwei Drittel ihrer Verlängerungen erfolgreich bestritten, hätte es mit der Playoff-Qualifikation geklappt. So aber waren die Hurricanes immer nah dran an einem Sieg, punkteten aber zu selten doppelt - ihr Aus für alle Endrunden-Träume.

Video: CAR@WPG: Scheifele netzt Onetimer zum OT-Sieg ein

2015/16: Florida als Shootout-Experten

Schon in der Einführungs-Saison 2015/16 schienen die Hurricanes mit dem neuen Drei-gegen-Drei-Format zu fremdeln: 16-mal verlor Carolina in der Overtime. Bei gleichzeitig nur 35 Siegen wurden die Playoffs um zehn Punkte verpasst. Als Shootout-Experten taten sich die Florida Panthers (sieben Siege im Penaltyschießen) hervor, die sich gar an die Spitze der Atlantic Division setzten (47 Siege, 103 Punkte).

 

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Chicago profitiert - nur fünfmal Penaltyschießen

In einer Liga, die in Sachen Leistungsdichte immer enger zusammenzurücken scheint, könnten auch 2018/19 die Extra-Punkte den Unterschied ausmachen. Diesbezüglich wähnen sich die Blackhawks auf einem guten Weg: Chicago musste in allen fünf Saisonspielen in die Verlängerung, punktete also trotz drei Siegen und zwei Niederlagen stets und rangiert mit acht Punkten auf Rang zwei in der Central Division.

Insgesamt gingen in der laufenden Saison bereits 18 Spiele in die Overtime - nur deren fünf mussten dank dem Drei-gegen-Drei-Overtime-Format in der Lotterie namens Penaltyschießen entschieden werden.

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