Ottawa Senators v Boston Bruins

Dennis Seidenberg hat als Höhepunkt seiner Karriere im Jahr 2011 als zweiter Deutscher den Stanley Cup gewonnen. Der heutige Entwicklungstrainer der New York Islanders wird in einer monatlichen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die erste Ausgabe 26/27:

Die NHL-Saison hat bereits Ende September begonnen und aufgrund der Erhöhung der Spiele in der regulären Saison auf 84, wurde die Preseason auf eine Woche gekürzt. Während junge Spieler versuchen in dieser Zeit in die Kader zu kommen, sind diese Vorbereitungsspiele bei den Veteranen meist nicht sehr gut angesehen. Auch hat sich die Zeit etwas gewandelt. Während man früher ins Trainingscamp kam, um sich für die Saison fit zu machen, fangen die Spieler jetzt schon frühzeitig mit dem Eistraining an und es wird im Trainingscamp nur noch an den Details und der Abstimmung gefeilt.

Von daher ist es ein kleiner Vorteil für die Teams, die nicht so viele Wechsel im Personal und denselben Trainer wie letztes Jahr hatten, aber grundsätzlich sind die Voraussetzungen für alle gleich, und in 84 Spielen sollten sich am Ende die Mannschaften durchsetzen, die am konstantesten gespielt haben. Es ist genug Zeit, einen womöglich schlechten Beginn zu korrigieren. Die um zwei Spiele längere reguläre Saison sollte keine Auswirkung haben und ist von der Belastung sicher zu managen.

Auch Alex Ovechkin wird diese Zeit noch mal zum „Schaulaufen“ nutzen, bevor er zum Abschluss seine außergewöhnliche Karriere beendet, wie er es jetzt diese Woche angekündigt hat. Ich hatte ja lange Zeit gedacht und an dieser Stelle mehrfach geäußert, dass er den Torrekord von Wayne Gretzky nicht knacken wird. Aber ich habe mich in ihm getäuscht und es ist schon faszinierend, auf welchem Niveau er heute noch Tore erzielt. Er wird in dieser Saison sein Torekonto sicher noch mal steigern. Seine Direktabnahmen auf dem Bullykreis sind schließlich immer noch gefürchtet. Aber man merkt ihm schon sein Alter an, und es wird ihm sicher immer schwerer fallen, sich fit zu halten. Von daher ist die Entscheidung wohl konsequent.

Ovechkin führt die Capitals mit einem Hattrick gegen Crosby und die Penguins zum Comeback

Wenn ich eine kleine Vorschau auf die Saison wagen will, dann fällt es mir schwer, irgendetwas vorauszusagen. Die Liga ist so ausgeglichen und dieses Phänomen hat sich noch dadurch verstärkt, dass jetzt junge Team, die in den vergangenen Jahren kaum eine Rolle gespielt haben, sich in den Vordergrund drängen.

Ich denke da in erster Linie an die San Jose Sharks, aber auch die Buffalo Sabres und die Ottawa Senators, mit denen wieder zu rechnen sein wird. Die bestehenden Favoriten wie die Vegas Golden Knights, Colorado Avalanche und Dallas Stars im Westen sowie die Carolina Hurricanes als Titelverteidiger und die Florida Panthers als Titelträger 2024 und 2025 im Osten werden es bleiben.

In der Atlantic Division wird das Rennen gerade für Marco Sturm und seine Boston Bruins mit JJ Peterka sowie Moritz Seider mit den Detroit Red Wings brutal eng werden, nachdem die in der vergangenen Saison überraschend abgeschlagenen Panthers und auch die Maple Leafs wieder vorne angreifen werden. Buffalo, Ottawa und natürlich auch die Tampa Bay Lightning muss man erst einmal hinter sich lassen. Die Montreal Canadiens wollen auch ihren Platz vorne halten. Das wird ein spannender Abnutzungskampf.

BOS@WPG: Peterka tunnelt den Torwart in der Verlängerung

Es freut mich, dass die NHL weiter den europäischen und besonders den deutschen Markt im Fokus hat. So wird es diese Saison nicht nur samstags und sonntags Spiele zur Primetime geben, sondern auch vereinzelt montags. Die Ankündigung von weiteren Spielen der NHL Global Series Germany in der Saison 2027/28 nach dem Highlight im Dezember zwischen Ottawa und den Chicago Blackhawks in Düsseldorf, tut dem deutschen Eishockey für die Aufmerksamkeit gut. Mit der neuen Halle in München, wo die Boston Bruins mit Marco Sturm als Trainer hinter der Bank und JJ Peterka spielen werden und der großen Arena in Köln, wo Lokalmatador Leon Draisaitl mit seinen Edmonton Oilers spielen wird, wurden zwei tolle Standorte ausgewählt. Ich gehe davon aus, dass die Karten schnell vergriffen sein werden.

Für die Zukunft des deutschen Eishockeys wird es aber nötig sein, dass die Nationalmannschaft wieder mehr Erfolge feiert und vor allem neue Talente entwickelt werden. Mit Andre Rankel haben wir einen neuen Bundestrainer, der als Co-Trainer in Berlin sicher sehr viel gelernt hat. In der Kabine als Spieler war er immer eher ein ruhigerer Kollege, aber ich habe ihn auch als sehr jungen Spieler kennengelernt. Ich gehe davon aus, dass er sich weiterentwickelt hat und weiß, worauf es ankommt. Er ist auf jeden Fall ein Trainer, der eine Führungspersönlichkeit sein kann.

Für Franz Reindl freut es mich, dass er als zweiter Deutscher Präsident des Weltverbands IIHF geworden ist. Als er lange Zeit DEB Präsident war, empfand ich ihn immer als eine sehr angenehme Führungspersönlichkeit, der immer für die Mannschaft da war und habe nur Gutes über ihn in Erinnerung. Respekt, was er die ganzen Jahre dem Eishockeysport gegeben hat. 

Bis demnächst! Euer Dennis

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