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'Wunderbarer Red Wing' Datsyuk verlässt NHL

von Nicholas Cotsonika / NHL.com

ORCHARD LAKE, Mich. -- Wenn großartige Spieler der Detroit Red Wings ihre Karriere beenden, werden sie für gewöhnlich auf einer Pressekonferenz im Olympia Room der Joe Louis Arena geehrt. Sie tragen einen Anzug, sie sitzen auf einem Podium, hinter ihnen der Schriftzug "HOCKEYTOWN". Sie sind umgeben von den Eigentümern, dem Management, ihrer Familie und Freunden und denken in einer warmen, emotionalen Umgebung zurück.

Doch Pavel Datsyuk, der vierfache Gewinner der Lady Byng Trophy, der dreifache Gewinner der Selke Trophy, der zweifache Stanley Cup Champion, der Magic Man, gab am Samstag seinen Rücktritt zwischen zwei Trainingseinheiten bei seinem Jugend Hockey Camp in einem Vorort von Detroit bekannt. Er trug einen Warmup Trainingsanzug. Er stand zwischen einem kastanienbraunen Vorhang und einem hölzernen Redepult ohne Logos. Seine einzigen Zuhörer war eine kleine Gruppe von Reportern, wenige TV-Kameras und mehrere Reihen von leeren Stühlen.

"Das war keine einfache Entscheidung", sagte Datsyuk in einem Konferenzraum oberhalb der Eisfläche vom St. Mary's Preparatory, 45 Minuten nördlich von der Joe Louis Arena, "doch es ist für uns Zeit nach Hause zu gehen."

Red Wings General Manager Ken Holland stand später in der Umkleidekabine der Joe Louis Arena und sprach davon, dass er ihm nicht böse sei. Er hege ihm gegenüber keine bösen Gefühle. Er terminierte Gordie Howe's Visitation am Dienstag und die Beerdigung am Mittwoch sowie einige Meetings organisatorischer Art der Red Wings sowie Datsyuks Camp am Ende dieser Woche.

"Ich habe keinen Groll", sagte Holland. "Er war ein unglaublicher Red Wing."

Aber es war ein saures, surreales Ende einer ungewöhnlichen Karriere.

Datsyuk, der am 20. Juli 38 Jahre wird, unterschrieb einen 3-Jahres Vertrag, den er nur zu zwei Dritteln erfüllt hat. Er verlässt die Red Wings und belastet deren Salary Cap mit US$ 7,5 Millionen für die NHL-Saison 2016/17. Er hört nicht auf, weil sein Körper nicht mehr mitmacht oder weil er die Lust am Spielen verloren hat, dementsprechend kann er in der Kontinental Hockey League spielen. Er wird sich am Dienstag mit seinem Agenten Dan Milstein zusammensetzen und die Angebote aus der KHL durchsehen.

Wir können den Schaden noch nicht beurteilen. Er hängt davon ab, ob die Red Wings ein Team finden, das in einem Trade den Kontrakt übernimmt, wen sie hierfür abgeben müssen und was sie anschließend aus dem gewonnenen finanziellen Spielraum machen werden. Im besten Falle nutzen sie den Spielraum und holen sich Tampa Bay Lightning Kapitän Steven Stamkos, der zum Unrestricted Free Agent wird.

Es sieht nicht erfolgsversprechend aus. Nur wenige Teams können eine solche Salary Cap Belastung tragen und der Preis den die Red Wings dafür bezahlen müssten, dürfte höher sein, als sie gewillt sind zu zahlen. Sie möchten nicht ihre besten jungen Spieler oder hohe Draft Picks abgeben, um für eine Saison US$ 7,5 Millionen zu sparen. Sie machen das nicht, wenn sie weiterhin auf einen Neuaufbau setzen. Ob sie Datsyuk jetzt oder später verlässt, für sie ist es dieselbe Herausforderung, sie müssen ihn ersetzen. Datsyuk, Kapitän Henrik Zetterberg und Verteidiger Niklas Kronwall werden ihnen nicht mehr nutzen.

"Wir werden sehen, ob wir den Vertrag loswerden", sagte Holland. "Ich bin nicht sehr optimistisch. … Sicherlich bist du beeinträchtigt, wenn du 7,5 Millionen für einen Spieler gebunden hast, den du nicht hast. Es ist ein großer Verlust und es ist eine sehr, sehr schwere Situation."

Jeder trägt eine Teilschuld. Holland kannte die Regeln und nahm das Risiko auf sich, einen 35-jährigen Spieler einen 3-Jahres Vertrag zu unterbreiten. Weder er noch der Agent Gary Greenstin, der für Datsyuk den Vertrag ausgehandelt hatte, versicherte, dass Datsyuk die Regeln verstanden habe. Bevor er den Vertrag unterschrieb, sagte Datsyuk nicht, dass er ihn nicht erfüllen werde und nachdem er unterschrieben hatte und ihm die Regeln erklärt wurde, entschied er sich zu gehen. Am Ende war es Datsyuk, der den Vertrag verletzte.

"Es ist meine Entscheidung", sagte Datsyuk.

Jeder schien die besten Absichten gehabt zu haben. Dinge verlaufen nicht immer wie geplant. Missgeschicke passieren eben.

Warum gab Holland Datsyuk keinen Einjahresvertrag, wie er es mit Spielern wie Steve Yzerman, Chris Chelios und Nicklas Lidstrom am Ende ihrer Karriere getan habe? Nach der Saison 2013/14 wollte Greenstin mit Holland einen 5-Jahres Vertrag für Datsyuk aushandeln. Greenstin erzählte Holland, dass Datsyuk bei den Red Wings seine aktive Laufbahn beenden möchte.

"Was denkst du, was passiert wäre, wenn ich mit einem Einjahresvertrag gekommen wäre?" fragte Holland. "Er wäre zu einem anderen Team gegangen."

Holland sagte, dass er mit fünf Jahren nicht einverstanden gewesen war. Er und Greenstein machten einen Schritt vor und zurück. Am Ende fragte Datsyuk direkt Holland, welche Konditionen er als fair ansehe.

"Ich sagte zu ihm 'Lass uns einen 3-Jahres Deal machen. Wenn du hier spielen möchtest bis du 41 oder 42 bist, dann können wir uns auf Einjahresverträge einigen'", sagte Holland. "Zum Glück kam es zu keinem 5-Jahres Deal. Wir hätten sonst ein noch größeres Problem."

Datsyuk sagte, dass er damals die Absicht gehabt hatte, seinen Vertrag zu erfüllen. Aber er habe eine Tochter aus seiner ersten Ehe, die in Russland lebe und die er nur selten sieht. Eine Woche nachdem er den neuen Vertrag hatte, teilte er Holland mit, dass 2014/15 seine letzte NHL-Saison sein könnte.

Einen oder zwei Monate später sagte Datsyuk zu Zetterberg, dass im Dezember oder Januar Holland mit Greenstin ein Gespräch geführt habe, mit der Absicht Datsyuk zum Bleiben zu überreden. Er erklärte welche Auswirkungen sein Abgang auf das Team habe. Anschließend ersetzte Datsyuk Greenstin durch Milstein. Datsyuk und Milstein versuchten aus dem Vertrag zu kommen ohne die Red Wings zu schaden.

Nach der Saison 2014/15 konnte Holland Datsyuk überzeugen seinen Vertrag 2015/16 zu erfüllen und erzählte ihm, dass er die Red Wings 2016/17 verlassen könne und sie mit dem Schaden zurechtkämen. Er hatte die Hoffnung, dass es sich Datsyuk noch einmal anders überlegen würde und auch 2016/17 den Vertrag erfülle. Doch Datsyuk sagte, dass es für ihn immer schwerer wurde, umso länger er von zuhause weg war. Seine Tochter wird im August 14 Jahre.

"Pav machte sich um die Detroit Red Wings Sorgen", sagte Holland. "Pav hat das nicht mit Absicht getan. Selbstverständlich bin ich enttäuscht, dass er die Saison 2016/17 seinen Vertrag nicht erfüllt, aber ich habe 18 Monate lang mit ihm und Dan Milstein darüber gesprochen und ich habe die Gründe verstanden. Sein Herz ist nicht mehr hier."

Ein Stück bleibt immer zurück. Rückblende: Datsyuk kam nach Detroit als Draft Pick 171 beim NHL Draft 1998. Er konnte nicht die Sprache, er kannte nicht die Kultur. Er wusste nichts über das Spiel in Nordamerika.

"Sie gaben mir die Chance mich zu verändern", sagte Datsyuk.

Datsyuk sprach davon, dass Detroit seine "zweite Heimat" wurde und dass er einer der besten 2-Wege Spieler wurde - nicht zu vergessen auch einer der unterhaltsamsten. Er erzielte 314 Tore und 918 Scorerpunkte in 953 NHL-Spielen der regulären Saison und weitere 42 Tore und 113 Scorerpunkte in 157 Playoffpartien - alle mit den Red Wings. Er verfügte über eine selten vorkommende Kombination aus Kreativität und Abgezocktheit. Er schnappte sich hinten die Pucks und machte auf der gegenüberliegenden Seite Moves nach dem Motto 'Nun-siehst-du-ihn-nun-siehst-du-ihn-nicht'. Washington Capitals Coach Barry Trotz sagte einmal, dass Datsyuk 'Spaß' ins Spiel bringe und, dass es ein Vergnügen sei ihm zuzusehen.

Nun ist das Vergnügen gegangen. Im letzten Akt ist der Magic Man verschwunden.

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