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Die Evolution des Winter Classic

Weniger Show in diesem Jahr, dafür mehr Tempo und Powerplay-Tore

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Das Winter Classic am Neujahrstag 2018 war ein Jubiläum: Zum bereits zehnten Mal wurde diese Eventreihe ausgetragen. Dieses Mal war das Citi Field in New York City Schauplatz der Begegnung zwischen den Buffalo Sabres und den New York Rangers (2:3 n.V.). Das Freiluft-Spiel zog erneut ein Millionenpublikum an. Doch was hat sich in einem Jahrzehnt verändert, was ist gleich geblieben?

Mehr Spiel als Event

Im Vordergrund des 10. Winter Classic stand vor allem das Spiel an sich. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde gefühlt etwas weniger Aufmerksamkeit auf das Rahmenprogramm gelegt. So gab es beispielsweise nur eine kleine Bühne und deutlich weniger Spezialeffekte - getreu dem Motto "weniger ist mehr". Auf die Klassiker mussten die Eishockey-Fans trotzdem nicht verzichten: Die Nationalhymne wurde von einem Kinderchor gesungen, deren Teilnehmer allesamt in 2008, dem Jahr des ersten Winter Classics, geboren wurden. Ein echter Weißkopfseeadler, das Wappentier der USA, flog genauso über das Citi Field wie vier Kampfjets in Formation. Darüber hinaus züngelten immer wieder Feuersäulen aus dem Boden. "Die Nationalhymne, die Flugzeuge, das Feuerwerk - all das lässt es dir eiskalt den Rücken herunterlaufen", berichtete Buffalos Kapitän Jack Eichel. "Es war eine großartige Erfahrung vom Anfang bis zum Ende."

Video: NYR@BUF: Teams beim Handschlag nach Winter Classic

Besonders wichtig war den Veranstaltern wie schon in den Vorjahren der lokale Bezug, der sich nicht nur bei der Auswahl der auftretenden Künstler bemerkbar machte: Rund um die Eisfläche waren die für New York City typischen Yellow Caps (Taxis) unterwegs. Straßen- und U-Bahn-Schilder rundeten das Gesamtbild ab, das auch Eindruck beim Rangers-Kapitän Kevin Shattenkirk, der in New Rochelle im Bundesstaat New York geboren wurde, hinterließ: "Nach Hause zu kommen und vor den eigenen Fans spielen zu dürfen, mit denen ich schon ein paar Hockey- und Baseball-Spiele erleben durfte, hat es uns leicht gemacht, es so gut wie möglich zu genießen."

Platz acht bei den Zuschauern - Rang zwei bei den Temperaturen

In den Live-Genuss kamen dieses Mal 41.821 Zuschauer im umgerüsteten Baseball-Stadion - Rang acht unter allen bisher ausgetragenen Winter Classics und damit unter dem Schnitt von 58.594. "Es hat Spaß gemacht und war eine besondere Atmosphäre. Die Fans haben gerockt, es war laut, die Zuschauer waren hinter beiden Mannschaften gestanden", sagte Rangers-Kapitän Ryan McDonagh. Die Nummer eins bleibt somit Ann Arbor im Jahr 2014 mit 105.491 Zuschauern, die einen 3:2-Sieg n.P. der Toronto Maple Leafs bei den Detroit Red Wings miterlebten. Damals wurde auch der Kälte-Rekord von -10,5 Grad Celsius aufgestellt. Dahinter reiht sich das aktuelle Winter Classic mit -6,5 Grad ein. Kurios: Sogar die Eis-Temperatur im Citi Field war mit -5 Grad ein wenig "wärmer".

Gegen die Kälte

Mit dem sonnigen, windigen aber eben auch sehr kalten Wetter hatten nicht nur Fans, sondern auch Spieler zu kämpfen. Dem Wechselspiel aus gleisendem Licht und Schatten auf der Eisfläche trotzten die Akteure mit breiten schwarzen Streifen unter den Augen. Gegen die Kälte half entweder eine Gesichtsbedeckung, wie sie etwa New Yorks Angreifer Mika Zibanejad trug oder eine dicke Pudelmütze, die Buffalos Goalie Robin Lehner sogar über seinen Helm zog. Seine tiefgefrorenen Locken, die mit einer dicken Eisschicht überzogen waren, konnte das allerdings auch nicht verhindern.

Video: Winter Classic 2018 im Citi Field Zeitraffer

Hohes Tempo und Powerplay-Tore

Auf dem Eis, dessen Qualität von beiden Seiten gelobt wurde, ging es dann heiß her. Insgesamt 75 Schüsse bedeuteten den zweitbesten, insgesamt 59 Checks den drittbesten Wert aller bisherigen Winter Classics. Auffällig auch das hohe Tempo im Spiel - vor allem im Vergleich zu vor zehn Jahren. Zwei Powerplay-Tore - darunter auch der Siegtreffer durch J.T. Miller in der Verlängerung - sind ebenfalls zweitbester Wert in der Geschichte des Winter Classic, bei dem es traditionell eng zugeht: Nur zwei von zehn Partien endeten mit mehr als zwei Toren Unterschied, zweimal ging es in die Overtime, zweimal ins Penaltyschießen. Und auch eine weitere Sache blieb gleich: Noch nie gab es einen Shutout.

Video: NYR@BUF: Miller zum OT-Sieg im Winter Classic

Konstant unter freiem Himmel: Rangers, Vigneault, Lundqvist

Unverändert ist dagegen die Stärke der Broadway Blueshirts bei Spielen unter freiem Himmel: Die Rothosen gewannen nach Siegen über die Philadelphia Flyers (2012, Winter Classic), New Jersey Devils und New York Islanders (beide 2014, Stadium Series) bereits ihr viertes Freiluft-Spiel. Rangers-Coach Alain Vigneault ist zudem der erste Trainer überhaupt, der drei Open-Air-Partien gewinnen konnte und nebenbei seinen insgesamt 635. NHL-Sieg einfuhr.


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Der König unter freiem Himmel ist und bleibt aber Torwart Henrik Lundqvist, der bislang in vier Outdoor-Spielen startete und alle vier gewinnen konnte. Der 35-Jährige stoppte an diesem Abend 31 Schüsse und hatte eine Fangquote von 93,9 Prozent. Mit seinem insgesamt 423. NHL-Sieg zog der Schwede mit Toni Esposito gleich und belegt Rang acht.

Ungebrochene Begeisterung

Auf dem Weg zum Ur-Winter-Classic und der 10. Jubiläumsausgabe sind viele Parallelen aber auch Unterschiede zu erkennen. Was definitiv gleich geblieben ist, ist die Begeisterung bei den Teilnehmern. "Was für eine großartige Atmosphäre für unser Team und unsere Fans", schwärmte Sabres-Coach Phil Housley. "Jeder war gespannt und hat sich auf dieses Spiel gefreut. Wir haben alle diese Emotionen für die Partie gebündelt", so der Österreicher Michael Grabner, einer der Torschützen für New York. Und Matchwinner Miller? "Es ist ein ziemlich surrealer Moment. Vor 40.000 Menschen - das ist etwas, davon kannst du nur träumen. Es war der Hammer und alles, was ich mir erhofft habe."

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