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Wie alles begann

von Bernd Roesch / NHL.com

Die ältesten Sportfeste fanden vor über 4000 Jahren statt. Uns allen bekannt sind die antiken Spiele in Griechenland. Schon damals spielte der Wettkampf unter Nationen, in diesem Fall unter den griechischen Stadtstaaten, eine gewichtige Rolle. Es gibt wohl kaum einen Spitzensportler, der nicht den Wunsch hegt, sich auch international messen zu dürfen - und das mit den Besten der Besten.

Im September 2016 werden beim World Cup of Hockey wieder die besten Eishockeyspieler der Welt aufeinandertreffen. Der WCOH ist der Nachfolger des von 1976 bis 1991 fünfmal ausgetragenen Canada Cups, für den sich die sechs besten Eishockeynationen qualifiziert hatten. Vier Jahre vor dem ersten Canada Cup kam es bei der Summit Series 1972 zu einem in der Eishockeyszene weltweit beachteten Aufeinandertreffen der zwei stärksten Eishockeynationen.

Seit Anfang der 60er Jahre dominierte die Eishockeynationalmannschaft der Sowjetunion alle wichtigen internationalen Turniere. Zwischen 1963 und 1990 wurden sie 20 Mal Eishockeyweltmeister, von 1963 bis 1971 neunmal in Folge. Bei den Olympischen Winterspielen 1964, 1968 und 1972 hatte die Sbornaja jeweils Gold gewonnen. Dennoch blieb zu dieser Zeit die Frage offen, ob das sowjetische Team wirklich die stärkste Eishockeymannschaft ist. Die IOC-Ausschlussregelung, die Profis von der Teilnahme an Olympischen Spielen ausschloss, hatte zur Folge, dass Kanada, das lange Zeit als beste Eishockeynation galt, nicht auf seine stärksten Spieler zurückgreifen konnte, da diese in der NHL ihr Geld verdienten. Auch eine Teilnahme an den IIHF-Weltmeisterschaften war den NHL-Cracks bis 1977 nicht gestattet.

Im Jahre 1969 wurde Hockey Canada gegründet. Die Organisation sollte die internationalen Auftritte einer kanadischen Nationalmannschaft in Kooperation mit der National Hockey League und den Amateurligen koordinieren. Der Internationale Eishockeyverband (IIHF) stimmte zunächst einem für ein Jahr gültigen Versuch zu, der es den Kanadiern erlaubte neun Profis für ihre Nationalmannschaft zu nominieren. 1970 wurde diese Regelung vom IIHF wieder außer Kraft gesetzt und Kanada boykottierte daraufhin sämtliche IIHF-Turniere.

Nachdem die kanadische Botschaft in Moskau erfahren hatte, dass die Sowjetunion nach einer neuen Herausforderung im Eishockey sucht und die Sowjets auch bereit sind gegen kanadische Profis anzutreten entstand die Idee der Summit Series. Im Frühjahr 1972 einigten sich Hockey Canada und der Sowjetische Eishockeyverband auf das Regelwerk nach welchem das beste Eishockeyteam der Welt ermittelt werden solle. Der Sieger der Serie sollte in acht Partien, vier in Kanada und vier in Russland, ausgespielt werden. Gespielt wurde nach den internationalen Eishockeyregeln. Zum Trainer der kanadischen Auswahl wurde Harry Sinden ernannt, bei der Sowjetunion übernahm Vsevolod Bobrov den Posten hinter der Bande.

Sinden war ebenfalls für die Zusammenstellung des kanadischen Kaders zuständig, und mit Beginn des Trainingscamps, am 13. August 1972, war 'Team Canada' geboren.

In Nordamerika glaubte niemand daran, dass die sowjetische Auswahl auch nur den Hauch einer Chance gegen das mit NHL-Profis bestückte kanadische Team habe. Am 2. September war es dann endlich soweit: im Montreal Forum erklangen zum ersten Mal die beiden Nationalhymnen und der Wettkampf, der ganz Kanada in den Bann zog, konnte beginnen.

Es waren gerade einmal 30 Sekunden gespielt, als der sojetische Torhüter Vladislav Tretiak zum ersten Mal den Puck hinter sich aus dem Netz holen musste. Gut sechs Minuten später hieß es 2-0 nach einem harten aber harmlos wirkenden Schuss von Paul Henderson. Die Prophezeiungen, dass die Eishockeyamateure aus dem Osten unter gehen würden, schienen sich zu bestätigen. Doch weit gefehlt: Noch vor der ersten Pause kam die Sbornaja zurück und egalisierte durch Treffer von Evgeny Zimin und Vladimir Petrov den Spielstand. Nun war der Bann gebrochen und die sowjetische Eishockeymaschinerie begann zu laufen. Dem präzisen Kombinationsspiel der Gäste hatten die Kanadier nur noch wenig entgegenzusetzen. Sie schöpften nur noch einmal kurz Hoffnung als Bobby Clarke nach dem Doppelschlag von Valeri Kharlamov auf 3-4 verkürzen konnte. Boris Mikhailov, erneut Zimin und Alexander Yakushev stellten schließlich vor geschockten gut 18.000 kanadischen Fans den 7-3 Endstand her.

Die kanadische Auswahl hatte ihre Lektion aus dem ersten Aufeinandertreffen gelernt und trat im zweiten Spiel wesentlich konzentrierter und dominanter auf. Mit 4-1 Toren behielten sie im Maple Leaf Gardens von Toronto die Oberhand. Spiel 3 in Winnipeg endete, nachdem die Kanadier zweimal einen 2-Tore Vorsprung verspielt hatten, mit einem 4-4 Unentschieden. In der vierten Partie wurden die Hausherren erneut überrumpelt und unter den gut 15.000 Fans im Pacific Coliseum von Vancouver machte sich schnell Unmut breit. Nach acht Spielminuten lag Team Canada bereits mit 0-2 im Hintertreffen und bis zur zweiten Pause bauten die Sowjets ihren Vorsprung auf 4-1 aus. Diesen konnten sie dank eines überragenden Tretjak im Tor über die Zeit retten. Tretjak hielt im Schlussabschnitt 21 von 23 Torschüsse der Kanadier. Durch den 5-3 Erfolg konnte die Sowjetauswahl mit 2-1 Siegen die Heimreise nach Moskau antreten. Spiel 5 ging mit 5-4 Toren erneut an die Sowjetunion, Spiel 6 und 7 gewannen die Kanadier mit 3-2 und 4-3. Somit kam es am 28. September 1972 im Luzhniki Eispalast der sowjetischen Hauptstadt zum Showdown, bei dem auch ein deutscher Eishockeyschiedsrichter in den Mittelpunkt des Geschehens rücken sollte.

Fortsetzung folgt.

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