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Wie alles began – Teil 2

von Bernd Roesch / NHL.com

Jede NHL-Saison bietet eine Vielzahl an Highlights, Stories und Geschichten über eingestellte Bestmarken. Die Spielzeit 2016/17 wird, auch wenn sie noch weit entfernt liegt, durch die Wiederbelebung des World Cup of Hockey eine besondere werden.

Im September 2016 vertreten die NHL-Stars ihre Länder bei einem mit großer Vorfreude erwartetem internationalen Turnier - dem ersten seiner Art seit 2004. Die teilnehmenden Länder sind Kanada, die Vereinigten Staaten, Russland, Finnland, Schweden und Tschechien sowie Team Europa und Team Nordamerika. Über das ganze Jahr hinweg hält dich NHL.com/de up-to-date mit den wichtigsten News und historischen Geschichten zu diesem, die kommende Saison prägenden, Event.


Die Summit Series 1972 zählt wie der Canada Cup zu den Vorgängern des World Cup of Hockey, der im September 2016 zum dritten Mal nach 1996 und 2004 ausgetragen wird. Bei der Summit Series trat die sowjetische Nationalmannschaft gegen eine mit NHL-Spielern gespickte kanadische Auswahl an.

Die ersten vier Spiele fanden in Montreal, Toronto, Winnipeg und Vancouver, die restlichen vier Aufeinandertreffen im Luzhniki Eispalast von Moskau statt. Nach vier Partien lag die Sbornaja mit 2-1-1 vorne, vor der alles entscheidenten achten Begegnung stand es 3-1-3, nachdem die Kanadier Spiel 6 und 7 für sich entscheiden konnten.

Da die Sowjetunion ein um ein Tor besseres Torverhältnis auswies, musste Team Canada das letzte Spiel unbedingt gewinnen, um die Serie für sich zu entscheiden.

Was folgte war ein Eishockeyspiel, das Geschichte schreiben sollte. 3000 Kanadier waren unter den 15.000 Zuschauern im Eispalast und unterstützten ihr Team. Sie sollten ihre Reise nicht bereuen.

Zuhause in Kanada waren am 28. September 1972 die Straßen wie leergefegt. Wer auch immer die Möglichkeit hatte, suchte sich einen TV-Apparat auf dem er das Spiel verfolgen konnte. An den Schulen wurde der Unterricht unterbrochen und die Klassen schauten sich das Spiel gemeinsam an.

Vorlesungen an den Universitäten wurden nach hinten verschoben und auch der eine oder andere Arbeitgeber mit Eishockeyherz ließ seine Angestellten im Büro dieses Sportereignis verfolgen. Das TV-Signal wurde per Satellit von Moskau über Helsinki und London nach Kanada geschickt, so dass es immer wieder zu Bild- und Tonunterbrechungen kam. Der Faszination tat dies aber keinen Abbruch.

Schon in den Partien zuvor hatten sich die Kontrahenten nicht als Kinder von Traurigkeit vorgestellt und handelten sich immer wieder, ihrer Übermotivation geschuldet, dumme Strafzeiten ein. Äußerst turbulent begann auch Spiel 8, in dem schon früh die Emotionen überkochten - vor allem auf kanadischer Seite.

Auch für einen Deutschen war dieses Spiel einer der Höhepunkte seiner langen, erfolgreichen Karriere als Eishockeyspieler und Schiedsrichter. Josef Kompalla wurde drei Jahre, nachdem er seine Spielerkarriere beendet hatte und Schiedsrichter des DEB wurde, die Ehre zuteil diese Partie zu pfeifen. Kompalla sollte früh im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Nach zwei Niederlagen in Folge begannen die Hausherren stürmisch. Bereits nach zehn Sekunden prüften sie zum ersten Mal den kanadischen Schlussmann Ken Dryden.

Die Nordamerikaner bekamen keinen Zugang zum Spiel und nach 145 Sekunden musste auch schon der erste Kanadier auf der Strafbank Platz nehmen. Nur 36 Sekunden danach erwischte es auch Peter Mahovlich wegen Haltens. Diese 5-gegen-3 Überzahlsituation nutzte die Sbornaja eiskalt aus und ging mit 1-0 in Front. Im Nachschuss aus kurzer Distanz hatte Alexander Yakushev die Scheibe hinter Dryden im Netz versenkt.

Nur 10 Sekunden nach dem Führungstor musste auch mit Petrov der erste Russe auf der Strafbank Platz nehmen.

Als dann kurz darauf Kompalla, meiner Meinung nach völlig zu Recht, zwei Strafminuten gegen J.P. Parise wegen Behinderung verhängte, eskalierte das Geschehen. Parise konnte sich mit der Strafe nicht abfinden: Während Phil Esposito als Assistenzkapitän mit dem deutsch-tschechischen Schiedsrichtergespann diskutierte, schlug Parise immer wieder wütend mit seinem Schläger aufs Eis und dachte gar nicht daran sich auf die Strafbank zu bequemen, so dass gegen ihn auch noch eine 10-minütige Disziplinarstrafe verhängt wurde.

Jetzt ließ er erst richtig seinem Ärger freien Lauf, lief auf Kompalla zu, holte mit dem Schläger aus und deutete einen Schlag in Kopfhöhe gegen den deutschen an. Die Folge war eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Erst nach zehn Minuten, in denen vor allem auf der kanadischen Seite kräftig diskutiert wurde, konnte die Partie fortgesetzt werden.

In der Folgezeit konzentrierten sich die Kontrahenten wieder mehr aufs Eishockey spielen und es ging mit einem 2-2 Unentschieden in die erste Pause. Der zweite Durchgang verlief deutlich disziplinierter mit leichten spielerischen Vorteilen der Russen. Vor allem im Abschluss zeigte sich die Sbornaja effektiver und führte nach 40 Minuten mit 5-3.

Den Gästen spielte in den Karten, dass Esposito früh im Schlussabschnitt der Anschlusstreffer gelang. Fortan waren sie das dominante Team, das den russischen Torwart Vladislav Tretiak immer wieder auf die Probe stellte. Knapp acht Minuten vor Spielende konnte Tretiak Espositos Schuss nur abprallen lassen und Yvan Cournoyer markierte den Ausgleich.

Noch einmal zur Erinnerung: Ein Unentschieden hätte der kanadischen Mannschaft nicht gereicht um die Serie zu gewinnen.

Dementsprechend versuchte die Sowjetunion das Remis über die Zeit zu retten und die Kanadier machten weiterhin Druck bis Paul Henderson 34 Sekunden vor Spielende zum Held einer ganzen Nation wurde. Die Sowjets brachten die Scheibe nicht aus dem eigenen Drittel und Henderson tauchte von hinter dem Tor kommend rechtzeitig vor Tretiak auf um die Scheibe zum 6-5 Endstand reinzuschieben.

Im Mutterland des Eishockeys brach nun ein kollektiver Torjubel aus, über den jeder Kanadier, der ihn damals live miterlebt hat, seine ganz persönliche Geschichte erzählen kann.

Bei der Summit Series hat aber nicht nur Team Kanada gewonnen sondern der ganze Eishockeysport!

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