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Was ist los in Buffalo?

von Bernd Roesch / NHL.com

Jeder NHL-Club machte im Laufe seiner Geschichte einmal eine Phase durch, in der es nicht so gut lief, in der das Erreichen eines Playoffplatzes schon früh in weite Ferne gerückt war. Es war bei weitem kein primäres Saisonziel der Sabres in diesem Jahr unter die besten Acht im Osten zu kommen.

Nachdem sie in der Spielzeit 2011/12 in der Endabrechnung um knappe drei Zähler die Playoffs verpasst hatten, entschloss sich das Management zu den ersten Schritten, die man so gerne, einen Neuaufbau nennt. Die darauffolgende Spielzeit schlossen sie als Letzter der Northeast Division ab, belegten aber ligaweit immerhin noch Rang 21, punktgleich mit den New Jersey Devils und den Dallas Stars. Schon während der Saison mussten, um nur zwei zu nennen, Rechtsaußen Jason Pominville und Verteidiger Jordan Leopold ihre Koffer packen. Es wurden nun weitere Leistungsträger im Sommer 2012 abgegeben. Im Februar 2013 musste schließlich auch ihr langjähriger Headcoach Lindy Ruff, der seit 1997 16 Jahre lang die sportlichen Geschicke der Sabres leitete, seinen Hut ziehen. Mit Ron Rolston, zunächst als Interimstrainer und dann als Hauptverantwortlicher, sollte ein Neuanfang begonnen werden. Viel Zeit bekam der 49-Jährige Eishockeylehrer nicht: Bereits im November 2013, die Sabres hatten nur vier der ersten 20 Saisonpartien gewonnen, wurde Rolston beurlaubt und durch Ted Nolan für die verbleibenden 62 Spiele ersetzt (17-36-9).

Während der Spielzeit 2013/14 bekam die Mannschaft ein komplett anderes Gesicht: Fünf Spieler mussten gehen, darunter der österreichische Topstürmer Thomas Vanek und ihr langjähriger Stammtorwart Ryan Miller. Sieben Spieler holten sich die Sabres von anderen Teams. Mit dabei war auch Matt Moulson, der erst von den NY Islanders kam, 44 Partien in Buffalo bestritt, und dann an die Minnesota Wild, bei denen er bis Saisonende blieb, weitergegeben wurde. Mittlerweile gehört der 31-jährige Linksaußen (47 Spiele, 7 Tore, 13 Assists) wieder zum Kader der Sabres. Von Buffalos weiteren sechs Neuzugängen aus der Saison 2013/14 spielen vier in diesem Jahr nicht mehr in der NHL: Matt D'Agostini (Servette Genf), Cory Conacher (Bridgeport Sound Tigers, AHL), Zenon Konopka (Karriereende) und Linus Omark - durchaus erfolgreich - bei Jokerit Helsinki in der KHL. Und wie sieht die Bilanz der Verbliebenen aus? Man dürfte sich von Center Torrey Mitchell (38 Spiele, 3 Tore, 4 Assists), Rechtsaußen Chris Stewart (48 Sp., 9 T, 9 A) und Schlussmann Michal Neuvirth (18 Sp., GAA 3,99, Fangquote 90,7%) durchaus mehr erwartet haben.

50 Spiele haben die Sabres in dieser Saison unter der Regie von Nolan bestritten. Mit 31 gewonnenen Punkten ist ihre Ausbeute in Prozent (31,0%) sogar noch schlechter als die unter Nolan im Vorjahr (34,7%).

Schaut man sich die Bilanz der Sabres in diesem Kalenderjahr an, dann schaut ihre Situation noch dramatischer aus: Sie haben 2015 noch keinen einzigen Punkt gewonnen. Ihr letzter Sieg datiert vom 27.12.2014, seitdem setzte es 14 Mal hintereinander nur Niederlagen für sie. Buffalo verfügt mit 94 Toren über den schlechtesten Sturm der Liga, mit 179 kassierten Treffern über die schlechteste Abwehr. Man kann stark davon ausgehen, dass sie mit einem Torverhältnis von aktuell -85 ihren Negativrekord von -91 aus der Saison 2013/14 noch unterbieten werden. Buffalos bester Scorer Tyler Ennis rangiert mit seinen 30 Punkten auf Platz 95 unter allen Spielern in der NHL.

Teameigner Terry Pegula und General Manager Tim Murray verhalten sich angesichts der Erfolglosigkeit ihres Teams noch ruhig. Haben sie mit solchen Misserfolgen, wenn auch nicht in der Summe, bereits vor der Saison gerechnet? Murray bleibt auf jeden Fall standfest bei seinem Umbauvorhaben. In einem Interview gegenüber nhl.com hat er schon angekündigt, dass er zur Trading Deadline keinen Spieler ohne Gegenleistung, die sein Team voranbringt, ziehen lässt. Andererseits darf sich auch kein Spieler seiner Sache sicher sein, dass er im nächsten Jahr noch in Buffalo unter Vertrag steht. Was jedoch schon so gut wie sicher ist: Die Sabres haben, als Letzter in der Abschlusstabelle, beim anstehenden NHL Draft Anspruch auf einen der ersten zwei Züge und werden sich vermutlich für Connor McDavid oder Jack Eichel entscheiden.

Ein großes Lob gilt den Anhängern der Sabres, die immer noch in Scharen deren Heimspiele besuchen. Im Schnitt kommen über 18.300 Zuschauer in das First Niagara Center. Das sind nur gut 100 weniger als in der Saison 2010/11, in der sie zum letzten Mal in die Playoffs einziehen konnten.

Ich würde meine Hand ins Feuer legen, dass kein einziger Spieler der Sabres absichtlich schlecht spielt oder verliert. Wer von ihnen möchte schon damit in die Geschichtsbücher eingehen, dass er einem Team angehörte, das eine Negativserie nach der anderen aufgestellt hat. Nur dreimal verlor in der NHL-Historie bisher eine Mannschaft noch häufiger hintereinander als die 2015er Sabres. Noch vier weitere Niederlagen und die Sabres haben in dieser 'Disziplin' die 'Bestmarke' inne.

Bereits heute Nacht, wenn es für sie gegen die Montreal Canadiens geht, können sie diese Schmach vorzeitig verhindern. Es wäre ein erster, wenn auch schwerer Schritt von vielen auf einem langen steinigen Weg zu alten erfolgreicheren Zeiten.

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