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Über sieben Spiele

von Bernd Roesch / NHL.com

Die Chicago Blackhawks konnten mit dem Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, umgehen. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 gehen beide Conference Finale der NHL über die volle Distanz.

Heute Nacht schlug Chicago im heimischen United Center die Anaheim Ducks mit 5-2 Toren und erzwang damit ein Spiel 7 im Western Conference Finale.

Auch in der Eastern Conference wird sich der Stanley Cup Finalist erst im siebten Aufeinandertreffen zwischen den Tampa Bay Lightning und den New York Rangers herauskristallisieren.

Knapp 72 Stunden bleiben den Kontrahenten im Westen, um sich auf den am Samstagabend im Honda Center von Anaheim stattfindenden Showdown vorzubereiten.

Dann geht es für beide Teams um alles oder nichts, geht es darum, ob sie, trotz guter Leistungen in den Playoffs 2015, in Vergessenheit geraten oder im Stanley Cup Finale, als Gegner des Eastern Conference Champions, Eintrag in die Geschichtsbücher finden werden.

Man darf davon ausgehen, dass auch die entscheidende siebte Partie zwischen den Ducks und Blackhawks eine knappe Angelegenheit werden wird.

Vier ihrer bisherigen sechs Aufeinandertreffen endeten mit einem Tor Unterschied, dabei fiel dreimal die Entscheidung erst in der Verlängerung. Auch in der gestrigen Begegnung ging es deutlich enger zu, als der Endstand, mit drei Toren Unterschied zugunsten der Blackhawks, vermuten lässt.

Die Gäste aus Anaheim waren sowohl im noch torlosen ersten Spielabschnitt als auch im letzten Drittel das aktivere Team.

Sie brachten mehr Schüsse aufs Tor als die Hausherren und fuhren in der Summe auch mehr Checks zu Ende. Bis 3 1/2 Minuten vor Spielschluss war für die Kalifornier noch alles möglich gewesen, dann schlug Andrew Shaw doppelt zu und die Partie war gelaufen.

Es ist müßig darüber zu spekulieren, wie das Spiel wohl ausgegangen wäre, hätten die Ducks zu Beginn des dritten Drittels ihre Überzahlsituation, kurz nach dem Anschlusstor von Clayton Stoner, zum Ausgleich nutzen können. Letztendlich waren die drei Gegentreffer, die sie zur Mitte des zweiten Durchgangs innerhalb von 227 Sekunden einstecken mussten, ein nicht zu stemmender Ballast.

Chicagos Trainer Joel Quenneville hatte wieder einmal in die Trickkiste gegriffen und seine zwei Topstürmer, Patrick Kane und Jonathan Toews, zusammen mit Brandon Saad in einer Reihe aufgestellt. Eine Maßnahme, die sich auszeichnen sollte:

Chicagos erste Angriffsformation stand beim 1-0 Führungstreffer von Saad und beim Game Winning Goal von Kane auf dem Eis.

Für den rechten Außenstürmer war es das zehnte Playoff-Siegtor in seiner NHL-Karriere. Nur Bobby Hull und Stan Mikita konnten in Chicagos langer Franchisehistorie mehr Gamewinner für die Blackhawks erzielen als der 26-Jährige.

Quenneville teilte nach der Partie mit, dass ihm die Entscheidung Kane und Toews in einer Reihe auflaufen zu lassen, leicht gefallen war:

"Sie sind begnadete Spieler. Sie sind in Topform. Sie können ein hohes Tempo gehen und sie sind Führungspersönlichkeiten. Wir lagen in der Serie hinten. Ein Sieg musste her. Wir waren dazu gezwungen, es zu versuchen. Was einem dann noch bleibt ist abzuwarten, ob die Taktik wirklich aufgeht."

Sie ging auf!

Den Blackhawks genügte in diesem Jahr nicht zum ersten Mal ein ganz starkes Drittel, um das Eis als Sieger verlassen zu können:

Bereits fünfmal zuvor waren ihnen in einer Playoffpartie drei Tore innerhalb eines Spielabschnitts gelungen. Die Ducks hätten eigentlich gewarnt sein müssen, auch davor, dass sich die Blackhawks in Spiel 6 einer Playoffserie zurückmelden, wenn sie mit 2-3 hinten liegen.

In den letzten vier Jahren war ihnen das schon dreimal geglückt. Jedoch konnten die Blackhawks nur einmal, 2013 in der zweiten Runde auf dem Weg zu ihrem Stanley Cup Triumph, ein entscheidendes Spiel 7 für sich entscheiden.

Im vergangenen Jahr scheiterte Chicago im siebten Spiel des Western Conference Finales an den Los Angeles Kings. Quenneville spricht von der "bittersten Niederlage, die sie jemals kassiert haben". Daran möchten sie aber keinen Gedanken verschwenden. Toews gibt sich selbstbewusst:

"Es ist der ultimative Test für jeden Spieler, selbst zu erkennen, wie man mit dem enormen Druck umgehen kann. Ein Spiel 7 ist faszinierend. Wir verfügen über ausreichend Erfahrung und sind zuversichtlich, dass wir einen Weg finden werden, dass es diesmal klappt."

Auch Anaheim kann auf eine Reihe von Serien, die über sieben Spiele gingen, verweisen. Sie mussten sich in den vergangenen zwei Jahren in der ersten und zweiten Runde aus den Playoffs verabschieden nachdem sie jeweils mit 3-2 Siegen geführt hatten.

"Daran wird sich keiner mehr erinnern, wenn wir am Samstag rausgehen, gewinnen und dann im Stanley Cup Finale stehen", ist sich Ducks Stürmer Kyle Palmieri sicher.

Unterstützung bekommt er von Patrick Maroon, dem Schützen des Powerplaytreffers zum 1-3:

"Wir waren heute nicht besonders gut, doch am Samstag ist ein neuer Tag. Wir werden uns auf diesen konzentrieren und deutlich besser auftreten."

Dieses Spiel 7, bei dem jeder Protagonist mit dem Bewusstsein antreten wird, dass es die große Chance ist ein Stanley Cup Finale zu erreichen, sollte niemand verpassen.

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