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Tradition muss bangen

von Bernd Roesch / NHL.com

Laut unserer aktuellen Umfrage wünschen sich über 40 Prozent der Leser ein Stanley Cup Finale zwischen den New York Rangers und den Chicago Blackhawks. Ein solches Duell zwischen zwei 'Original Six' Teams sorgt immer für besondere Emotionen, sei es auf oder auch neben dem Eis. Aktuell liegen beide Mannschaften in ihren Conference Finals mit 2-3 Siegen im Hintertreffen. Den Tampa Bay Lightning und Anaheim Ducks fehlt nur noch ein weiterer Triumph, um zum zweiten bzw. dritten Mal in ihren Franchisehistorien das Stanley Cup Finale zu erreichen. Der letzte Sieg ist in einer Finalserie jedoch immer der schwerste. Fragen Sie einmal nach bei den Washington Capitals, denen im Eastern Conference Halbfinale gegen die Rangers eine 3-1 Führung nach Siegen nicht ausreichte oder bei den Detroit Red Wings, die in der ersten Playoffrunde mit 3-2 gegen Tampa in Front lagen, ehe sie zweimal in Folge verloren.

Auch die Blackhawks haben schon mehrfach bewiesen, dass sie über ein Kämpferherz verfügen, zuletzt in der Nacht von Montag auf Dienstag. In dieser aufregenden, spannenden Partie gegen die Ducks lagen sie nach 20 Minuten bereits mit 0-3 im Hintertreffen. Wer nun glaubte dieses Spiel sei zugunsten der Hausherren vorzeitig entschieden, sah sich getäuscht. Nun hatten die Blackhawks nichts mehr zu verlieren und kamen wie verwandelt aus der Kabine. Die Mannschaft von Joel Quenneville spielte die Kalifornier, die sich ihrer Sache wohl schon zu sicher gewesen waren, regelrecht an die Wand. 13 zu 5 lautete im Mittelabschnitt das Torschussverhältnis zugunsten der Gäste. Ein herausragender Teuvo Teravainen läutete die Aufholjagd der Blackhawks mit einem Treffer und einem Assist ein. Der 20-jährige Rookie absolvierte die beste Playoffpartie in seiner noch jungen Karriere, konnte sich über seine Vorstellung jedoch nur bedingt freuen: "Jeder von uns musste einen Zahn zulegen [nach dem ersten Drittel]. Ich hatte die die Chance zu schießen, schoss und er ging rein. Wir waren zurück im Spiel. Das fühlte sich schon gut an, aber am Ende war es egal, denn wir haben dieses Spiel verloren." "Ich zolle seiner Leistung Anerkennung. Diese Sturmreihe hat uns nach vorne gepuscht. Er hat einen wichtigen Treffer geschossen", lobte Quenneville den jungen finnischen Center.

In die Karten der Blackhawks spielte auch das späte Anschlusstor von Brent Seabrook, der zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt, als im zweiten Durchgang nur noch 25 Sekunden auf der Uhr standen, traf. Nun war klar, es ist noch alles möglich und die Hawks machten es im letzten Drittel der regulären Spielzeit wahr. Auch als Patrick Maroon gut fünf Minuten vor Spielende den alten 2-Tore Vorsprung wiederherstellen konnte, gaben die Blackhawks nicht auf und schossen aus allen Rohren auf das von Frederik Andersen gehütete Gehäuse ihrer Gastgeber. Die Zeit lief ihnen davon und Hitchcock nahm Corey Crawford für einen weiteren Feldspieler aus dem Tor. Eine Maßnahme, die sich in den letzten 110 Sekunden nicht nur ein- sondern zweimal auszeichnen sollte. Jonathan Toews schoss mit seinen Playoff-Toren sechs und sieben Chicago in die Verlängerung. Diese währte jedoch nur 45 Sekunden bis Anaheims Torjäger Matt Beleskey Chicagos erfolgreicher Aufholjagd ein jähes Ende bescherte.

Ein sichtlich enttäuschter Toews blickte nach dieser bitteren Niederlage nach vorne und zog ein positives Resümee: "Ich denke wir haben gezeigt, dass wir jederzeit in der Lage sind uns am eigenen Schopfe aus der Misere zu ziehen. Wir hatten auch das Gefühl, dass wir dieses Spiel nun in der Hand haben. Es ist schon unglücklich gelaufen, dass wir am Ende davon nicht profitieren konnten."

Die Ducks sind gewarnt! "Wir spielen gegen eine Topmannschaft, die zu keinem Zeitpunkt aufgibt. Zweimal haben wir in der Verlängerung gegen sie verloren. Heute wollten wir unbedingt gewinnen. Wir sind aus der Kabine gekommen [zur Overtime] und haben früh das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben", schilderte Ryan Getzlaf die Situation, in der sie sich befanden. Getzlaf steuerte dem Overtimesieg zwei Assists bei und brach mit nun 19 Playoff-Scorerpunkten seine 2009 aufgestellte Franchisebestmarke von 18 Zählern. Anaheim hat in diesem Jahr noch keine Playoffpartie in der regulären Spielzeit verloren. 14-0 lautet ihre eindrucksvolle Bilanz, mit der sie den im Jahre 1979 von den New York Rangers aufgestellten NHL-Playoffrekord einstellen konnten.

Nun geht die Serie wieder zurück nach Chicago, wo am kommenden Mittwoch die Blackhawks mit Unterstützung ihrer Fans diese enge Serie erneut ausgleichen möchten. Ob es ihnen bereits in der regulären Spielzeit oder, wie schon zweimal zuvor, in der Verlängerung gelingen möge, das dürfte ihnen egal sein.

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