Skip to main content

Tom Kühnhackl und Mirco Müller sind die letzten Mohikaner

von Stefan Herget / NHL.com

Noch während der regulären Saison kurz vor den Playoffs hatte NHL.com/de seine Leser befragt, welcher deutschsprachige Spieler als Nächstes den Stanley Cup gewinnen würde. Immerhin 32,42% tippen damals auf dem ersten Platz Tom Kuhnhackl von den Pittsburgh Penguins noch vor Roman Josi von den Nashville Predators (24,49%) und überraschend erst auf dem dritten Platz Philipp Grubauer vom großen Favoriten Washington Capitals (16,97%).

Die Leser bewiesen mehrheitlich Sachverstand, denn Kühnhackl ist mit den Penguins noch im Rennen und steht im Eastern Conference Finale den Tampa Bay Lightning gegenüber, während sich andere bereits im Sommerurlaub befinden oder bei der IIHF Weltmeisterschaft in Russland ihre Nation vertreten.

In den Playoffs in seinem ersten Jahr in der NHL so weit zu kommen, ist für den bereits 24-jährigen Landshuter ein großes Geschenk. Schließlich brauchte er eine lange Anlaufzeit, ehe er sich endlich in der besten Liga bewehren durfte, obwohl ihm schon frühzeitig ein großes Talent nachgesagt wurde.

Bereits 2010 als 18-jähriger Junge ging Kühnhackl, der aufgrund der Karriere und nicht zu übersehenden Erscheinung seines Vaters Erich einen berühmten Namen trägt, nach Nordamerika.

Erich Kühnhackl könnte man fast als Franz Beckenbauer des deutschen Eishockeys bezeichnen, doch während Beckenbauers Söhne im Fußball minder erfolgreich waren, könnte Tom die Karriere seines Vaters, der nie selbst in der NHL spielte, übertreffen, wenn er den Stanley Cup als dritter deutscher Spieler nach Uwe Krupp (1996, 2002) und Dennis Seidenberg (2011) in die Luft stemmen würde.

Was anderen Spielern gerade einmal nach mehreren Jahren Anlauf und anderen in teilweise über 20 Jahre NHL-Karriere überhaupt nicht gelingt, könnte für Kühnhackl schon bald Realität werden. Es wäre die Krönung einer Laufbahn, die in jungen Jahren schon so viele Rückschläge und Entbehrungen mitgemacht hat. Schließlich ist ein dickes Fell nötig, nahezu sechs Jahre seinen Weg durch Juniorenligen und AHL zu bestreiten und weiterhin geduldig mit hoher Motivation auf seine Chance für die NHL hinzuarbeiten.

Die Penguins wissen, was sie an Kühnhackl haben und sollte es in diesem Jahr nicht mit dem Stanley Cup klappen, wird im kommenden Jahr ein weiterer Anlauf gestartet. Seinen Vertrag hat der deutsche Linksaußen am 14. März dieses Jahres für weitere zwei Spielzeiten in Pittsburgh verlängert und damit die Grundlage dafür geschaffen.

Neben Kühnhackl ist noch Mirco Muller von den San Jose Sharks im Rennen, dass der Stanley Cup in diesem Jahr wenigstens ein paar deutsche Worte zu Ohren bekommt. Der 21 Jahre junge in Winterthur gebürtige Verteidiger hält die Farben seines Schweizer Landes hoch, nachdem seine berühmten Landsleute Mark Streit oder Roman Josi bereits aus dem Rennen sind.

Müller steht zwar im Kader der Sharks, zu einem Einsatz in den Playoffs kam er aber bislang noch nicht. Elf Mal wurde er in der regulären Saison eingesetzt und erst im April stieß er wieder zum NHL-Team. Es wäre ihm zu wünschen, dass er wieder auflaufen darf, aber derzeit sind die Positionen in der Verteidigung von San Jose vor dem Start in das Western Conference Finale gegen die St. Louis Blues am Sonntag besetzt.

So gerne Müller natürlich spielen würde, alleine so lange in den Playoffs dabei zu sein, ist eine tolle Erfahrung für ihn in seinen jungen Jahren. Die Zukunft liegt noch vor ihm. Sollte San Jose der große Coup gelingen, würde der Name Müller ohne Einsatz in den Playoffs wohl nicht auf dem Cup verewigt, ein Bestandteil der Mannschaft wäre er aber trotzdem.

Immerhin 7,98% hatten in der Umfrage auf einen anderen Spieler außer die genannten Kühnhackl, Josi, Grubauer, Streit und Michael Raffl, Christian Ehrhoff und Korbinian Holzer getippt und dabei zumindest teilweise an Müller gedacht.

Mehr anzeigen