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Tom Kühnhackl erfüllt sich den Traum vom Cup

von Axel Jeroma / NHL.com

Ein Kindheitstraum ist wahr geworden: Abgekämpft, glücklich und stolz stand Tom Kuhnhackl im SAP Center von San Jose. Gerade hatten er und seine Mannschaftskameraden der Penguins das Spiel 6 und damit die Finalserie um den Stanley Cup 2016 gegen die San Jose Sharks für sich entschieden. Damit zählt der junge Mann aus Niederbayern fortan zu den ganz Großen – nicht nur im Eishockey, sondern im gesamten deutschen Sport.

Als Kühnhackl am 9. Januar dieses Jahres in der Begegnung der Penguins bei den Montreal Canadiens in der NHL debütierte, war ein solcher Triumph in keinster Weise absehbar. Die Penguins hatten ihrer Kundschaft in den ersten drei Monaten der Hauptrunde derart fade Kost offeriert, dass die angestrebte Teilnahme an den Playoffs zu diesem Zeitpunkt ernsthaft gefährdet schien. General Manager Jim Rutherford reagierte und leitete das Amtsenthebungsverfahren gegen Coach Mike Johnston ein. Mike Sullivan, der neue Mann an der Bande, und Rutherford sahen sich auf der Suche nach Verstärkungen auch bei der AHL-Filiale Wilkes-Barre/Scranton Penguins um. Sie stießen auf Tom Kühnhackl und entschlossen sich, den jungen Mann aus Bayern zu befördern und im NHL-Team auflaufen zu lassen. Ein Glücksfall für alle Beteiligten.

Auch wenn Kühnhackl zunächst einmal einen Kulturschock erlitt, wie er freimütig einräumte. "Die Spielgeschwindigkeit in der NHL war viel höher als alles, was ich bisher kannte. In der AHL konnte man den Puck in Ruhe annehmen, schauen und abspielen. In der NHL funktionierte das nicht. Da waren die Verteidiger sofort an mir dran und attackierten mich."

Doch Kühnhackl gewöhnte sich schnell an das höhere Tempo und die härtere Gangart. Fünf Wochen nach seiner Premiere trug er sich das erste Mal in die Torschützenliste ein – mit einem Shorthander zum zwischenzeitlichen 1-3- bei der 2-4-Niederlage gegen die Tampa Bay Lightning. Es war kein Zufall, dass der Treffer ausgerechnet bei Unterzahl der Penguins zustande kam. Denn bei numerischer Überlegenheit des Gegners auf dem Eis zu stehen und dem Kontrahenten dabei das Leben schwer machen, ist ein Bestandteil seiner Stellenbeschreibung bei den Penguins. Wenn bei diesem Unterfangen noch ein eigener Treffer herausspringt, umso besser.

Darüber hinaus sollen Kühnhackl und seine Nebenleute die gegnerischen Top-Reihen durch engagierte Defensivarbeit mürbe machen und sie am erfolgreichen Abschluss hindern. In den Playoffs kam der Deutsche diesem Auftrag als Linksaußen in der vierten Sturmreihe mit Center Matt Cullen und Rechtsaußen Eric Fehr recht erfolgreich nach.

Dafür musste Kühnhackl jedoch seine gewohnte Spielweise umstellen. In den unteren Ligen war er mehr Vollender als Zerstörer. Bei seinen 131 Einsätzen in der AHL kam er auf 44 Punkte (jeweils 22 Tore und Vorlagen). Doch Kühnhackl schaffte den Wechsel hin zu einem harten und physisch starken Arbeiter auf dem Eis.

Im Sommer 2010 hatte der damals 18-Jährige den Sprung vom EV Landshut nach Nordamerika gewagt. Er wurde von den Penguins in der vierten Runde des NHL Entry Drafts an Nummer 110 ausgewählt. Doch ein Einsatz in der obersten Spielklasse blieb ihm zunächst verwehrt. Er musste wie so viele Talente die mühsame Ochsentour über die Minor Leagues und Klubs wie die Windsor Spitfires, die Niagara IceDogs und Wilkes-Barre/Scranton nehmen.

Auf dem Weg in Richtung NHL erlebte er schwere Rückschläge. Eine Schulterverletzung im Dezember 2012 machte eine Operation nötig, die eine monatelange Absenz vom Eis nach sich zog. Ein Jahr zuvor war er nach einem Check gegen einen gegnerischen Verteidiger für 20 Begegnungen gesperrt worden. "Das alles hat mir aber keinen Knacks versetzt, sondern mich zu einem mental stärkeren Spieler gemacht", erzählte Kühnhackl.

Jetzt ist er der dritte Deutsche, dessen Name auf dem Sockel des 20 Kilo schweren Stanley Cups eingraviert ist. Vor ihm durften bereits Uwe Krupp (1996 mit der Colorado Avalanche) und Dennis Seidenberg (2011 mit den Boston Bruins) den begehrtesten Pokal der Branche in die Höhe stemmen. "Wenn ich zurückblicke - vor fünf Monaten war ich in der AHL und hätte nie gedacht, dass ich im Stanley-Cup-Finale spielen darf. Für mich ist ein Traum wahr geworden", sagte er vor dem fünften Match. Nun geht Tom Kühnhackls Traum in die Verlängerung.

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