Die Highlights und spielentscheidenden Szenen aus dem Spiel zwischen den Boston Bruins und den Ottawa Senators

Tim Stützle riss das Spiel mit zwei Toren innerhalb von 103 Sekunden an sich. Die Ottawa Senators befanden sich in der 8. Minute des ersten Drittels in Unterzahl und tief im eigenen Drittel, als Michael Amadio den Puck gewann, einen Sprint über die gesamte Eisfläche hinlegte und einen Pass auf Stützle spielte. Der Deutsche knallte die Scheibe per Direktabnahme ins Netz – 1:0 für die Senators.

„Es geht vor allem darum, aufeinander zu reagieren und sich gegenseitig richtig zu lesen“, sagte Stützle über das erfolgreiche Unterzahlspiel seiner Mannschaft. „Es hilft natürlich, wenn man über einen längeren Zeitraum mit demselben Mitspieler in Unterzahl auf dem Eis steht. Wir helfen uns gegenseitig.“

Nur 1:43 Minuten später stand Stützle erneut im Mittelpunkt. Wieder befanden sich die Senators im eigenen Drittel, als Stützle selbst den Puck abfing und einen Sprint zum gegnerischen Tor hinlegte. Erst unterlief dem 24-Jährigen ein ungewohnter technischer Fehler, indem er mit seinem Schlag den Puck nicht richtig traf. Doch genau dies brachte Bruins-Torwart Jeremy Swayman durcheinander. Stützle behielt die Kontrolle und legte den Puck daraufhin ins Netz. „Nachdem ich zunächst am Puck vorbeigeschlagen hatte, habe ich am Ende versucht, die Situation so zu lösen. Der erste Teil war allerdings nicht beabsichtigt“, sagte Stützle später.

Nur Draisaitl erzielte schneller 150 Tore

Der frühere Akteur der Adler Mannheim erzielte damit die zwei schnellsten aufeinanderfolgenden Tore eines Senators-Spielers seit Brady Tkachuk am 13. Februar 2024 (0:48 Minuten). Damit nicht genug: Mit seinem ersten Treffer avancierte Stützle (449 Spiele) zum vierten deutschen Spieler in der NHL-Geschichte, der die Marke von 150 Toren erreichte. Vor ihm gelang dies Leon Draisaitl (437 Tore), Marco Sturm (242 Tore) und Jochen Hecht (186 Tore), wobei Draisaitl als Einziger diesen Meilenstein in weniger Spielen (396) erreichte.

OTT@BOS: Stützle hämmert einen One-Timer im Vorstoß ins Netz und erzielt ein Tor in Unterzahl

Kurioserweise verfolgte Sturm diesen Meilenstein-Treffer als Cheftrainer der Bruins von der Bank Bostons aus. Dieser hatte erwartungsgemäß wenig Freude an dem Spiel. Vor allem das schwache Überzahlspiel, das bei vier Powerplays auf ein Torverhältnis von 0:1 kam, bereitete ihm Kopfzerbrechen. „Ich habe momentan wirklich keine Erklärung dafür“, sagte der Trainer, als er bei der Pressekonferenz darauf angesprochen wurde. „Wir müssen uns einige Szenen ansehen. Auch die Spieler, die im Powerplay auf dem Eis stehen, müssen sich selbst hinterfragen. Insgesamt müssen wir als Gruppe besser werden. So einfach ist das.“

Auch im zweiten Spielabschnitt dominierten die Senators. Gut eine Minute war gespielt, als erneut Stützle im Mittelpunkt stand. Auch diesmal befanden sich die Bruins im Puckbesitz und wollten gerade ins Angriffsdrittel vordringen, als Stützle die Scheibe abfing und einen tiefen Pass auf Drake Batherson spielte. Dieser lief unbedrängt auf das gegnerische Tor zu und traf zum 3:0. Weitere vier Minuten später legte Amadio mit dem 4:0 nach und sorgte somit für eine kleine Vorentscheidung.

Sturm kritisiert Leistung seiner Bruins

Sturm sah sich dazu gezwungen, eine Auszeit zu nehmen und auf die eigene Mannschaft einzuwirken. „Ich habe versucht, uns wieder auf die Grundlagen zu besinnen“, erklärte er später. „Wir hatten einige dieser Dinge bereits zwischen den Dritteln angesprochen. Dann sind wir wieder aufs Eis gegangen und haben praktisch genauso weitergespielt. Deshalb musste ich die Spieler noch einmal daran erinnern. Offenbar war meine Botschaft zuvor nicht deutlich genug angekommen. Das war nicht unser Spiel, nicht unsere DNA und nicht die Art und Weise, wie wir verteidigen wollen. Man kann sich jeden Bereich ansehen. Von oben bis unten war unsere Leistung nicht gut.“ Im Schlussdrittel sorgte James Hagens mit dem 1:4 zumindest für Ergebniskosmetik.

oston kassierte nach zwei Siegen zum Saisonauftakt nun die zweite Niederlage in Folge und musste in den vergangenen drei Partien elf Gegentreffer hinnehmen. Ottawa hingegen hat mit zwei Siegen aus zwei Spielen einen starken Saisonstart hingelegt. „Das war erneut eine großartige Mannschaftsleistung. Alle vier Reihen und jeder einzelne Verteidiger haben ihren Beitrag geleistet. Wir haben als geschlossene Einheit gespielt und füreinander gekämpft. Deshalb war es ein wichtiger Teamsieg“, freute sich Stützle. „Es macht einfach Spaß. Vor allem gefällt mir die Art und Weise, wie wir unsere Spiele gewinnen.“

OTT@BOS: Stützle erzielt mit einem raffinierten Schuss sein zweites Tor

Stützle lobt und mahnt: „Zwei Spiele bedeuten nichts“

Es sei wichtig, im Gegensatz zu früheren Spielzeiten gut in die Saison zu starten. „Uns hat überhaupt nicht gefallen, wie wir in den vergangenen Jahren in die Saison gestartet sind. Wir mussten uns immer wieder aus einem Loch herausarbeiten, lagen früh nach Punkten zurück und mussten anschließend der Playoff-Qualifikation hinterherlaufen“, sagte Stützle. „Deshalb war ein guter Saisonstart für uns sehr wichtig. Zwei Spiele bedeuten allerdings noch gar nichts. Wir müssen diesen Weg fortsetzen und weiterhin solche Mannschaftsleistungen zeigen. Dann werden wir auch weiter Spiele gewinnen.“

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