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Thomas Greiss glänzt weiter mit seiner ruhigen Art

von Stefan Herget / NHL.com

In den Playoff Spielen der NHL am Freitag gab es eine besonders herausragende Torhüter Vorstellung durch Michael Neuvirth von den Philadelphia Flyers, der mit einem 44 Saves umfassenden Shutout seine Mannschaft nahezu im Alleingang in Spiel 6 gegen den großen Favorit Washington Capitals brachte.

Nicht minder spektakulär war die Vorstellung von Torhüter Thomas Greiss von den New York Islanders, der in Spiel 5 bei den Florida Panthers über sich hinauswuchs und mit 47 Saves einen wesentlichen Anteil am Erfolg seiner Farben hatte. Die Islanders gehen so mit einer 3-2 Führung in der Serie in ihr Heimspiel am Sonntag um 19:00 Uhr ET (Mo. 1:00 Uhr MESZ).

"Sie sind eine gute Mannschaft", sagte Islanders Trainer Jake Capuano. "Sie hatten einige Chancen. Das Spiel hätte auch gut anders ausgehen können, aber ich denke Thomas Greiss hat für uns heute groß aufgetrumpft."

Das Lob des Trainers erging zu Recht an den Deutschen, der für seine ruhige und fast stoische Art bekannt ist. Dementsprechend war ihm nach dem Spiel nicht unbedingt anzusehen und anzuhören, was er gerade geleistet hatte.

"Ich konnte die Pucks gut sehen", sagte Greiss nüchtern. "In anderen Spielen springt der Puck rein. Nur einer dieser Tage." Der 30-jährige gebürtige Allgäuer, der auch schon das bayerische Wappen auf seiner Maske trug, wehrte im ersten Drittel zehn Schüsse, im zweiten 14, im dritten bei einem Gegentor fünf und in der 36 Minuten dauernden Verlängerung noch einmal 18 ab.

Greiss, der als Nummer 2 hinter dem derzeit verletzten Jaroslav Halak in die Saison gestartet war, konnte kaum erwarten, dass er in den Playoffs in der Lage sein würde, die Islanders zum ersten Erfolg in einer Playoff Runde in 23 Jahren zu führen. Ein weiterer Schritt am Sonntag ist dafür aber noch nötig und das Geschäft schnelllebig.

Doch es sollte an der Zeit sein, es einfach zu genießen. Die größte Tat von Greiss passierte nach 7:19 Minuten in der ersten Verlängerung. Islanders Verteidiger Calvin de Haan hielt im Torraum die Hand auf den Puck und die Schiedsrichter entschieden richtigerweise auf Penalty.

Es trat der erst 20-jährige Aleksander Barkov für die Panthers an, der zuvor für den 1-1 Ausgleich gesorgt hatte und damit als einziger des Abends Greiss überwinden konnte. Eine große Verantwortung für den jungen Finnen, der er nicht gerecht werden konnte, weil Greiss mit der Fanghand und dem Schoner zur Stelle war, als Barkov auf dessen rechter Seite vorbeizog und den Puck ins Tor befördern wollte.

Greiss schrieb Geschichte, denn im Negativfall wäre es der erste Penalty in einer Verlängerung in der Stanley Cup Playoff Geschichte gewesen, der zum Erfolg führte. Erst zwei Mal zuvor gab es eine solche Situation, zuletzt 1998, als Andy Moog von den Montreal Canadiens Pittsburgh Penguins Stürmer Aleksey Morozov stoppte. Die Premiere war 1996. Washington Capitals Stürmer Joe Juneau scheiterte damals an Penguins Torhüter Ken Wregget. Besonderheit am Rande, dass Panthers Stürmer Jaromir Jagr in allen drei Partien dabei war.

Dem sympathischen Greiss ist der derzeitige Erfolg zu gönnen, denn während viele langjährige Backups irgendwann die Lust verlieren und der NHL den Rücken kehren, war er immer einer, der seine Rolle im Hintergrund annahm und geduldig, sowie wenig aufmüpfig seiner Arbeit nachging. Er war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde, ging aber genauso klaglos ins zweite Glied zurück. Es gibt wohl kaum einen besseren Charakter für diese Position, als den, welchen Greiss an den Tag legt.

Auch die Kollegen waren voll des Lobes für Greiss. "Es war natürlich großartig für uns", sagte Stürmer Frans Nielsen, der seit 10 Jahren bei den Islanders ist. "Es war gut zu sehen. Du brauchst das, besonders zu dieser Jahreszeit und wenn du auswärts gegen ein gutes Team spielst. Du brauchst diese Saves. Er ist schon das ganze Jahr gut für uns. Jetzt weil Jaro ausfällt, bekommt er wirklich die Chance zu zeigen, wie gut er ist. Es ist großartig, das zu sehen."

Trainer Capuano, der seit Halaks Ausfall stets betonte, welches Vertrauen er in Greiss hätte, weil er merke, wie hart dieser arbeiten würde, sah sich in seiner Auffassung bestätigt. "Er machte einige große Saves für uns", sagte er. "Wir waren einige Male in Bedrängnis. Der Penalty, natürlich. Es war ein unterhaltsames Eishockeyspiel."

Ins gleiche Horn blies auch Florida Trainer Gerard Gallant, der ebenfalls Greiss positiv und sportlich fair erwähnte. "Ich denke wir haben gutes Eishockey gespielt", sagte er. "Ich bin wirklich stolz auf unsere Jungs, wir haben gekämpft und waren engagiert. Wir hofften nur, dass wir früher oder später einige Möglichkeiten bekämen und Greiss war unglaublich. Er hat solide gespielt, er hat große Saves gezeigt. Ihr Team hat heute hart gespielt. Die Serie ist unglaublich eng und ich glaube Greiss hat richtig gut für sie gespielt."

So kann es gerne weitergehen.

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